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Gold-Investment: Strategie statt Timing

Wer Gold schrittweise aufbaut, senkt Timing-Risiken. In unsicheren Zeiten gewinnt physisches Gold wieder an Bedeutung.
Gestapelte Goldmünzen und Goldbarren werden von einer Hand mit weißem Handschuh sortiert.

Gold zählt zu den großen Gewinnern der vergangenen Jahre. Während Aktienmärkte schwankten und Inflation Anleger verunsicherte, erreichte das Edelmetall neue Höchststände. Allein 2025 stieg der Goldpreis in Euro um rund 47 Prozent, über fünf Jahre liegt das Plus bei mehr als 155 Prozent. Anfang Mai 2026 kostete eine Unze rund 3.900 Euro. Viele Marktbeobachter sehen darin mehr als eine Rally. Gold wird wieder als strategischer Vermögenswert betrachtet: nicht als Ersatz für Aktien oder Anleihen, sondern als Beimischung.

Dahinter stehen handfeste Gründe. Hohe Staatsverschuldung, geopolitische Risiken und die Suche nach Alternativen zu großen Leitwährungen haben die Nachfrage deutlich erhöht. Zentralbanken stocken ihre Reserven seit Jahren auf. 2024 lagen ihre Nettokäufe bereits zum dritten Mal in Folge über 1.000 Tonnen. Gleichzeitig stagnieren die weltweiten Fördermengen trotz Rekordpreisen. Die bekannten Goldreserven reichen laut der US-Rohstoffbehörde USGS bei heutiger Förderrate nur noch rund zwei Jahrzehnte. 

„Gold war nie ein kurzfristiges Trendinvestment. Viele Menschen sehen darin einen langfristigen Vermögensbaustein, der Stabilität ins Portfolio bringen kann“, sagt Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich. Entscheidend sei dabei oft nicht der große Einmalkauf, sondern der schrittweise Aufbau.

Schritt für Schritt

Kaum jemand trifft beim Goldkauf dauerhaft den perfekten Einstiegszeitpunkt. Genau deshalb kann ein regelmäßiger Erwerb sinnvoll sein: Wer kleinere Beträge investiert, kauft einmal teurer und einmal günstiger. Über längere Zeiträume entsteht daraus ein Durchschnittspreis, der Schwankungen abfedern kann. Der Gedanke dahinter ist einfach: Statt alles auf einen Zeitpunkt zu setzen, wird Vermögensaufbau zu einem kontinuierlichen Prozess. Das entlastet psychologisch. Anleger müssen nicht täglich auf den Kurs schauen oder auf den „richtigen Moment“ warten. 

„Viele unserer Kunden wollen Gold nicht spekulativ handeln, sondern über Jahre hinweg systematisch aufbauen“, sagt Starsich. „Regelmäßige Käufe helfen dabei, emotionale Entscheidungen in turbulenten Marktphasen zu vermeiden.“ Gold erfüllt eine andere Funktion als Wertpapiere. Es bringt keine Dividenden oder Zinsen. Sein Wert liegt in der physischen Knappheit und in seiner Rolle als Wertspeicher. Alle jemals geförderten Goldbestände würden heute in einen Würfel mit rund 22 Metern Kantenlänge passen. Mehr existiert nicht.

Physischer Besitz

Für viele Anleger bleibt daher physisches Gold besonders attraktiv. Münzen oder Barren bedeuten direktes Eigentum ohne Gegenparteirisiko. Es gibt keinen Emittenten und kein Zahlungsversprechen. „Physisches Gold ist greifbares Eigentum, ein mobiler Sachwert, der keine Infrastruktur benötigt. Viele Anleger schätzen genau diese Unabhängigkeit“, betont Starsich.

Hinzu kommt ein steuerlicher Vorteil in Österreich: Anlagegold ist beim Kauf von der Umsatzsteuer befreit. Wer es länger als ein Jahr im Privatvermögen hält, kann es steuerfrei verkaufen. Gold-ETFs oder ETCs unterliegen dagegen unabhängig von der Haltedauer einer Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent. Besonders etabliert ist international der Wiener Philharmoniker der Münze Österreich. Die Goldmünze mit einem Feingehalt von 999,9 zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Anlagemünzen weltweit. Erhältlich ist sie in unterschiedlichen Größen, von der klassischen Unze bis zu kleineren Stückelungen. Starsich: „Wer Gold langfristig betrachtet, denkt meist nicht in Wochen oder Monaten, sondern in Jahren. Gerade deshalb gewinnt der kontinuierliche Aufbau zunehmend an Bedeutung.“