© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
02/03/2019

Treffpunkt Wien: Als Speckdatteln die Disziplin besiegten

Den Gerichten im „Glasweise“ kann Primaballerina Maria Yakovleva nicht widerstehen

von Anna-Maria Bauer, Jeff Mangione

Auf wenige Menschen passen die Begriffe zielstrebig und diszipliniert so gut wie auf Maria Yakovleva.

Mit vier Jahren – nachdem sie mit ihrer Mutter das Ballettstück „Der Nussknacker“ gesehen hatte – entschied sie sich Ballerina zu werden und rückte von diesem Plan nicht mehr ab.

In ihrer Schulzeit übte sie jeden Tag von 9 bis 19 Uhr Pirouetten, Plié und Pas de Chat. Außer samstags, da ging der Unterricht nur bis 17 Uhr. Dafür organisierte ihre Mutter für die Sonntage zusätzliche Privatstunden.

Auch heute, als erste Solotänzerin der Staatsoper, steht sie jeden Tag um zehn Uhr im Übungssaal – egal wie lange die Vorstellung abends zuvor gedauert hat – und geht nicht nach Hause bevor die Choreografie sitzt.

Gläser und Garnelen

Nur bei einer Sache vergisst sie ihre Selbstbeherrschung manchmal: „Beim Essen“, sagt sie und nimmt eine der knusprigen Speckdatteln, die Lokalchef Boytcho Nikolov soeben serviert hat.

Maria Yakovleva hat sich im „Glasweise“ eingefunden, einem feinen Lokal in der Währinger Straße in Wien-Alsergrund mit Glasfront, weißen Ziegelwänden und einem – wie der Name andeutet – großen Angebot an offenen Weiß-, Rot- und Schaumweinen.

Darüber hinaus kommen die Gäste aber auch gerne wegen der mediterran-österreichischen Küche, dem Tatar-Trio bestehend aus Rind, Wolfsbarsch und Lachs, der Entenkeule mit Rotkraut oder den Wildfanggarnelen mit Knoblauch-Mayonnaise, die Maria Yakovleva als Vorspeise bestellt. Dazu kommen gegrillte Calamari mit Babykartoffeln als Hauptgang.

 

Entdeckt hat die 32-Jährige das Lokal wegen der nahe gelegenen Volksoper, in der sie auch regelmäßig auftritt.

Bälle und Ballett

Eine besondere Vorstellung steht kommenden Mittwoch an: ihre Premiere als Swanilda im Ballettstück „Coppélia“. Nebenbei übt sie für die Wiederaufnahme von „Romeo & Julia“ in der Staatsoper. Dazu laufen die Vorbereitungen für ihre Tanzeinlage am Opern- sowie am Kaffeesiederball, dessen Testimonial sie heuer ist. Ruhige Phasen hat sie derzeit kaum.

Aber Maria Yakovleva stört das nicht. „Ich liebe meinen Beruf, er ist mein Leben. Wenn du auf der Bühne stehst und mit dem Applaus belohnt wirst, ist das ein einmaliges Gefühl. Das macht süchtig. Ohne dem wäre mein Leben fad.“

Dass das Leben eben nicht fad wurde, hat sie ein bisschen Gyula Harangozó, dem früheren Ballett-Direktor der Staatsoper, zu verdanken. Er holte sie mit 19 Jahren von St. Petersburg nach Wien.

Natürlich war das für sie ein Abenteuer. „Aber bei so einem Angebot zögert man nicht lange“, sagt Yakovleva.

Bereut hat sie den Schritt in den vergangenen 14 Jahren jedenfalls nie. „Wenn ich auf Reisen bin, wird mir jedes Mal bewusst, wie gut es uns hier geht. Ja, es ist vielleicht nicht die coolste Stadt mit den meisten Partys. Aber für die“, sagt sie, während sie das Garnelenfleisch aus der Kruste fitzelt, „habe ich sowieso keine Zeit“.

Infos:

Das Lokal

Die Speisen:   Mediterrane und heimische Küche.Speckdatteln (5,90 €), Tatar-Trio: Rind, Wolfsbarsch, Lachs (15,90 €), Wildfanggarnelen (12,90 €).

Die Getränke Große Weinauswahl. 1/8 l Grüner Veltliner vom Bründlmayer (5,50 €), 1/8 l Zweigelt vom Markowitsch (4,30 €).

Das Lokal: Frequentiert von Gästen der Volksoper.Geöffnet Sonntag bis Donnerstag 17 bis  24 Uhr,  Freitag und Samstag 17 bis 2 Uhr.

Zur Homepage geht es hier.

Das Stück

In dem Ballettstück "Coppélia" versucht Magier Coppélius vergeblich, seine geliebte Puppe Coppélia zum Leben zu erwecken. Swanilda (Maria Yakovleva) und ihre Freundinnen kommen ihm auf die Schliche. Yakovleva feiert mit dem Stück am 6. Februar in der Volksoper Premiere. (Bei der Stück-Premiere am 2. März wurde Swanilda von Natascham Mair gespielt, Anm.)

Details zum Stück gibt es hier.