Sängerin Bibiane Zimba: "Ich bin ein echtes Wiener Kind"

Bibiane Zimba
Die Musikerin Bibiane Zimba mit Wurzeln in Ottakring und Kenia hat das Wienerlied für sich entdeckt.. Rassismus erlebt sie immer wieder.

Das Daniel-Moser-Café in der Rotenturmstraße ist voll, Bibiane Zimba serviert gekonnt Cappuccino, Espresso Martini oder einen Bagel. 

„Es muss sich nicht mehr mit der Musik ausgehen“, erklärt die 35-jährige Wienerin, warum sie Kaffee serviert, anstatt auf der Bühne zu stehen. Früher hat sie Aufträge als Musikerin angenommen, die sie jetzt auslassen kann.

Erstes Album während Corona

Während Corona hatte sie „das Glück“, zuvor als Musikerin so gut verdient zu haben, dass sie im Lockdown eine Basisversorgung erhalten hat. 

„Da habe ich mein erstes Album geschrieben und mein erstes Musikvideo gedreht“, erinnert sie sich zurück und fügt an: „Ein Grundeinkommen für Künstler im Kunstland Österreich wäre wünschenswert.“

Ärger über Spotify

Wobei ihr als Musikerin und Wienerlied-Sängerin schon ein anderes Thema mehr helfen würde: „Wenn unsere Musik von Ö3 oder Radio Wien häufiger gespielt werden würde.“

Sängerin Bibiane Zimba am Klavier.

Sängerin Bibiane Zimba am Klavier.

Denn das würde ihr und ihren Musikerkollegen ein anderes Einkommen sichern. „Wenn ein Lied von mir auf Spotify gestreamt wird, bekomme ich 0,003 Cent“, rechnet sie vor, „um so viel zu bekommen, wie für einmal auf Ö3 gespielt zu werden, müsste mein Song rund 16.000 Mal gestreamt werden.“ 

Deshalb wird sie sich von Spotify auch zurückziehen. Wegen der Bezahlung, aber auch, weil dort „so viel nicht gekennzeichnete KI-Musik angeboten wird“. Deshalb sollten echte Musiker „generell weg von Spotify“, meint Zimba.

Ein Tetrapack Glück

Dennoch ist für Zimba klar, dass die Musik – durch den fixen Job nun ohne Druck – eine große Rolle in ihrem Leben spielt. Immer schon gespielt hat. 

Wie auch das Wienerische. „Meine Oma war eine echte Ottakringerin, ich bin im Wiener Gemeindebau im Dritten groß geworden“, erzählt sie über ihre Kindheit. Jetzt lebt in Rudolfsheim-Fünfhaus. 

Und während es für sie in der klassischen Musik ihres Aussehens wegen – Zimbas Vater stammt aus Kenia, sie ist dunkelhäutig und hat eine unübersehbare Frisur – schwer war, Fuß zu fassen, ist sie im Wienerlied wie selbstverständlich angekommen: „Da hat sich nie die Frage gestellt, ob ich hier her gehöre oder nicht.“

Im Wienerlied angekommen

Deshalb wird das nächste Album auch wienerisch: „Beim Wienerlied kommt viel mehr von mir selber, von meiner Persönlichkeit.“ In diesem Genre fühle sie sich wohl, sagt sie. Musik, Texte und Arrangements – alles stammt von ihr, ihr erstes Wienerlied, „Ein Tetrapack Glück“, spielt mit dem Gedanken, mit der U-Bahn ans Meer zu fahren.

Bibiane Zimba vor der Station Karlsplatz.

Bibiane Zimba arbeitet auch als Model - hier vor der Station Karlsplatz. 

„Aus Wien“ reicht nicht

Wien liebt die junge Sängerin von Herzen, und doch hadert sie: „Wenn Wien nur mehr verstehen würde, dass es ein wunderbarer Meltingpot ist.“ Immer noch werde sie gefragt, woher sie komme. 

„Wenn es dann nicht reicht, dass ich sage: Aus Wien, empfinde ich es als übergriffig.“ Dabei ist Zimba bei Martin Spengler und den „foischn Wiener*innen“ die einzig echte Wienerin. Aber zurück zu den Übergriffen: Das kommt immer wieder vor. 

Rassismus wird häufiger

Mit der Frage, „darf ich deine Haare mal angreifen“, ist sie aufgewachsen. Prägend war auch die Zeit im Waldviertel, wo sie kurz mit ihrer alleinerziehenden – weißen – Mutter mit ihren beiden – schwarzen – Geschwistern gelebt hat. Und während des Musikstudiums sei sie „unfassbar oft Rassismus und Sexismus ausgesetzt“ gewesen.

Zuletzt ist es wieder häufiger vorgekommen, dass sie und ihre Schwestern auf der Straße beschimpft werden: „Man spürt als Frau, und noch mehr als schwarze Frau, dass sich seit der Amtszeit von Donald Trump etwas geändert hat. Auch bei uns. Leute, die rassistisch sind, verstecken sich nicht mehr.“

Als Mädchen bei den Sängerknaben

Besonders war für Zimba auch die kurze Zeit als eines der ersten Mädchen bei den Wiener Sängerknaben. „Das hat mich musikalisch sehr geprägt“, sagt sie, aber nach einem halben Jahr mit 19 Burschen in der 3. Klasse Volksschule hatte sie genug. „Ich war so glücklich, dass ich wieder in die öffentliche Volksschule durfte.“

Bibiane Zimba war schon 26 Jahre alt, als sie das erste Mal nach Kenia kam, in die Heimat ihres Vaters.

In Kenia die eigene Identität entdeckt

 „Dort habe ich gemerkt, dass ich wirklich eine Wienerin bin“, erinnert sie sich an diese Momente zurück, „die Hautfarbe macht keine Nationalität. Danach war es für mich ein richtiges Ankommen in Wien.“

Derzeit arbeitet Bibiane Zimba an ihrem neuen Album. Großteils Wienerlieder, was sonst. Am 10. Juni gibt es das Release Konzert im Lighthouse 10 im Haus des Meeres, am 24. Juli einen Auftritt mit Roland Neuwirth und den Strottern im Theater im Park. 

Aber besonders freut sich Zimba auf den Auftritt im Wiener Konzerthaus im Dezember. Als echtes Wiener Kind mit dem Programm „Wiener Kind“.

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