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"Terrorist": Auftritt von Guantanamo-Häftling erregt Wiener FPÖ und ÖVP

Mohamedou Ould Slahi, einstiges al-Qaida-Mitglied und von den USA zu Unrecht inhaftiert, soll an der Uni Wien sprechen. FPÖ und ÖVP sind erbost.
Mohamedou Ould Slahi

So manch einer wird überrascht sein: Die Wiener FPÖ hat einen eigenen „Linksextremismus-Sprecher“. Bekleidet wird das Amt von Gemeinderat Leo Lugner – und er ist in seiner Funktion nicht untätig.

Am Sonntag kritisierte Lugner, der in der Wiener FPÖ ganz generell für die Haudrauf-Themen zuständig ist, die Einladung des ehemaligen al-Qaida-Mitglieds Mohamedou Ould Slahi durch die ÖH der Universität Wien. Es sei, so Lugner, ein „unfassbarer Skandal“, dass an einer heimischen Uni einem Mann mit Verbindungen zu einer Terrororganisation „der rote Teppich ausgerollt werde“. Lugner fordert, dass die Bundesregierung Slahi die Einreise verweigert.

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Sprechen soll Slahi am 8. Juni bei der Hochschülerschafts-Veranstaltung „Fast 25 Jahre Guantanamo Bay – Menschenrechte, Sicherheitspolitik und die Folgen des War on Terror“.

Tatsächlich ist Mohamedou Ould Slahi kein Unbekannter: Er wurde unter dem Namen „Der Mauretanier“ weltbekannt, als seine Geschichte 2021 in einem Politthriller von Hollywood verfilmt wurde. Neben Tahar Rahim spielten Benedict Cumberbatch und Jodie Foster die Hauptrollen.

Die Geschichte des Mannes ist wahrlich filmreif: Er wuchs in Mauretanien auf, zog mit einem Hochbegabtenstipendium nach Deutschland – und reiste in den 90er-Jahren nach Afghanistan, um im Bürgerkrieg gegen den kommunistischen Präsidenten Mohammed Nadschibullah zu kämpfen. Ausgebildet wurde Slahi in einem al-Qaida-Camp.

In den USA verhaftet und wiederholt gefoltert

Zurück in Deutschland wurde er vom Verfassungsschutz überwacht. Er geriet ins Visier der CIA, als er mit seinem Cousin – einem hochrangigen al-Qaida-Mitglied – telefonierte, der für das Gespräch das Handy des Terrorführers Osama bin Laden verwendete.

Ein paar Jahre vergingen, bis Slahi wegen Sozialbetrugs verurteilt und von den deutschen Behörden ausgewiesen wurde. Die USA behielten ihn im Blick und verhafteten ihn als mutmaßlichen al-Qaida-Unterstützer kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001. Völlig zu Unrecht, wie sich herausstellen sollte.

Slahi wurde wiederholt gefoltert, ohne Anklage festgehalten – und verbrachte insgesamt 14 Jahre im berüchtigten US-Gefängnis in Guantanamo Bay. Selbst eine 2010 von einem US-Gericht verordnete Freilassung wurde jahrelang nicht vollzogen. (An dieser Stelle setzt übrigens der Hollywood-Film an, der auf Slahis „Guantanamo-Tagebuch“ – ein Bestseller – beruht und der Foster einen Golden Globe einbrachte.)

Verbale Tiefschläge

Erst 2016 durfte Slahi in seine Heimat Mauretanien zurückkehren; nun lebt der 55-Jährige als Schriftsteller in den Niederlanden. Dass Slahi am 8. Juni bei der Hochschülerschafts-Veranstaltung „Fast 25 Jahre Guantanamo Bay – Menschenrechte, Sicherheitspolitik und die Folgen des War on Terror“ sprechen soll, erregt nun eben die Wiener Stadtpolitik. FPÖ-Mandatar Lugner sieht die ÖH als „Spielwiese für linke Aktivisten“, die „islamistischen Extremismus“ relativieren.

Der Wiener ÖVP-Klubchef Harald Zierfuß schloss sich am Sonntag Lugners Vorwürfen an – und versucht, diesen in der Tonalität sogar noch zu unterbieten: Die ÖH wolle „linksextremes Gedankengut um jeden Preis verbreiten“, schreibt Zierfuß in einer Aussendung: „Sturmhaubenhekelkurse, Anallecktücher-Workshops und jetzt Terroristen zum Dialog einladen.“

Auf welcher Grundlage er Slahi als „Terroristen“ bezeichne, ließ Zierfuß auf KURIER-Anfrage so beantworten: „Wer einen Treueeid auf al-Qaida schwört, um in Afghanistan den Dschihad zu unterstützen, der ist für die Volkspartei ein (Ex-)Terrorist.“

Übrigens: Während Zierfuß findet, dass man mit Slahi in Wien nicht diskutieren sollte, hätte er gerne Peter Thiel in der Stadt begrüßt. Dass der rechte, für seine demokratiefeindlichen Ansichten bekannte US-Milliardär bei den Wiener Festwochen ausgeladen wurde, verärgerte Zierfuß nur wenige Stunden zuvor. „Angekündigte Debatten absagen, weil sie linken Künstlern nicht gefallen – diese Art der Debattenkultur ist abzulehnen“, ließ er ebenfalls via Aussendung wissen.

Offen bleibt die Frage: Soll man Debatten absagen, weil sie (rechten) Politikern nicht gefallen? 

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