© Dimo Dimov/Volksoper Wien

Chronik Wien
03/04/2022

Volksoper: Behinderten-Rabatt als Mogelpackung

Die Regeln sind so gestaltet, dass sie für den Alltag völlig untauglich sind.

von Josef Gebhard

Es erscheint auf den ersten Blick als großzügige Geste einer der wichtigsten Kultur-Institutionen Wiens: Für Menschen mit Behinderungen, genauer gesagt für Inhaber eines Behindertenpasses, gibt es in der Volksoper eine Ermäßigung von 50 Prozent – unabhängig davon, welche Karte gekauft wird.

Doch bei näherer Betrachtung ist dieses Angebot nicht allzu generös. Diese Erfahrung musste Martin T. (Name geändert) machen, der mit einer behinderten Verwandten und drei weiteren Personen im April eine Aufführung von „La Cage Aux Folles“ besuchen möchte. Da es sich um ein recht beliebtes Stück handelt, kümmerte er sich bereits jetzt um die Karten.

Bei der Vorbestellung dann die Enttäuschung. Wie sich herausstellte, können Karten mit Behindertenpass-Ermäßigung erst drei Tage vor der Vorstellung gebucht werden.

Für T. eine völlig widersinnige Regelung. „Gerade bei gut besuchten Vorstellungen wird es schwer, dass bei getrennter Buchung alle unsere Plätze nebeneinander liegen, wenn man die Ermäßigung in Anspruch nehmen will“, ärgert er sich. Denn man könne ja nicht davon ausgehen, dass bis drei Tage vor der Vorstellung ein Platz neben den bereits gebuchten Plätzen der Begleitpersonen frei bleibt.

Getrennt sitzen

Blieben als Alternative nur noch getrennte Sitzplätze. Was vor allem bei Opernbesuchen zu zweit dazu führt, dass die behinderte Person zwar weniger bezahlt, dafür aber alleine sitzen muss. Dies sei manchen Betroffenen nicht zuzumuten.

Mangels anderer praktikabler Möglichkeiten hat T. nun fünf Vollpreis-Karten (Parkett, jeweils um 66 Euro) bestellt.

Auf Nachfrage bei der Ticket-Hotline wurde ihm angeraten, eine Karte zu stornieren und zu hoffen, dass ein benachbarter Platz bis drei Tage vor der Vorstellung freibleibt. „Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil das natürlich völlig unrealistisch ist.“

Er sei sicher kein Einzelfall, wie er betont. Die Service-Mitarbeiterin am Telefon habe durchklingen passen, dass es zuletzt viele derartige Beschwerden von Besuchern gegeben habe.

T. ist verärgert: „Hier wird so getan, als gäbe es eine Ermäßigung für Behinderte, die es aber de facto gar nicht gibt.“

Seitens der Bundestheater, zu denen die Volksoper gehört. blieb eine Anfrage des KURIER dazu unbeantwortet.

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