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Chronik | Wien
07/10/2019

Über Straßen oder Wasser: Wiener Polizei setzt auf Drohnen

Die Drohnen der Wiener Polizei sind seit April im Probebetrieb. Bisher ist man mit den Ergebnissen sehr zufrieden.

Dreieinhalb- bis Viertausend Euro kostet eine Polizeidrohne samt Ausrüstung einmalig in der Anschaffung. Zum Vergleich: Eine einzige Hubschrauberminute kostet mit Wartung, Ersatzteilen und Crew 65 Euro. "Schon allein aus wirtschaftlicher Sicht rechnet sich der Drohneneinsatz deshalb in vielen Fällen", sagt Michael Takacs, Leiter der Wiener Verkehrspolizei. 

Über zwei Stück dieser etwa 1,5 Kilo schweren Fluggeräte verfügt die Wiener Polizei derzeit. Ging es nach Takacs, könnten es ruhig mehr sein. Denn, dass deren Einsatzgebiet breit sei, zeige sich seit Beginn des Probebetriebs im April. 

Unfallrekonstruktion

Zuletzt hätten sich die Drohnen samt ihren aktuell elf Piloten am Wiener Donauinselfest bewährt. "Dank der Live-Übertragung via Drohne aufs Handy hatten die einzelnen Abschnittskommandanten ihre Kontrollgebiete ständig im Blick." Früher kamen bei solchen Großveranstaltungen oftmals Hubschrauber zum Einsatz.

Besonders nützlich findet Takacs den Drohneneinsatz zudem bei der Aufarbeitung schwerer Verkehrsunfälle. Die Fotoaufnahmen aus der Luft würden es Sachverständigen ermöglichen, maßstabsgetreue Skizzen anzufertigen." Das spare auch Zeit vor Ort, weil ohne Drohne alles zentimetergenau vermessen werden müsse. Ohne Drohne sei oft eine Leiter notwendig. Theoretisch könnte sich durch die Verwendung von Drohnen also auch die Dauer von Straßensperren nach Unfällen reduzieren lassen. 

Sicherheit als oberste Prämisse

Die Drohnen, die Bild- und Videoaufnahmen anfertigen können, haben eine Flugzeit von ungefähr 25 Minuten. Längere Einsätze wären dank Reserveakkus aber kein Problem. Die Piloten wurden in Zusammenarbeit mit Flugpolizei und Austro Control ausgebildet und haben einige Regeln zu beachten.

So dürfen sie nicht höher als 120 Meter fliegen, obwohl sechs bis acht Kilometer möglich wären. Die maximale Einsatzenfernung beträgt 500 Meter, um den ständigen Sichtkontakt zu gewährleisten. Dazu gibt es einen eigenen Spotter, der neben dem Piloten steht und die Drohne mit einem Feldstecher beobachtet.

Das Fliegen über Menschenmassen wird weitestgehend vermieden, für den Fall, dass die Drohne außer Kontrolle gerät. Sollte der Sichtkontakt aus irgendeinem Grund nicht mehr vorhanden sein, gibt es eine Notrückkehrfunktion. Dazu muss der Pilot eine Sicherheitstaste drücken, worauf diese über GPS automatisch zurückkommt.

Polizeidienst auf dem Wasser

Eine enge Kooperation findet mit dem Donaudienst der Wiener Polizei statt. Die Boote hätten bei Sucheinsätzen nämlich oft das Problem, nicht nah genug ans Ufer oder in Seitenarme zu kommen. Zudem spiegle sich das Wasser vom Boot aus. "Das heißt ein Körper, der ca. zehn Zentimeter unter der Oberfläche treibt, ist fast nicht zu lokalisieren", erklärt Takacs die Umstände.

Mit der Drohne soll das ohne Probleme funktionieren. Dank der Totale von oben, habe man einen weit besseren Überblick und könne auch über seichte Gewässer fliegen.

Luft nach oben

Ein Probeflug während einer Patrouillenfahrt eines Wiener Polizeiboots zeigt, wie präzise die Flugobjekte zu steuern sind. Trotzdem kann sich Takacs einige Verbesserungen vorstellen: "Zunächst würde ich mir wünschen, dass jeder Verkehrskommandant eine Drohne hat. Das nächste Ziel wäre der Einsatz in der Nacht."

Momentan ist das gesetzlich nicht erlaubt. Man wisse aber, dass sie auch in der Nacht gute Bilder liefern würde.

Größter Schwachpunkt ist die fehlende Zoom-Option. Ebenso wäre eine Wärmebildfunktion für das Auffinden von Tätern wünschenswert. Hier soll gezielt nachgerüstet werden, denn im Ausland und beim Militär wären derartige Technologien bereits im Einsatz. Bei der Polizei ist man optimistisch, dass die vielversprechende Arbeit mit den Drohnen nach Abschluss des Probebetriebs im Septmeber noch intensiviert wird.