Ein Pekinese schaut in die Kamera.

Tiercoach: Diese 12 Hunderassen geraten am schnellsten in Atemnot

Eine britische Studie zeigt, welchen Hunden die Luft ausgeht. Der KURIER-Tiercoach sieht Züchter und Halter in der Pflicht.

„Vierbeiner mit stark ausgeprägtem BOAS müssen operiert werden, andernfalls besteht konstante Atemnot bis zum Erstickungstod“, sagt Zoodoc Reitl. 

Schwellen etwa bei Sommerhitze die Schleimhäute an, hechelt der Hund noch mehr und setzt damit einen Teufelskreis in Gang, bis die Nase und der Rachen komplett zu sind. Stress verschlimmert den Zustand zusätzlich.

Halter können sich gegen die Qualzucht entscheiden

„Das Wissen um Risikofaktoren kann Züchtern und künftigen Haltern helfen, Hunde auszuwählen, die weniger wahrscheinlich von BOAS betroffen sind“, ziehen die Forschenden praktische Tipps aus ihrer Studie. 

Auch KURIER-Tiercoach Katharina Reitl appelliert: „Wer einen Welpen will, soll sich an seriöse, österreichische Züchter wenden, die Elterntiere genau anschauen und – noch wichtiger – die eigene Motivation für die Wahl der Rasse hinterfragen.“ Die Nachfrage regelt den Markt. Qualzucht bliebt ein No-Go.

Pekinesen sind arme Hunde. Das Schönheitsideal der Rasse definiert ein extrem flaches Gesicht, das quälende Atemnot verursacht. Auch Mops und Bulldoggen hohlen mühsamer Luft als Langschnauzen. So weit so bekannt.

Nun zeigt eine Studie, dass nicht nur die Anatomie des Kopfes das Brachyzephale Obstruktive Atemwegssyndrom BOAS auslöst. Forschende der Cambridge Veterinary School fanden bei der Untersuchung von knapp 900 Hunden heraus, dass auch Ruten, Hälse und das Gewicht mit diesen gesundheitlichen Problemen in Zusammenhang stehen.

„BOAS führt zu Atemnot, Schnarchen, geringer Belastbarkeit und Überhitzungsgefahr“, schickt KURIER-Tiercoach Katharina Reitl voraus. 

Die britischen Kollegen haben jetzt 14 Rassen – mehr als die üblichen Verdächtigen – vor und nach einem dreiminütigen Belastungstest bewertet. Bei zwölf identifizierten sie ein besonderes Risiko für die chronische Krankheit.

Pekinesen sind Hochrisiko-Patienten von BOAS

Dabei stuften sie Pekinesen und Japanese Chin als Hochrisiko-Patienten ein. 

Fünf Rassen attestierten die Forschenden ein moderates BOAS-Risiko: Bei King Charles Spaniel, Shih Tzu, Griffon Bruxellois, Boston Terrier und Dogue de Bordeaux war mehr als der Hälfte der Hunde betroffen. 

Für Staffordshire Bull Terrier, Cavalier King Charles Spaniel, Chihuahua, Boxer und Affenpinscher wurde ein leicht erhöhtes Risiko festgestellt. 

Pomeranians oder Malteser hatten keine klinisch relevanten Symptome.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Beziehung zwischen relativer Schnauzenlänge und dem BOAS-Risiko komplexer ist als allgemein angekommen“, wird Studien-Co-Autor David Sargan in einer Aussendung zitiert. 

Denn die Forschenden fanden noch weitere Zusammenhänge. 

Auch die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn weiß, dass BOAS in der Regel mit instabilen Knorpeln einhergeht – ob im Kehlkopf, in der Luftröhre, in der Wirbelsäule oder im Schwanz.

Nicht nur die kurze Schnauze verursachen Atemnot

Bei den Hunden aus der Studie zeigte sich z.B., dass eine kürzere Rute bei Shin Tzu und Staffordshire Bullterrier häufiger mit BOAS verbunden war. Boston Terriern wiederum ging eher die Luft aus, wenn sie einen dickeren Hals hatten. Übergewicht setzte v.a. Affenpinschern zu.

Hedwig Derka

Über Hedwig Derka

Hedwig Derka, geboren 1966 in Wien, seit 1996 Redakteurin beim KURIER. Spezialgebiet: Tiere. Lieblingsthemen: Wissenschaft und nutzloses Wissen. Lieblingsbeschäftigung außer Dienst: Meine kleine und große Familie. Noch Fragen? Interessante Geschichten? Nutzloses Wissen? eMail an mich: hedwig.derka@kurier.at

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