Was die neue Managerin der Wiener Grünen plant

Verena Knogler leitet seit Kurzem das Grüne Landesbüro. Sie will „die Systeme in der Partei“ noch besser vernetzten – und die Grünen endlich in die Außenbezirke bringen.
Verena Knogler, Grüne Wien

Es ist eine Polit-Karriere, die (Noch-)ÖVP-Klubchef August Wöginger in den schlimmsten Befürchtungen bestätigt.

„Es kann ja nicht sein, dass unsere Kinder nach Wean fahren und als Grüne zurückkommen“, meinte der Politiker – man erinnert sich – einst bei einer Veranstaltung in seiner oberösterreichischen Heimat.

Bei Verena Knogler ist genau das passiert: Geboren in Aschach an der Donau, aufgewachsen mit einem SPÖ-affinen Gewerkschafter als Vater und einer ÖVP-geprägten Beamtin als Mutter, ging sie zum Soziologie-Studium nach Wien, wo sie sich politisch zu engagieren begann.

Vor zwei Wochen ist die nunmehr 36-Jährige zur Landesgeschäftsführerin der Wiener Grünen aufgestiegen. Knoglers Vorgänger in dieser Position standen selten in der Öffentlichkeit, innerhalb der Partei ist das Amt aber von großer Bedeutung – und wie es zu seiner Besetzung kommt, ist nicht ganz unumstritten.

Ein Platz in den höchsten Gremien

Die Landesgeschäftsführerin ist für die Finanzen der Partei sowie die Leitung des Landesbüros und seiner Mitarbeiter zuständig – sie ist das organisatorische Rückgrat der Partei.

Zudem sitzt sie gemäß Statut in den höchsten Gremien der Partei, die abseits der alljährlichen Landesversammlung die politische Richtung vorgeben: im Parteirat und in der Landesleitung.

Über die Bestellung vergleichbarer Positionen dürfen in anderen Parteien die Parteichefs selbst und eigenmächtig entscheiden.

Eine nicht selbstverständliche Wahl

Nicht so bei den Grünen. Hier wird die Landesgeschäftsführerin vom Parteirat gewählt, der unter anderem Gemeinderäte, Bezirksvertreter und sogar Nationalratsabgeordnete umfasst.

Verena Knogler, Grüne Wien

Verena Knogler ist Juristin und Soziologin, arbeitete beim BBRZ – und ist nun organisatorisches Rückgrat der Grünen Landespartei.

Nicht jeder in der Partei kann diesem Modus etwas abgewinnen: Die organisatorische Führung der Landespartei – inklusive Budgetverantwortung – müsse zwingend in den Händen einer Person liegen, die für die beiden Parteivorsitzenden Judith Pühringer und Peter Kraus eine echte Vertrauensperson sei.

Die Frage, ob Knogler die Wunschkandidatin der Parteivorsitzenden war, beantwortet sie beim KURIER-Gespräch in ihrem Büro in der Landespartei im 3. Bezirk ausweichend: „Ich habe mich auf diesen Posten beworben“, sagt sie. Und sie sei letztlich – als einzige Kandidatin – mit mehr als 85 Prozent der Stimmen im Parteirat gewählt worden. „Bei den Grünen ist das nicht selbstverständlich.“

"Ich habe die Grünen vermisst"

Wie die Partei tickt, weiß Knogler bereits aus ihrer politischen Arbeit im Bezirk: Von 2015 bis 2020 war sie Klubobfrau der Grünen in Mariahilf – und in dieser Funktion „in der zweiten Reihe“ hinter Michael Reichelt, der als stellvertretender Bezirksvorsteher im Jahr 2023 überraschend zurücktrat.

Knogler legte eine politische Pause ein, arbeitete sich in den vergangenen Jahren bis in die erweiterte Geschäftsführung des (Arbeiterkammer-nahen) Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrums BBRZ hoch und ist mittlerweile zweifache Mutter.

Ihre Rückkehr zur Partei sei ein bewusster Schritt gewesen: „Ich habe die Grünen vermisst“, sagt sie. „Außerdem kann man sich als politischer Mensch in Zeiten wie diesen, in denen die Demokratie unter Beschuss steht, nicht nicht engagieren.“

In ihrem neuen Job ist sie aber nicht vorrangig Aktivistin, sondern Managerin. Sie habe „Management und Führung als Handwerk“ erlernt; und genau darauf komme es in dieser Position an: „Die Grünen haben die Transformation von der Bewegung zur Organisation gut eingeleitet“, sagt Knogler.

Daran wolle sie nun anknüpfen und ihr „Know How über Struktur- und Organisationsentwicklungsprozesse“ einbringen. „Und ich bin eine gute Kommunikatorin.“

Außenbezirke im Zentrum

Was Knogler für die drei Jahre, für die sie gewählt ist, anstrebt? „Viele Systeme innerhalb der Partei funktionieren sehr gut. Meine Aufgabe ist es, sie noch besser vernetzt zu halten. So können wir noch schlagkräftiger werden.“

Ihr Blick wird sich dabei auf die Bezirke richten. „Die Arbeit dort hat sich stark professionalisiert. Wir können mittlerweile auf jahrelange Erfahrung aus Bezirken zurückgreifen, in denen wir Bezirksvorsteher und Bezirksvorsteherinnen stellen“, sagt Knogler.

Nun arbeite man an einer Strategie, um auch in Außenbezirken – in denen derzeit vor allem SPÖ und FPÖ um Wählerstimmen kämpfen – präsenter zu werden: „Dorthin müssen wir unseren Fokus legen. Die Außenbezirke müssen für die Grünen politisch ins Zentrum rücken.“

Immer mehr Jungfamilien ziehen aus den Innenbezirken, in denen das Wohnen unleistbarer wird, in die Stadterweiterungsgebiete. Die Grünen wachsen im 21., 22. und 23. Bezirk. Da kommen neue Leute mit neuen Perspektiven.

von Verena Knogler

über Wiens Außenbezirke

Dass das gelingt, dafür sehe sie gute Chancen: „Immer mehr Jungfamilien ziehen aus den Innenbezirken, in denen das Wohnen unleistbarer wird, in die Stadterweiterungsgebiete.“ Der demografische Wandel nütze den Grünen.

Auch die Bezirksparteien seien in Bewegung: „Die Grünen wachsen im 21., 22. und 23. Bezirk. Da kommen neue Leute mit neuen Perspektiven.“

"Der Protest lebt wieder auf"

Nach einer Phase, „in der es schwerer war, junge Menschen mit Politik zu erreichen, lebt derzeit der Protest wieder auf“, so Knogler. „Das stimmt mich hoffnungsfroh. Die Jugend ist nicht per se politikverdrossen. Das muss uns Grünen in die Hände spielen.“

Ganz generell wolle sie die Basisdemokratie und die Diversität bei den Grünen hochhalten, so Knogler: „Wir müssen als Partei ein Abbild der Bevölkerung schaffen. Es ist schief, dass in den meisten Gremien der Republik mehrheitlich Männer über 50 sitzen“, sagt sie. „Bildet das die Gesellschaft ab? Nein. Wie sollen denn dann die Entscheidungen repräsentativ sein?“

Knoglers Vorgänger Christian Tesar, der seit 2019 im Amt war und bei der Wien-Wahl 2025 für Pühringer als (erfolgreicher) Wahlkampfmanager fungierte, sei übrigens aus freien Stücken abgetreten, so Knogler.

Er bleibe der Landespartei erhalten und werde sich „mit Leidenschaft“ um die Themen Diversität, Gleichstellung und Inklusion kümmern. Zudem verantworte er die Mitgliederstrategie.

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