Sooo viele Räder: in vielen Städten kann man sie - wie in Wien - ausleihen

© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Wien
07/29/2020

Wiener Linien retten die Citybikes

Nach einem Streit zwischen Betreiber Gewista und Birgit Hebein, übernehmen nun die Wiener Linien das System. Bürgermeister Michael Ludwig entzieht der Vizebürgermeisterin die Verhandlungen.

von Christoph Schwarz

Nach einem Streit um die Finanzierung drohte den Wiener Citybikes zuletzt das Aus. Jetzt hat Bürgermeister Michael Ludwig eine Lösung präsentiert: Die Citybike-Stationen sollen schon bald von den Wiener Linien übernommen, modernisiert und ausgebaut werden.

SPÖ-Chef Ludwig hat damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Er hat den Fortbestand des beliebten Wiener Leihrad-Systems besichert – und er hat seiner grünen Vizebürgermeisterin Birgit Hebein damit eins ausgewischt.

einen Twitter Post Platzhalter.

Wir würden hier gerne einen Twitter Post zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Twitter zu.

Die Vorgeschichte: Der derzeitige Betreiber Gewista hat zuletzt rund die Hälfte der bestehenden 120 Standorte geschlossen, und zwar  vorrangig im Stadtgebiet innerhalb des Gürtels. Grund dafür war ein Streit um die weitere Finanzierung zwischen der Gewista und der Stadt. Zuständig für die Verhandlungen war Vizebürgermeisterin Birgit Hebein, zu deren Verkehrsressort die Citybikes gehören. Oder gehörten.

Hebein hatte die Forderung der Gewista nach einer höheren finanziellen Beteiligung der Stadt abgelehnt. Danach machte der Betreiber seine Drohung wahr und sperrte 60 Stationen. 

Was dann folgte, war ein Schlagabtausch in Rot-Grün. Vor allem der Grünen-Klubchef David Ellensohn wurde aktiv – und machte auf Twitter die SPÖ für den Citybike-Ärger verantwortlich. Er verwies darauf, dass die SPÖ über die Wiener Arbeiterheime Miteigentümerin der Gewista sei – und unterstellte der SPÖ indirekt, via Gewista Wahlkampf gegen Hebein zu führen. 

Zehn-Jahres-Vertrag

Jetzt hat es Ludwig offenbar gereicht. Er lud kurzfristig zum Mediengespräch und verkündete, dass er sich der Sache selbst angenommen habe: Er „bedauere“ es, dass „sich im zuständigen Ressort keine Lösung gefunden hat“, so Ludwig am Mittwoch. Er wolle nicht, dass das „Erfolgsprojekt ein vorzeitiges Ende nimmt“ – und sei deshalb eingeschritten.

Ludwig will einen Zehn-Jahres-Vertrag mit den Wiener Linien schließen, damit diese die Citybike-Stationen übernehmen. Die bereits von der Gewista geschlossenen 60 Stationen sollen bald wieder geöffnet werden. Innerhalb der nächsten zwei Monate  (und damit vor der Wien-Wahl im Oktober) soll es so weit sein.  

Dann gehe es darum, das Citybike-System schrittweise auszubauen – vor allem in Wiens Stadterweiterungsgebieten. Am Mittwoch nannte Ludwig die Seestadt Aspern als Beispiel. Der Ausbau wird Geld kosten. Die Wiener Linien müssen ihn nicht aus dem laufenden Budget bestreiten. „Die Stadt wird sich beteiligen.“ Die Gewista muss jene Stationen, die sie derzeit noch betreibt, abgeben.

Ganz neu ist die Idee, dass die Wiener Linien die Leihräder übernehmen, freilich nicht. Hebein hatte eine derartige „Zwischenlösung“ angedacht, bevor Ludwig ihr die Agenden entzog. Ihren Plänen, das System auszuschreiben, erteilte er eine Absage: „Wenn ihr das wichtig gewesen wäre, hätte sie das längst initiieren können.“

Die Opposition fand am Mittwoch vor allem ein Wort für den rot-grünen Schlagabtausch: „Peinlich.“ Dass die Citybikes gerettet werden, befürworten freilich alle. Das System besteht seit dem Jahr 2003 und hat weltweit Nachahmer gefunden. 

Der Bürgermeister nutzte den Termin auch, um  generelle verkehrspolitische Forderungen der SPÖ anzusprechen: Ein Ziel sei, die letzte Meile besser zu überbrücken.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.