Kinder in Wohnheim sexuell missbraucht: Therapeut in U-Haft

Mindestens drei Fälle sind derzeit bekannt. Der Verdächtigte wurde festgenommen, U-Haft wurde beantragt. Die Ermilttlungen laufen.
Symbolbild

Im Fall um den 44-jährigen Physiotherapeuten, der mindestens drei wehrlose bzw. psychisch beeinträchtigte Menschen in betreuten Wohneinrichtungen in Wien sexuell missbraucht haben soll, sind bisher keine weiteren Opfer bekannt. Der Verdächtige befindet sich nun in U-Haft.

Das sagte die Sprecherin der Wiener Staatsanwaltschaft, Nina Bussek, der APA. Bereits am Montag war der Mann festgenommen worden, am Mittwoch wurde eine Untersuchungshaft beantragt. Die bisher bekannten Opfer sind im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren.

Verdächtiger gestand

Laut der Polizei hat der Mann die Vorwürfe gestanden. Er befindet sich derzeit in einer Justizanstalt. Eine U-Haft ist noch nicht verhängt worden, sagte die Sprecherin des Wiener Landesgericht für Strafsachen, Christina Salzborn am Donnerstagmittag. 

Bei einer Hausdurchsuchung wurden zudem einschlägige Bilder und Videos gefunden. Mindestens eine städtische Einrichtung ist betroffen. Es handle sich um eine Vertragseinrichtung der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11), bestätigte MA-11-Sprecherin Ingrid Pöschmann.

Weitere Hinweise erbeten

Der Mann war ein externer Mitarbeiter des betroffenen sozialen Trägers. Die Übergriffe sollen bei therapeutischen Behandlungen passiert sein. Die Polizei geht davon aus, dass die Missbräuche über einen längeren Zeitraum erfolgten. 

Ab Bekanntwerden der Tat sollen die Ermittler allerdings sehr schnell gehandelt haben. Weitere Hinweise können - auch anonym - unter der Telefonnummer 01-31310-67800 gegeben werden.

Grüne fordern Safe Recruitment

Die Wiener Grünen zeigten sich am Donnerstag in einer Aussendung betroffen und kritisierten die SPÖ-NEOS-Stadtregierung. Gefordert wurden ein aktives Kinderschutzkonzept für WGs und Krisenzentren, ein Kinderschutzbeauftragter in jeder Einrichtung und die Einführung eines "Safe Recruitment"-Prozesses. Dabei würden Angaben der Bewerber konsequent geprüft und ein Strafregisterauszug eingefordert und damit ungeeignetes Personal abgeschreckt. 

Die aktuelle Novellierung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes sehe vor, dass auch Personen ohne ausreichend Qualifikationen im sozialpädagogischen Bereich als Betreuungspersonal aufgenommen würden. Das sei ein "dramatisches Versäumnis", sagte die grüne Familiensprecherin, Ursula Berner.

ÖVP ortet Strukturfehler im System

Auch die Wiener ÖVP forderte am Donnerstag Konsequenzen: "Die Aufsichts- und Kontrollmechanismen der MA 11 haben versagt, Kinderschutz hat nicht stattgefunden", sagte die Familiensprecherin der Wiener ÖVP, Sabine Keri

Es gebe einen "massiven" Strukturfehler im System. "Das Einzige, was jetzt helfen kann, ist eine lückenlose und schonungslose Transparenz und Aufklärung." Deswegen werde man eine schriftliche Anfrage an die zuständige Stadträtin für Jugend und Bildung, Bettina Emmerling (NEOS), stellen, kündigte Keri an.

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