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Halleluja und Dancefloor: Wiens Kirchen drehen auf

Musik, Kabarett, Kino und Clubbing: Am 29. Mai verwandelt die Lange Nacht der Kirchen Sakralbauten in außergewöhnliche Erlebnisorte zwischen Altarraum und Afterparty.
Buntes Licht fällt durch ein großes Kirchenfenster mit detailreichen Glasmalereien und Figuren auf steinerne Wände.

Stellen Sie sich das kurz vor: Sie stehen auf dem Kirchturm der Erlöserkirche, 18 Meter über dem Boden. Ihr Herz schlägt schneller. Dann der Sprung – bestens gesichert von den Profis des Alpenvereins geht es senkrecht durch die Klosterkirche zurück Richtung Boden.

Später tanzen Sie Salsa am Rupertusplatz vor der Pfarre Dornbach bei der Fiesta Latina. Im Pfarrhaus Neufünfhaus kochen Sie mit verbundenen Augen ein dreigängiges Menü. In der Pfarre Kagraner Anger wagen Sie sich in den Kirchenkeller zum Escape-Spiel. Und irgendwo zwischen Turmsprung und Tanz heißt es: Mozart trifft Ambros. Dazwischen hören Sie in der Kirche St. Elisabeth Jesus und seine Hawara Wienerisch sprechen. Und am Ende landen Sie beim Karaoke in der Krypta von Mariabrunn.

Klingt aufregend? Ist es auch.

Menschen flanieren am Abend durch eine belebte Gasse in Wien, im Hintergrund die beleuchteten Fenster des Stephansdoms.

Die Lange Nacht der Kirchen am 29. Mai in Wien ist kein klassischer Kirchenbesuch. Es ist ein Streifzug durch sakrale Räume, die man selten so  erlebt. 

Die Wotrubakirche am Georgenberg ist in farbiges Licht getaucht und wird während der Langen Nacht der Kirchen zum architektonischen Highlight.

In der Wotrubakirche reicht das Programm von Lego-Bauen über den Chor Gospeltrain bis zur Sternenwanderung – und endet am Lagerfeuer.

Die beiden Türme der Votivkirche in Wien sind nachts beleuchtet und mit einer leuchtenden Kunstinstallation verbunden, während die Stadt im Hintergrund erstrahlt.

Bei der Turm- und Dachbodenbesichtigung der Votivkirche können Besucher:innen über eine enge Wendeltreppe den Glockenturm erklimmen und die Aussicht über ganz Wien genießen.

Zwischen Action und Andacht: Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen

Am 29. Mai 2026 öffnen über 170 Wiener Kirchen ihre Pforten und laden mit rund 1.000 Stunden Programm in außergewöhnliche Schauplätze ein. Die architektonische Vielfalt ist dabei beeindruckend: Sie reicht von romanischen Kleinoden wie der Ruprechtskirche – der ältesten Kirche Wiens – über gotische Wahrzeichen wie Maria am Gestade, Stephansdom und Minoritenkirche bis hin zur neugotischen Votivkirche. Auch barocke Meisterwerke wie die Karlskirche, die Peterskirche und die Schottenkirche sind Teil des Programms. Ergänzt wird das Spektrum durch sakrale Juwele wie die Otto-Wagner-Kapelle am Währinger Gürtel sowie durch moderne Architektur wie die Wotrubakirche am Georgenberg.

Viele kleine Kerzen bilden ein großes Ankersymbol auf dem Boden eines festlich beleuchteten Kirchenraums.
Loderndes Feuer in einer Feuerschale vor einem Kirchengewölbe, stimmungsvolle Atmosphäre während der Langen Nacht der Kirchen in Wien.
Eine Person in Schuhen geht über einen Weg, der mit Kerzen und Papierlaternen beleuchtet ist.

Lange Nacht der Kirchen 2026: Mut zum Miteinander

Das Motto der 22. Langen Nacht der Kirchen bringt es in diesem Jahr auf den Punkt: Mut zum Miteinander, kurz: MUTeinander ins Gespräch kommen. Ein Leitmotiv, das erstaunlich gut zu dieser besonderen Nacht passt. Denn Mut zeigt sich hier auf viele Arten: Mut, sich abzuseilen. Mut, sich auf neue Begegnungen einzulassen. Mut, mitzumachen. Und manchmal auch der Mut, einfach einen Raum zu betreten, ohne zu wissen, was einen erwartet.

Eine besondere Akustik und einzigartige Atmosphäre prägen diese Räume, während stimmungsvolles Licht entsteht, wenn die letzten Sonnenstrahlen durch bunte Kirchenfenster fallen oder Kerzenschein die Räume erhellt. Die Lange Nacht der Kirchen ist dabei längst mehr als ein klassischer Kirchenbesuch: Sie ist Stadtspaziergang, Kulturfestival, Nachbarschaftstreffen, Konzertnacht, Partyzone und spiritueller Raum zugleich.

