Vorhang auf für 100 Jahre Theaterkunst in Reichenau

Die Festspiele Reichenau feiern ihr Jubiläum 2026 mit Premieren, Klassikern, Lesungen und einzigartigen Inszenierungen.
Nils Strunk und Lukas Schrenk im eleganten Anzug auf einer historischen Treppe, verantwortlich für die Neuinterpretation von „Die Fledermaus“ bei den Festspielen Reichenau 2026.

Von 1. Juli bis 2. August 2026 werden die Festspiele Reichenau erneut zum Treffpunkt großer Theaterkunst. In 130 Vorstellungen entfaltet sich ein Festival mit erstklassigem Ensemble und sechs exklusiven Produktionen, die eigens für diesen Sommer entstehen. Die Saison 2026 steht unter einem besonderen Vorzeichen: 100 Jahre Theater Reichenau! Ein Jubiläum, das nicht nur gefeiert, sondern künstlerisch reflektiert wird – mit einem Spielplan, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet. 

Auftakt in Reichenau: Die Fledermaus von Johann Strauß

Als erste von fünf Premieren kehrt ein Stück zurück, das untrennbar mit der Geschichte des Hauses verbunden ist:  „Die Fledermaus von Johann Strauß. 1926 markierte sie den historischen Beginn des Theaters – 2026 wird sie neu interpretiert. Nils Strunk und Lukas Schrenk verlegen die Operette in die schillernde Welt der Roaring Twenties. Zwischen Champagnerlaune und gesellschaftlicher Unruhe entsteht ein vielschichtiges Bild einer Epoche, das überraschend gegenwärtig wirkt – ein glanzvoller Auftakt für die Jubiläumssaison. Mit Moritz Mausser konnte für die Rolle des Prinz Orlofsky eine der renommiertesten Musical-Stimmen gewonnen werden. Raphael von Bargen, Julia Edtmeier, Sebastian Wendelin und Jakob Semotan sind ebenfalls Teil des stimmgewaltigen Ensembles, getragen von einer Live-Band.

Wieder  mit dabei: Publikumsliebling Joseph Lorenz.

Im Jubiläumsjahr der Festspiele Reichenau steht Publikumsliebling Joseph Lorenz wieder auf der Bühne – ein Highlight für Theaterfans.

Österreichische Literaturklassiker bei den Festspielen in Reichenau

Zudem widmet sich der Spielplan den großen Stimmen der österreichischen Literatur der Jahrhundertwende. Arthur Schnitzlers Reigen“ in der Regie von Alexandra Henkel und Dietmar König (u.a. mit Therese Affolter, Stefanie Dvorak, Daniel Jesch und Stefan Jürgens) sowie Stefan ZweigsVierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“ (Regie: Gordon Greenberg) mit Julia Stemberger, Nils Arztmann, Sona MacDonald, Roman Frankl und Alex Kapl zeigen, wie präzise diese Autoren bis heute menschliche Beziehungen und innere Konflikte beschreiben. 

Festspiele Reichenau zeigen Roths „Heiligen Trinker“

Die Legende vom Heiligen Trinker“ vollendet in der Jubiläumssaison eine Joseph-Roth-Trilogie, die vor drei Jahren mit der „Kapuzinergruft“ begann. Erneut widmet sich Regisseurin Alexandra Liedtke dem Werk des österreichischen Autors – und setzt die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Publikumsliebling Joseph Lorenz nach dem gefeierten „Hiob“ im Vorjahr fort. Joseph Lorenz verkörpert den gescheiterten Andreas – eine Figur zwischen Absturz und Anmut, getragen von der Sehnsucht nach Würde und Hoffnung. Oliver Urbanski untermalt mit seiner Musik das Geschehen. In weiteren Rollen: Julienne Pfeil und David Oberkogler
 

Niavarani und Ofczarek lesen bei Festspielen Reichenau

Neben diesen Schwerpunkten bieten die Festspiele Reichenau weitere außergewöhnliche Theatererlebnisse: Im historischen Südbahnhotel am Semmering wird Leo TolstoisKrieg und Frieden“ als episches Schauspiel inszeniert (Dramatisierung: Nicolaus Hagg). Regie führt Philipp Hauß, es spielen u.a. Noah Saavedra, Johanna Mahaffy, Tim Werths und Martin Schwab. Für junges Publikum bringt Johanna Arrouas mit Antoine de Saint-ExupérysDer kleine Prinz“ zeitlose Poesie auf die Bühne. Ergänzt wird das Programm durch die Reihe Lesung(en) mit Michael Niavarani (Mit Johann Nestroy durch die Krise) sowie Nicholas Ofczarek, Tamara Metelka und Nikolai Tunkowitsch (Thomas Bernhard).

Autor Martin Prinz und Maria Happel (künstlerische Leitung)

Autor Martin Prinz und die künstlerische Leiterin Maria Happel

Gegen das Vergessen: „Die letzten Tage“ als bewegendes Theatererlebnis

In der Reihe Reichenau Spezial wird Martin Prinz’ Roman „Die letzten Tage“ als szenische Lesung aufgeführt. Auf Basis originaler Protokolle aus Volksgerichtsverfahren erzählt das Werk von den letzten Kriegstagen des NS-Regimes in der Region Reichenau.  Dabei rücken die Festspiele Reichenau bewusst auch jenes bewegende Zeitzeugnis regionaler Geschichte in den Fokus, das lange im Verborgenen lag. Zahlreiche Ensemblemitglieder, darunter Therese Affolter, Nils Arztmann und Daniel Jesch, setzen dabei ein eindrucksvolles Zeichen gegen das Vergessen. Die Festspiele Reichenau 2026 sind damit weit mehr als ein Jubiläum: Sie sind ein lebendiger Dialog zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen Erinnerung und Aufbruch. Ein Sommer, der zeigt, was Theater sein kann – intensiv, relevant und zutiefst berührend.