Das stachelige Coronavirus mit dem Namen SARS-CoV-2 hat unser Jahr überschattet – doch es gibt  einen Silberstreif am Horizont

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freizeit Leben, Liebe & Sex
12/02/2020

Ende des Narzissmus? Wie uns Corona verändert

Die internationale Trendforscherin Marian Salzman blickt in eine Zukunft post Corona.

von Julia Pfligl

Marian Salzman beginnt die Präsentation ihres Ausblickes mit einem Wunsch für das neue Jahr: „Ich wünsche uns ein langweiliges 2021. Das haben wir wirklich verdient.“

Die renommierte Zukunftsforscherin aus New York City veröffentlicht gegen Ende jedes Jahres einen „Trendreport“ mit einigen Thesen für die kommenden Monate. Mit ihrer Vorausschau für 2020 hätte sie aus heutiger Sicht lieber weniger recht gehabt: „Chaos – Das neue Normal“, prognostizierte die 61-Jährige im Dezember 2019, nicht ahnend, dass ein neuartiges Coronavirus alles noch viel, viel chaotischer machen – und die Klimakrise erstmal in den Schatten stellen – würde.

Optimismus

„Das Einzige, das uns davon abhält, den 1. Jänner 2021 zu begrüßen, ist wohl die herzzerreißende Angst, dass alles noch viel schlimmer werden könnte“, spricht Salzman vielen Menschen aus der Seele.

Doch die Trendforscherin gibt Entwarnung: Nachdem die ersten Monate im Zeichen einer globalen psychischen Gesundheitskrise stehen werden, erwarte uns eine zweite Jahreshälfte voll „nahezu irrationalem Optimismus“. „Ich sehe Grund für Hoffnung, für eine bessere Post-Covid-Welt.“ Fünf Thesen aus Salzmans „Trendreport ’21“:

  • „Zooming In“ „Wir haben uns jetzt so weit entschleunigt, dass wir wissen, was wir in unserem Leben und unserer Welt wollen“, glaubt Salzman. „Wundern Sie sich nicht, wenn sich Ihre Freunde plötzlich bedeutendere Jobs suchen oder ein ‚Tiny House‘ zulegen, in dem sie jederzeit umziehen können.“ Salzman spricht von einem neuen „Lokalismus“ und nennt ihn, in Anlehnung an das neue Kommunikationstool, „Zoom In“ – wir schärfen unseren Blick also auf das, was wirklich essenziell ist. Jene, die noch Geld verdienen, investieren es in kleine, lokale Unternehmen und unterstützen Menschen in ihrer Umgebung.
  • Zeitkonzept zerbröselt Ein linearer Tagesablauf tritt in den Hintergrund, mehr und mehr Firmen setzen auch nach der Pandemie auf Telearbeit und stellen ihren Mitarbeitern frei, wann sie die Arbeit erledigen. Auch die Vier-Tage-Woche wird aktueller. „Es gibt ein dringendes Bedürfnis nach mehr Flexibilität am Arbeitsplatz, auch in Hinblick auf Burn-outs, die einen wesentlichen Teil der psychischen Gesundheitskrise ausmachen“, so Salzman.
  • Neues Wir-Gefühl Narzissmus als beherrschendes Gefühl könnte bald der Vergangenheit angehören, viele Menschen bekamen durch das Social Distancing erstmals eine Ahnung davon, wie wichtig Gemeinschaft ist. Diese „Social Circles“ werden sich künftig weniger um Nähe und Bequemlichkeit drehen, sondern um echte Intimität und Verbindung, glaubt Salzman. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft zeige sich auch auf weniger positive Weise, wie bei den „Freidenker“-Demos oder der Entstehung von Verschwörungstheorien.
  • Was wirklich zählt Die bedrohliche Krise führt dazu, dass soziale Ungerechtigkeiten nicht mehr einfach so hingenommen werden. Die Solidarität mit essenziellen Arbeitskräften wird größer, Frauen bekommen eine noch lautere Stimme in der Politik.
  • Krisensicher leben Die „Bunkermentalität“ war schon in ihrem letzten Trendreport ein Thema, eine Reaktion auf das vorherrschende Unsicherheitsgefühl. „In Zukunft werden wir alle Mehl in unserem Haus bunkern, um jederzeit Brot backen zu können“, so Salzman. Selbstversorgung und DIY-Kurse werden boomen. „Wir möchten Dinge selber erledigen können, anstatt uns auf andere zu verlassen.“
  • Unsicherheit akzeptieren „Es ist Zeit, dass wir unseren Frieden mit der Unsicherheit schließen und akzeptieren, dass wir nicht alles unter Kontrolle haben“, sagt Salzman. Dazu gehören viele unbeantwortete Fragen, die die Welt noch länger beschäftigen werden: Werden wir einander je wieder die Hände schütteln? Wird es eine zu 100 Prozent wirksame Impfung geben? „Wenn es nur 90 Prozent sind, werden wir unseren Frieden mit den zehn Prozent schließen müssen.“
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