Konzertbesucher erleben in einer bunt beleuchteten Kirche eine Pop-Rock-Show mit Band und Projektion, während der Altarraum festlich illuminiert ist.

Sakrale Räume, aufregendes Programm: Kirchen öffnen seit 2005 bei der Langen Nacht ihre Türen bei freiem Eintritt und zeigen, wie vielfältig sie sein können – kulturell, religiös und gesellschaftlich. 

Mit Glockengeläut ab 17:50 Uhr startet der Abend, danach werden die Gotteshäuser zur Bühne für ein äußerst vielfältiges Programm: von Mozarts festlicher Krönungsmesse bis hin zu pulsierendem Dancefloor Halleluja. Church Clubbing mit DJ-Beats, von der preisgekrönten Kinovorstellung City of God bis zu wissenschaftlichen Analysen über den Einfluss des Orgelspiels auf das Gehirn, und vom Himmelflug von Honigbienen bis zur virtuellen Erkundung der Hagia Sophia mittels VR-Brille.

Ein Mann mit kurzem Haar und ernstem Blick steht vor neutralem Hintergrund, möglicherweise ein Künstler oder Teilnehmer der Langen Nacht der Kirchen in Wien.

Der Kabarettist Peter Panierer zeigt in der Evangelischen Pfarrgemeinde Floridsdorf sein Best-of-Programm „INTRO" – pointierte Stand-Up-Comedy, die auch kirchliche Themen mit Humor behandelt.

Musik-Highlights bei der Langen Nacht der Kirchen: Von Tschuschenkapelle bis Gospel Choir

In dieser Nacht sprengt die Musik alle Konventionen: Freuen Sie sich auf Hollywood-Blockbuster auf Blasinstrumenten in St. Othmar unter den Weißgerbern, eine gefühlvolle Unplugged-Session in der Erlöserkirche und modernen Rap direkt aus Floridsdorf in der Weisselgasse.

Fünf Musikerinnen und Musiker, darunter Mitglieder der Tschuschenkapelle, gehen mit Instrumenten und Equipment gemeinsam zu einer Veranstaltung der Langen Nacht der Kirchen in Wien.

Die Wiener Tschuschenkapelle spielt in der Pfarre St. Johann der Evangelist in Favoriten ein vielfältiges Repertoire von Balkanliedern über mediterrane Serenaden bis hin zu griechischem Rembetiko.

Timna Brauer

Timna Brauer singt in der Pfarre St. Josef ob der Laimgrube im Programm „Die Farben meines Lebens" die bekanntesten Lieder ihres Vaters Arik Brauer und liest aus seinen gleichnamigen Memoiren.

Tünde Jakab, eine der angekündigten Künstlerinnen der Langen Nacht der Kirchen in Wien, posiert mit geschlossenen Augen und elegantem Outfit im Scheinwerferlicht.

Tünde Jakab gibt in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariahilf gemeinsam mit Gitarrist Emanuele Fusaro glamourösen Pop mit einem Hauch von Jazz und Blues zum besten.

Eine Sängerin des Longfield Gospel Choirs performt mit Chor im Stephansdom während der Langen Nacht der Kirchen.

Im Stephansdom sorgt der 60-köpfige Longfield Gospel Choir für Gänsehaut und beschwingter Stimmung – mit den bekanntesten Gospel-Songs und Spirituals. 

Klassikfans kommen bei der Uraufführung von TUNDRA für Klavier und Orgel im Diözesankonservatorium Wien ebenso auf ihre Kosten wie beim außergewöhnlichen Ensemble Vento Veneziano im Schottenfeldkirche. Für besondere Stimmung sorgt außerdem ein Mitarbeiterchor beim SISTER ACT in der Spitalskirche Speising, der das Krankenhaus zum Klingen bringt. Zu später Stunde lädt die Pfarre Mariabrunn zur Cocktailbar mit Karaoke, während die evangelische Gemeinde Floridsdorf zur Afterparty im Kirchenkeller bittet.

Zwei Kinder läuten lachend die Kirchenglocken und erleben spielerisch das Programm der Langen Nacht der Kirchen in Wien.

In der Langen Nacht der Kirchen 2026 wird das Programm für Kinder und Familien großgeschrieben, wobei viele Angebote bereits am Nachmittag beginnen.

