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Chronik Wien
01/21/2020

"Venusfalle" verwickelte Geschäftsmänner in pikante Chats

Prozess: Freund der Frau erpresste zwei Männer und wurde zu drei Jahren Haft verurteilt; nicht rechtskräftig.

von Michaela Reibenwein

Der 25-jährige Angeklagte ist anfangs ein Freund der klaren Worte. „Korrekt“, wiederholt er immer wieder, als der Richter am Dienstag im Landesgericht Wien die persönlichen Daten mit ihm durchgeht. Doch als der Richter Antworten will, schweift der ehemalige Club-Betreiber (vertreten von Elmar Kresbach) ab. „Tut mir leid, das verstehe ich nicht.“

Die Staatsanwältin wirft dem jungen Mann, der auf Facebook-Fotos mit teuren Autos und Rapper Kay One posiert, Erpressung vor. Mit der Ex-Freundin soll er von zwei reiferen Geschäftsmännern Geld gefordert haben. Andernfalls drohte man, delikate Chatverläufe zu veröffentlichen. Der junge Mann sitzt allein vor dem Richter. Die Venusfalle ist untergetaucht.

Die Frau und der Angeklagte hatten es geschafft, einem Herren 500.000 Euro aus der Tasche zu ziehen. Die junge Frau machte dem Geschäftsmann Hoffnungen, in Chats tauschte man sich über sexuelle Wünsche und Fantasien aus. Und irgendwann schlug die Venusfalle einen Dreier mit einer minderjährigen Freundin vor – wozu es allerdings nie kam.

Moral-Apostel

Den 25-jährigen Angeklagten habe das empört. „Das ist doch krank!“, eifert er. Er habe die Minderjährige schützen wollen. In Mails an den Geschäftsmann klingt das allerdings so: „Die Leute werden wissen, was Sie für ein Mensch sind.“ Oder: „ Sie (die Venusfalle, Anm.) wird bei jeder Veranstaltung USB-Sticks verteilen mit Bildern und Videos.“ Geschäftspartner und Familie sollten davon erfahren, dass er sich mit jungen Mädchen einlasse. Die Geschichte beim zweiten Opfer ist ähnlich.

Anwalt Kresbach versucht zu relativieren: „Das ist eine delikate Sache, es ist recht unterhaltsam, die Chatnachrichten zu lesen, die da in einsamen Stunden verschickt wurden. Aber da war keine Geldforderung dabei.“

„Er (das zweite Opfer, Anm.) wollte mir 200.000 Euro geben“, erklärt der Angeklagte. Dabei habe er mit den Chatkopien nur erreichen wollen, dass er sich in therapeutische Behandlung begebe und den Fehltritt seiner Frau beichte.

Als ihm Rechtsanwalt Werner Tomanek klar machte, dass er kein Geld sehen werde, schickte er dem Geschäftsmann zur Untermauerung ein Selfie von sich vor dem Haus der Familie: „Ob Sie Ihre Existenz verlieren, ist nicht meine Sache.“

Die hat der junge Mann nun verloren: Drei Jahre unbedingte Haft, nicht rechtskräftig.

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