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09/09/2020

Antivirus-Kleidung: „Das taugt nichts, liegt aber im Trend“

Sich und andere vor Covid-19 zu schützen, ist derzeit oberstes Gebot: Was antivirale Kleidung kann und was nicht.

Wollen wir den Herstellern einmal ein paar Zeilen lang glauben: „100 % selbstreinigend dank der weltweit fortschrittlichsten Technologie zur Erhaltung der Hygiene von Textilien.“ „Innovativ und virengeschützt.“ „Eine hochwirksame Barriere, um den Träger vor schädlichen Keimen in der Umgebung abzuschirmen.“ „Selbstdesinfizierende Reißverschlüsse sind nach jeder Berührung in nur fünf Minuten von selbst wieder einsatzbereit.“ „Nähgarn des weltweit führenden Industriegarnherstellers verleiht jeder Naht antimikrobielle und antivirale Eigenschaften.“ „Elastisches Gewebe für die ausstülpbaren Manschetten der Virenschutz-Jacke JUST5, um die Hände beim Berühren potenziell kontaminierter Oberflächen zu schützen.“

Heilsbringer

So verspricht es der Schweizer Textiltechnologe HeiQ: Ihr Viroblock sei wirksam gegen SARS-CoV-2 und viele andere Viren. Das pakistanische Textilunternehmen Artistic Denim Mills und auch der indische Herrenausstatter Peter England sind jedenfalls von der Sinnhaftigkeit überzeugt. Oder wittern ein gutes Geschäft. Beide haben sich mit den Schweizern zusammengetan und verkaufen schon oder bald antivirale Oberbekleidung.

Ähnliches verspricht auch die schwedische Firma Polygiene, berichtet Good Morning America. Im Juli verkündete sie, mit dem Jeans-Riesen Diesel kooperieren zu wollen, um antivirale Kleidung herzustellen. Laut Hersteller schützt das neue Mittel ViralOff die behandelte Kleidung und reduziert dort befindliche Viren innerhalb von zwei Stunden zu 99 Prozent. Wobei sich das Unternehmen absichert: Der Träger direkt sei nicht geschützt. „Dies dient dem Schutz des behandelten Produkts. Ob, wann und wie dies auch für den Anwender von Vorteil ist, hängt von vielen anderen Dingen ab“, heißt es auf der Unternehmenswebsite.

Tötet Virus auf Textilien

Im Klartext bedeutet das wohl: Textilien, die mit Viroblock, ViralOff oder wie sie heißen mögen, ausgestattet sind, schützen ihren Träger nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, sie töten „nur“ das Virus auf Textilien ab. Oder, um Umweltmediziner Hans-Peter Hutter zu zitieren: „Das taugt nichts, liegt aber im Trend. Für Konsumenten ist es extrem schwierig, zu erkennen, was funktioniert und was nicht“. Er fordert eine Prüfstelle und ein Siegel für derartige „Innovationen“, die verstärkt auf den Markt kommen werden.

Übrigens: Es gibt noch immer keine sicheren Daten zur Überlebensdauer des SARS-CoV-2-Virus auf Textilien. Zur Erinnerung: Das Robert Koch-Institut betont weiterhin, dass der Hauptübertragungsweg des Coronavirus die Tröpfcheninfektion ist. Und – auch wenn es langweilig wird: Der beste – und billigste – Schutz sind nach wie vor Maske, Abstand und gründliches Händewaschen.

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