Das Kinderprogramm der Langen Nacht der Kirchen

Auch für Kinder bietet die Lange Nacht der Kirchen jede Menge Abwechslung: In der Pfarre Hildegard Burjan sorgt das farbenfrohe Kindermusical Aktion Arche! für Bühnenzauber, während in der Baptistengemeinde Mollardgasse ein Mitmachkonzert mit Kiri Rakete zum Mitsingen einlädt. Abenteuerlustige kommen bei Rätselrallyes und Schatzsuchen auf ihre Kosten – etwa in der Alser Vorstadt, wo eine Rallye im Kreuzgang zu einer versteckten Schatztruhe führt, oder in Maria Hietzing bei der spannenden Schatzsuche.

Musikalisch wird es bei St. Josef am Wolfersberg, wo Kinder Instrumente ausprobieren dürfen. Und die Orgel wird als Königin der Instrumente gleich an mehreren Standorten kindgerecht erklärt – etwa in der Lutherischen Stadtkirche unter dem Titel Tasterix und Orgelix, in der Friedenskirche Lainz oder in der Pfarre Baumgarten.

Besucherinnen und Besucher bestaunen gemeinsam die kunstvoll bemalte Decke einer prunkvollen Wiener Kirche während der Langen Nacht der Kirchen.
Besucher steigen eine enge Steintreppe in den historischen Keller einer Wiener Kirche hinab, wie es bei der Langen Nacht der Kirchen für Führungen und Escape-Spiele angeboten wird.

Sehen, staunen und in die Tiefe gehen: Von Emporen, Türmen, Kanzeln, Katakomben und Kirchenkellern eröffnen sich in der Nacht vom 29. Mai neue Perspektiven auf Wiens Kirchen.

Kulinarische Genüsse: Wenn Messwein auf Streetfood trifft

Beim Essen und Trinken kommen Menschen zusammen – und genau das steht auch bei der Langen Nacht der Kirchen im Mittelpunkt. Zwischen duftenden Schmankerln, edlen Tropfen und gemeinschaftlichen Tafeln entsteht Raum für Begegnung. Die klassische Messweinverkostung hat dabei vielerorts ihren festen Platz.

In der Paulanerkirche etwa lassen sich bei einem Schmankerlbuffet Weine aus verschiedenen Pfarren entdecken, während in der Antonskirche der Wein des Altars nicht nur verkostet, sondern auch erklärt wird.

Silberne Kelche mit Messwein und eine aufgeschlagene Bibel stehen bereit, im Hintergrund Teller mit Brot – Symbol für die vielfältigen kirchlichen Rituale der Langen Nacht der Kirchen.

Auch die Idee der Agape – des gemeinsamen Mahls – wird vielerorts ganz unterschiedlich interpretiert. In der russisch-orthodoxen Kathedrale zum Hl. Nikolaus duftet es nach frisch gebackenen Piroggen, in der Donaucitykirche nach philippinischen Spezialitäten. In der Bernardikapelle servieren Mönche herzhafte Klassiker aus dem Wienerwald, während anderorts Grillparty und Kaffeeklatsch am Programm stehen. 

Und wer noch ein bisschen länger bleibt, findet sich vielleicht in einem Pfarrheurigen wieder – etwa in der Pfarre Alser Vorstadt, wo im Klostergarten bei Antoniuswein, belegten Broten und Kuchen der Abend ganz entspannt ausklingt – mit Gesprächen unter freiem Himmel, Kerzenschein zwischen alten Mauern und dem Gefühl, dass Kirche ein geselliger Ort der Begegnung ist.

Besucherinnen und Besucher bestaunen die reich verzierte Ikonostase und die bemalte Kuppel der russisch-orthodoxen Kathedrale zum Hl. Nikolaus während der Langen Nacht der Kirchen in Wien.

MUT zum Miteinander: Wien feiert die Lange Nacht

Vom Weihrauch zum Weinrausch, vom Tabernakel zur Tanzfläche: Die Lange Nacht der Kirchen 2026 stellt gewohnte Bilder von stillen Messen und ehrfürchtiger Zurückhaltung auf den Kopf. Wenn Blasmusik Hollywood‑Hits spielt, die Kanzel zum DJ‑Pult wird, Wolfgang Amadeus Mozart auf Wolfgang Ambros trifft und Escape‑Rooms im Kirchenkeller locken, sind Wiens Gotteshäuser endgültig außer Rand und Band. Zwischen Action und Andacht, Partyszenen und stillen Momenten entsteht eine wundervolle Nacht, in der sakrale Räume zur Bühne werden – für Messweinverkostung und Grillfest, Kochduell und Ausstellung, Kinderprogramm und Kabarett ebenso wie für klassische Musik, Meditation und Kirchenführungen. Die Lange Nacht der Kirchen ist damit eine MUTige Einladung an alle – für alle: zum Entdecken, Mitfeiern und dazu, Kirche als faszinierenden und schillernden Ort mitten in der Stadt neu zu erleben.