Neuer Fed-Chef nominiert: Warum die Börsen jetzt aufatmen
Es war keine Panik, sondern Erleichterung: Als Donald Trump Ende Jänner 2026 Kevin Warsh für den Chefposten der US-Notenbank nominierte, blieb der befürchtete Marktschock aus. „Die Nominierung von Kevin Warsh wurde von den Märkten prinzipiell sehr begrüßt“, sagt Monika Rosen, Börsenexpertin und Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft. Warsh gilt als geldpolitischer Falke – also als Vertreter einer straffen Linie gegen Inflation. Von 2006 bis 2011 saß er bereits im Gouverneursrat der Fed und war damit Teil des Entscheidungsgremiums während der Finanzkrise.
Institutionelle Linie
„Für die Wall Street ist das eine gute Nachricht, denn damit verbindet sich die Hoffnung, dass Warsh sich nicht jedem Wunsch von US-Präsident Trump so einfach beugen wird“, so Rosen. Das Signal der Unabhängigkeit nahm Druck aus den Märkten. Die Sorge vor einem politisch gefügigen Notenbankchef wich der Erwartung einer berechenbaren Linie. Warsh kritisiert seit Jahren die massiven Anleihekäufe der FED. Er plädiert für eine Verkleinerung der Notenbankbilanz – also weniger Liquidität im System. Gleichzeitig traut ihm der Markt zu, bei entsprechender Datenlage Zinssenkungen zuzulassen. Erwartet werden weiterhin zwei Schritte zu je 25 Basispunkten in diesem Jahr. Einer Senkung im März wird nur eine Wahrscheinlichkeit von sechs Prozent eingeräumt; realistischer erscheinen Juni oder Juli.
„Mit der Nominierung von Warsh wurden zentrale Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed entschärft.“
Vertrauen wächst
Am deutlichsten reagierten die Edelmetalle: Silber verlor rund 30 Prozent – so stark wie seit 1980 nicht mehr. „Mit der Nominierung von Warsh wurden zentrale Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed entschärft“, sagt Rosen. „Wenn das Vertrauen in die Notenbank steigt, sinkt der Bedarf an klassischen Absicherungen.“ Der Aktienmarkt dagegen richtet den Blick nach vorne. Für das vierte Quartal 2025 wird beim S&P 500 ein Gewinnwachstum von rund 13 Prozent erwartet. Für das laufende erste Quartal 2026 liegen die Konsensschätzungen bei gut elf Prozent. Parallel dazu setzt sich die Rotation Richtung Substanz-Werten fort.
Neue Balance
Zinssenkungen gelten zwar als Rückenwind für Aktien, doch strukturelle Themen wie Künstliche Intelligenz überlagern derzeit die reine Zinsfantasie. Für Anleger bleibt die Devise Diversifikation. „Die USA bleiben der wichtigste Kapitalmarkt der Welt“, betont Rosen. „Aber es konzentriert sich nicht mehr alles auf eine Handvoll großer Tech-Werte.“ Hinzu kommt die jüngste Dollarschwäche, die US-Investments für Euro-Anleger belastet. Warsh wird kurzfristig keine Revolution auslösen. Entscheidend ist, ob er die Balance aus Bilanzdisziplin und geldpolitischer Flexibilität durchhält. Erst dann zeigt sich, ob aus der Hoffnung auf Stabilität ein neues geldpolitisches Regime wird.
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