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freizeit
05/25/2019

Laudas enger Freund Bertl Wimmer: "Er wollte immer schnell sein"

„Bertl“ Wimmer, 79, hatte bis zuletzt Kontakt zu Niki Lauda. Exklusiv in der freizeit: Was er mit seinem Freund besprach.

von Barbara Reiter

Wenn man Niki Lauda zu runden oder halbrunden Geburtstagen befragt hat, sagte er stets: „Das ist mir wurscht.“ So geschehen in einem -Interview 2014 anlässlich seines 60ers. Auch Nachfragen half nichts: „Wie schaut es mit dem 65er aus?“  Laudas Antwort: „Der ist mir noch wurschter.“ Zum 70er konnte Lauda, stets pointiert, selbst nicht mehr Stellung nehmen, zu angeschlagen war sein Gesundheitszustand nach seiner Lungen-Transplantation im August 2018. Dazu kam seine Reise nach Ibiza zu Weihnachten, die ihm eigentlich Erholung bringen sollte. Währenddessen erkrankte Lauda an einer Grippe und erholte sich nicht mehr.

Der Salzburger Bertl Wimmer, 79, war bis zum Schluss einer von Laudas engsten Freunde. Gesehen hat er die Formel-1-Legende zum letzten Mal drei Wochen vor dessen Tod am 21. Mai. Telefoniert haben die lebenslang Verbundenen zuletzt zwei Wochen vor Laudas Ableben. „Er hat gespürt, wie schlecht es ihm geht und war schon sehr abgemagert. Sie haben ihn dann noch nach Zürich gebracht, aber danach hat er das Telefon nicht mehr abgehoben. Der Niki hat gewusst, dass er keine Chance mehr hat.“

 

Und trotzdem: Obwohl selbst schwer krank, motivierte Lauda bis zum Schluss auch seinen gesundheitlich angeschlagenen Freund Bertl: „Er hat ein unglaubliches Motivations-Vermögen in sich gehabt. Auch, wenn es anderen Menschen schelcht ging, die ihm nahegestanden sind. Er hat immer die richtigen Worte gefunden, es hat wohl getan mit ihm.“
 

Rupert „Bertl“ Wimmer kannte Niki Lauda, weil der Formel-1-Star in Hof bei Salzburg lebte. Wimmer, damals Verkaufsleiter bei KTM Mattighofen, freundete sich mit Lauda über die gemeinsame Leidenschaft für Motorräder an. „Wir sind immer gemeinsam gefahren.“ Ab 1976 begleitete er ihn zu allen Formel-1-Rennen. Wimmer war  für Lauda der unverzichtbare „Mann für alle Fälle“. „Ich bin sicher zehn Mal mit ihm um die Welt geflogen. Wir sind in Salzburg ein- und in Japan oder Südafrika wieder ausgestiegen.“ Gesprochen wurde dabei vor allem über die Formel 1. „Er wollte immer schnell sein.“  Was Wimmer bis heute fasziniert: „Dass der Niki der Erste war, der ein Privatflugzeug hatte. Später haben wir gemeinsam den Flugschein gemacht.“  
 

Schwer traf Wimmer nun die Nachricht von Laudas Tod. „Es war kein Schock, weil ich wusste, wie es ihm geht. Aber es ist unendlich traurig. Es ist ein Riesenloch entstanden.“ Den Kontakt zu Laudas Familie wird auf jeden Fall bleiben. „Selbstverständlich! Ich habe mit allen Kontakt. Marlene, dem Lukas, Mathias (Anm.: Laudas erste Frau und Söhne aus dieser Ehe) und seiner Birgit.“ Mathias Lauda, 38, selbst Rennfahrer, ist übrigens der Taufpate von Bertl Wimmers Sohn Jakob. Der 27-jährige Jakob war seine gesamte Kindheit jedes Jahr bei den Laudas auf Ibiza zu Gast. „Eigentlich hätte Niki mein Taufpate werden sollen. Aber er meinte, er wäre zu alt. Dann ist es der Mathias geworden.“

 

Ob Lauda noch leben könnte, wäre er zu Weihnachten 2018 kurz nach seiner Lungentransplantation nicht nach Ibiza geflogen? „Dazu sagen wir nichts“, sagt Jakob Wimmer. „Es war aber für Niki immer das größte Ziel, entweder in die Formel 1 oder nach Ibiza zurückzukehren. Das war seine Motivation und genau so kann man diese Reise sehen.“