© Elisabeth Lechner

Interview
05/26/2021

Sängerin Virginia Ernst und Frau: Ihr Weg zum gemeinsamen Kind

Zwei Frauen wollen ein Baby. Wie das dem gleichgeschlechtlichen Paar gelungen ist, erzählen sie im KURIER-Gespräch.

von Yvonne Widler

Sie sind ein Paar, das offen über Tabuthemen sprechen möchte. Die Sängerin Virginia Ernst und ihre Frau Dorothea erwarten bald ihr erstes Kind. Der KURIER hat sie getroffen.

Bereits zwei Wochen nach dem Kennenlernen im Jahr 2016 haben Sie sich verlobt. Ein Jahr danach folgte die Hochzeit. Jetzt sitzt Dorothea Ernst mit Babybauch hier. Wie kam es zu der Entscheidung?

Dorothea Ernst: Seit wir uns kennen, war klar, dass wir Kinder wollen. Da wir ein gleichgeschlechtliches Paar sind, kann bei uns kein klassisches “Hoppala“ passieren, sondern ein Baby muss geplant werden. Wir waren im Kinderwunschzentrum. Erkundigt über die möglichen Abläufe haben wir uns schon vor der Pandemie und schließlich haben wir gesagt, jetzt legen wir los.

Wie sah denn der Ablauf in Ihrem Fall aus? 

Virginia Ernst: Ganz ehrlich: Wäre Dora nicht gewesen, hätte ich schon aufgegeben. Es ist wirklich ein mühsamer Prozess für Paare wie uns. Vom Notar bis hin zu den zahlreichen Untersuchungen,

Informationen, Regelungen. Schließlich kam für uns entweder In-vitro-Fertilisation oder eine Insemination infrage. Wir haben uns für die Insemination entschieden.

Was genau ist der Unterschied?

Dorothea Ernst: Eine Insemination ist im Grunde eine normale Befruchtung, nur dass der Samen in die Frau injiziert wird. Also die sanftere Methode der beiden.

Virginia Ernst: Der Arzt sagte, dass er zu einer Insemination rät, weil Dora in ein gutes Alter hat, gesund ist und der Eingriff auch hormonell weniger belastend ist.

Wie gelangt man zu dem Samen bzw. zu dem Samenspender?

Virginia Ernst: Den konnten wir uns aussuchen. Von Herkunft, Haar- und Augenfarbe, Hautfarbe, Familiengeschichte bis hin zu den Charaktereigenschaften.

Dorothea Ernst: Unser Institut hat eine eigene Datenbank im Haus und wir hatten ein Informationsgespräch mit einer sehr netten Beraterin damals im Lockdown über Zoom, vorab hat Virginia einen Zettel mit unseren Kriterien ausgefüllt.

Virginia Ernst: Das hat sie tatsächlich mir überlassen und das hat mich sehr gefreut. Ich bin ja die zweite Hälfte des Kindes.

Wie war der ganze Prozess für Sie, wie nehmen Sie Österreich dahingehend wahr?

Virginia Ernst: Österreich ist in manchen Belangen nach wie vor sehr konservativ. Es hat lange gedauert, bis es überhaupt möglich war, dass gleichgeschlechtliche Paare eingetragene Partnerschaften führen dürfen oder eben eine Insemination machen und somit Eltern sein dürfen. Das spürt man nach wie vor. Wir werden nicht gleich behandelt. Es war ein langer Weg, bis zum Baby, für heterosexuelle Paare ist all das selbstverständlich. Nicht zuletzt ist es ein Kostenfaktor, der größtenteils privat zu zahlen ist.

Welche Kriterien sollte Ihr Samenspender erfüllen?

Virginia Ernst: Äußerlich bin ich nach meinem eigenen Erscheinungsbild gegangen. Ansonsten war mir wichtig, dass der Mann sportlich und musikalisch ist. Wer weiß, vielleicht machen wir es beim nächsten Baby dann anders.

Bei Ihnen hat es anfangs nicht geklappt mit dem Schwangerwerden.

Dorothea Ernst: Richtig, wir haben dann gleich im nächsten Zyklus weitergemacht. Ohne zu überlegen. Kurz vor dem geplanten Eisprung begutachtet der Arzt dann die Größe der Follikel in den Eierstöcken und wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, muss man sich eine Spritze in den Bauch setzen, die den Eisprung auslöst.

Diese Spritze injiziert man sich selbst?

Dorothea Ernst: Ja. In dem Fall hat mir meine Schwiegermama geholfen. Augen zu und durch.

Wie ist die Lage bezüglich Samenspender und Datenschutz?

Dorothea Ernst: Unser Kind hat das Recht ab einem Alter von 14 Jahren mit dem Samenspender in Kontakt zu treten, er bleibt nicht zwingend anonym. Aber er hat auch das Recht zu sagen, er möchte es nicht kennenlernen. Er selbst könnte nicht auf uns zugehen. Wir wissen auch keinen Namen.

Wann werden Sie zu dritt sein?

Virginia Ernst: Es wird ein Sommerbaby. Gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten ist das Kind ein wunderschöner Lichtblick für uns. Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird mit meiner Musik, niemand weiß das. Daher freut es mich, dass es privat vorangeht und wir uns weiterentwickeln.

Aber auch beruflich hat sich trotz Pandemie etwas entwickelt.

Virginia Ernst: Genau. Zu Beginn der Pandemie war es sehr schwierig, alle Konzerte wurden abgesagt und finanziell wurde es eng. Ich hatte Angst, wie viele andere auch. Dann kam eine Phase, wo ich die Entspannung zugelassen habe und sehr viel geschlafen habe. Und schließlich fand ich mich im Studio wieder, habe geschrieben und produzierte ein neues Album mit 15 Songs. Die erste Single kommt am 28. Mai heraus, sie heißt “HOLY”.

Welche Werte sind Ihnen in der Erziehung wichtig?

Dorothea Ernst: Wir möchten der individuellen Entwicklung nicht im Weg stehen - keine tradierten Farbmodelle oder festgefahrene Charakterbeschreibungen.

Virginia Ernst: Ich war ein glückliches Kind, weil meine Eltern mich sein ließen, wie ich bin. Ich war ein kleines Mädchen, das sich die langen Locken abgeschnitten hat, Eishockey spielen wollte und Kleider gehasst hat. Nie wurde ich zu etwas anderem gedrängt.

Welches biologische Geschlecht wird Ihr Kind haben?

Virginia Ernst: Wir verraten es nicht. Im Sommer machen wir eine kleine Babyparty für Familie und Freunde. Dort lüften wir das Geheimnis.

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