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freizeit Leben, Liebe & Sex
07/29/2021

Empfehlung an die Achtsamen: Lasst euch impfen und redet darüber!

Eine neue Studie zeigt: Mehr beachtet als Appelle an die Vernunft und Horrorszenarien sind Vorbilder im privaten Umfeld.

Tragen Mutter und Vater, Tante und Onkel Maske im Restaurant, pochen die besten Freunde auf 3 G, bittet die geschätzte Lehrerin, nicht auf die Hygiene zu vergessen, stehen die Chancen gut. Dann dürfen jene Virologen und Gesundheitsminister dieser Welt, die seit Beginn der Corona-Krise vehement um mehr Rücksichtnahme bitten, darauf hoffen, dass sie auch bei Skeptikern Gehör finden.

Zu dieser Erkenntnis gelangen deutsche Forschende in ihrer neuen Studie. Dazu die Juniorprofessorin Selma Rudert von der Universität Koblenz-Landau: „Insbesondere soziale Normen sagen vorher, ob Menschen sich an die geltenden Vorschriften und Empfehlungen halten oder sogar noch andere während der Pandemie unterstützen oder ob sie gegen die Regeln verstoßen.“

In ihrer Befragungsstudie haben die Wissenschafter verschiedene Verhaltensweisen kurz nach dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr untersucht. Neben sozialen Normen, unter denen man Regeln und Standards versteht, wie man sich in einem bestimmten Umfeld verhalten sollte, haben sie Einflussfaktoren wie Persönlichkeit oder empfundene Bedrohung durch die Pandemie sowie früheres Handeln erfasst, um das Verhalten in dieser Gesundheitskrise genauer vorherzusagen.

Konkret untersucht haben die Forschenden, ob Menschen sich an die Abstandsregeln und das Vermeiden von direktem sozialen Kontakt halten und andere Menschen während der Krise unterstützen, beispielsweise durch Nachbarschaftshilfen oder das Nähen von Masken, ob sie zu Hamsterkäufen neigen oder die geltenden Regeln missachten.

Sicherheit in der Krise

Soziale Normen entstehen insbesondere durch Verhaltensweisen, die Menschen bei Nahestehenden wahrnehmen, etwa in der Familie oder im Freundeskreis. Sie geben Menschen Sicherheit, vor allem in Krisenzeiten, erfüllen auch das Bedürfnis nach Zugehörigkeit. „Die meisten Menschen sind bestrebt, sich korrekt und angebracht zu verhalten. Das Verhalten anderer ist informativ dafür, was als korrekt gilt“, erklärt Stefan Janke von der Universität Mannheim. Der Einfluss der anderen untersuchten Faktoren wie Persönlichkeit und Bedrohung fiel im Vergleich zu den sozialen Normen relativ gering aus.

Ihre Ergebnisse ließen sich auch auf die aktuellen politischen Debatten im Hinblick auf das Impfen oder Lockerungen übertragen und habe einen großen Einfluss für die weitere Steuerung der Pandemie, betonen Selma Rudert und Stefan Janke.

„Wichtiger als an die Vernunft der Menschen zu appellieren oder die Bedrohung durch das Virus hervorzuheben, ist vermutlich, positive Rollenvorbilder in verschiedenen Gesellschaftsgruppen herauszustellen und Menschen dazu zu ermutigen, über gesellschaftlich erwünschtes Verhalten zu sprechen“, so Rudert. Will man die Akzeptanz von Corona-Maßnahmen und Impfungen erhöhen, solle man sich solche Normprozesse zunutze machen, im Sinne von „Tue Gutes und rede darüber“.

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