Cyberversicherung: Wann Geschäftsführer in Österreich haften

Mit NIS2 steigt der Druck auf Geschäftsführungen. Cyberangriffe betreffen die Leitungsebene. Der Artikel zeigt, warum Cyberversicherung und Risikomanagement wichtig sind.
Porträt von Michael Samselnig

Haftungsrisiko durch NIS2 und neue Gesetze

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen befinden sich im Wandel: Mit der NIS2-Richtlinie und ergänzenden Vorgaben wie DORA und FIDA müssen Geschäftsführer in Österreich ihre Cyber-Risiken neu bewerten. Die Cyberverantwortung.at-Analyse zeigt, dass diese Regulierungen die persönliche Haftung für Entscheidungsträger massiv erweitern. Die Leitungsebene trägt nun explizit Verantwortung für die Umsetzung technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen – auch dann, wenn IT-Aufgaben ausgelagert oder delegiert werden. Wer das Thema Cyberversicherung weiterhin als Nebensache betrachtet, läuft Gefahr, im Ernstfall persönlich zur Kasse gebeten zu werden.

NIS2, DORA, FIDA: Was das für Unternehmen bedeutet

Die regulatorischen Vorgaben sind komplex und grenzübergreifend. NIS2 adressiert nicht mehr nur große Konzerne oder kritische Infrastrukturen, sondern verpflichtet, abhängig von Betriebsgröße und Branche, auch zahlreiche Mittelständler sowie deren Zulieferer. DORA und FIDA bringen insbesondere im Finanzsektor eine neue Qualität von Prüf- und Dokumentationspflichten. Michael Samselnig, Cyberversicherungs-Experte bei H-I-S Ihr Versicherungsmakler GmbH und Gründer der Initiative Cyberverantwortung.at, betont: „Viele Geschäftsführer unterschätzen, wie schnell sie im Fokus stehen können.. Entscheidend ist nicht die Unternehmensgröße, sondern die eigene Anbindung an digitale Prozesse und Lieferketten.“ Versicherungen prüfen heute bereits bei Abschluss, ob Unternehmen die geforderten Präventionsmaßnahmen wirklich erfüllen.

Cyberversicherung: Chefsache statt IT-Abteilung

Oft herrscht bei Geschäftsführungen der Glaube, Cyberversicherung sei ein reines IT-Thema. Doch Haftung entsteht durch Managementfehler oder fehlende Risikovorsorge – nicht durch technische Details allein. Cyberangriffe können Betriebsstillstände, Datenverluste und teure Regulierungsverfahren auslösen. Die strategische Integration von Cyberversicherung und Risikomanagement muss daher auf Leitungsebene angesiedelt werden. „Wer als Geschäftsführer auf eine Checklistenmentalität setzt, greift zu kurz – entscheidend ist ein systematischer, realitätsnaher Risiko-Check“, so Samselnig. Erst eine belastbare Risikoanalyse schafft Klarheit über den tatsächlichen Schutzbedarf und die Versicherbarkeit.

Fallstricke und Best Practices für die Praxis

Ein häufiger Irrtum besteht darin, IT-Maßnahmen und Backups als ausreichenden Schutz zu betrachten. Zwei Aspekte werden dabei oft übersehen: Erstens verlangt die Regulierung, dass Managementstrukturen, Krisenkommunikation und Notfallpläne auf höchster Ebene durchdacht und dokumentiert vorliegen. Zweitens fordern Versicherer zunehmend detaillierte Nachweise für Cyber-Risikomanagement – etwa zum Stand der Multi-Faktor-Authentifizierung, Patchmanagement oder Incident Response. In der Beratungspraxis wird deutlich: Es reicht nicht, eine Police zu besitzen – entscheidend ist die lückenlose Risikoführung. Best Practices sind unter anderem regelmäßige Schulungen, Business-Continuity-Tests und klare Verantwortlichkeiten im Ernstfall.

Prävention und Resilienz als Führungsaufgabe

Die Zeiten, in denen Cyberversicherungen als optional galten, sind vorbei. Für Geschäftsführer und Vorstände geht es nicht nur um den Schutz des Unternehmens – sondern um den Schutz der eigenen Existenz. Wer die Empfehlungen von Cyberverantwortung.at berücksichtigt, erkennt: Cyber-Risiko ist eine Führungsaufgabe. Der Schlüssel liegt in der proaktiven Verzahnung von Technik, Unternehmenskultur und Versicherungskonzept.