Valentinstag im Seniorenheim: "10 Jahre her, dass ich das letzte Mal Blumen bekommen habe"

Im Rahmen der Aktion „Quelle Surprise“ wurden die Seniorinnen im Haus Gustav Klimt zum „Fest der Liebe“ mit Rosen überrascht. In die Freude mischte sich auch ein wenig Wehmut.
Eine ältere Hand hält eine Rose und eine Karte

Eine alte Dame vergießt ein paar Tränen, liebevoll wird ihr die Schulter gestreichelt. Feuchte Augen sind, gerade am Valentinstag, eigentlich selten ein gutes Zeichen – nicht aber im Seniorenheim Haus Gustav Klimt in Penzing

Begleitet wird die ein oder andere Träne in den Gesichtern der Bewohnerinnen nämlich von einem breiten Lächeln. Anlässlich des Valentinstags erhält jede von ihnen eine rote Rose überreicht und Gedichte vorgetragen. Das Ziel der Aktion: Freude bereiten und unvergessliche Momente schaffen.

„Liebe ist mehr als Romantik und mit dieser Valentinstagsinitiative möchten wir zeigen, wie sehr wir die ältere Generation schätzen“, sagt die  Künstlerin Celine Vanhoutte, die die Aktion „Quelle Surprise“ ins Leben gerufen hat. Sie wurde von der Bezirksvorstehung Penzing dieses Jahr finanziell unterstützt.


Anstoß für die Idee gab Vanhouttes Großvater, der nach dem Tod der Großmutter einst selbst in einem Heim lebte: „Am Valentinstag kaufte er für jede Frau dort eine Blume, einfach um sicherzugehen, dass sich niemand vergessen fühlte.“ Nun lässt Vanhoutte die Tradition fortleben. Überreicht wurden die Rosen von den Künstlerinnen Lisa-Carolin Nemec,  Rosa Braber und Anja Grundner. „Möchten Sie noch ein  Gedicht hören?“, wird in die Runde gefragt. Neben Applaus gibt es klare „Ja!“-Rufe.

Eine ältere Frau lächelt, während sie von einer jüngeren Person eine rote Rose überreicht bekommt.

Am Tag vor dem Valentinstag wurden die Seniorinnen im Haus Gustav Klimt mit Rosen überrascht.

"Immer aufeinander zugehen"

"Doch bleibt die Erinnerung in den Herzen, die Liebe, die niemals zerfällt", wird aus Heinrich Heines "Die Rose" vorgetragen. Eine der Frauen, die den Versen lauscht, ist Gertrude Divis (90). „Jeder Tag hat mindestens eine schöne Minute, so schlecht kann ein Tag gar nicht sein – und heute hat er definitiv mehr“, sagt sie zum KURIER. Seit 21 Jahren wohnt sie bereits im Haus, Valentinstage habe sie schon viele miterlebt. Ob sie einen Tipp für junge Liebende auf Lager habe? „Immer aufeinander zugehen. Mit einem Lächeln geht es einfach leichter.“

Dass Liebe nicht nur romantischer Natur sein muss, zeigt Christine Lehrner (82). Einst lebte sie mit ihren Katzen im Haus Gustav Klimt, ein Foto am Schrank erinnert noch an eine der vierbeinigen Mitbewohnerinnen. Heute teilt sie sich mit anderen Bewohnerinnen den Hund „Diego“. Auch im Alter fehle es so nicht an Zuneigung: „Und so ist immer etwas los bei uns.“

Drei Frauen in roten Kleidern mit Rosen vor einem großen Herz

Rosa Braber, Lisa-Carolin Nemec & Anja Grundner bei der Rosenverteilung. Foto: Kseniia Kovalenko

180 Rosen

Und doch zeigt manchen gerade der Valentinstag auf, was nun fehlt – egal ob Familie oder der Liebste.  „Es ist zehn Jahre her, dass ich das letzte Mal Blumen bekommen habe“, sagt eine Heimbewohnerin gerührt. Die Freude über die Rose wird von leichter Wehmut begleitet. 

„Für viele hier ist die Aufmerksamkeit nicht mehr selbstverständlich“, sagt Direktor Gerhard Schlachter. Diese   Wertschätzung und die offenen Ohren für die Bewohnerinnen seien  der Grund, wieso das Haus Gustav Klimt an der Aktion bereits zum zweiten Mal teilnehme.  „Wir merken, dass die Menschen uns  gerne aus ihrem Leben erzählen und die Aufmerksamkeit genießen“, ergänzt Nemec.  180 Stück der Blumen wurden bei der verfrühten Valentinsfeier am Freitag überreicht.  Die  Männer des Hauses gingen heuer noch leer aus, aber für das kommende Jahr werde bereits an einer Idee für sie gefeilt, verrät Initiatorin Vanhoutte.

Auch nach dem Valentinstag geht das Schenken übrigens weiter: Bis Anfang März können Tickets, die für eine Rose stehen, gespendet werden  (Infos gibt es hier). Wer die Rosenbotinnen nicht mehr erwarten kann, macht es bis dahin wie Seniorin Gerlinde Nebenführ (81): „Anders als heute kaufe ich mir meine Blumen sonst einfach selbst.“ 

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