© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
05/12/2019

Treffpunkt Wien mit Isabell Pannagl: Kurzurlaub mit Muse

Kabarettistin Isabell Pannagl geht zum Krafttanken ins Lokal Klyo, benannt nach der Schwester Uranias

von Anna-Maria Bauer

Als Nici war sie an der Seite von Thomas Stipsits in der frechen Komödie „Love Machine“ zu sehen. Und auch auf der Kabarettbühne nimmt sie sich kein Blatt vor den Mund: „Wissen Sie, das versteh ich nicht an den Männern. Die können das Alte nicht gescheit und wollen schon wieder was Neues probieren“, erzählte sie letztens in der Sendung „Pratersterne“.

Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin Isabell Pannagl hat kein Problem über Sex, Feminismus und andere Themen zu sprechen, die irgendwie doch noch als unangenehm wahrgenommen werden.

Und wie befreiend das fürs Publikum ist, zeigt sich in Zahlen. Nur zwei Jahre nachdem sie ihre Karriere als Kabarettistin startete, konnte sie davon leben. Aktuell spielt sie ihr viertes Soloprogramm „Noch immer alles neu“.

Natur pur

Und: „Ich bekomme so viele eMails von Frauen, die sagen: ,Endlich eine, die es mal anspricht.’“ Wieso auch rumeiern, findet Isabell Pannagl. Ist doch ganz natürlich.

Ganz natürlich – das sind die Zutaten im Klyo und dafür schätzt sie das Lokal in der Urania mit Blick auf den Donaukanal und großer Dachterrasse im Sommer.

Alles ist selbst gemacht, fast die Hälfte der Speisen sind vegetarisch, Gäste können zwischen acht Milchsorten wählen. Das war Manfred Pschaid, der das Klyo 2017 mit Andreas Nigitz eröffnet hat, wichtig: „Ich mache viel Sport, habe viele Sportlerfreunde und wollte ein Lokal, in dem es nix Ungesundes gibt.“

Isabell Pannagl nimmt einen Espresso ohne Milch. Dazu eine Grapefruit-Basilikum-Limonade und sucht einen Sitzplatz im Lokal. Für die Terrasse ist es zu kühl.

In den Himmel kann sie auch von hier sehen. Die Wandtapete enthält die Struktur der Planeten. Die Gastronomen wollten das Thema der Sternwarte ins Lokalkonzept einfließen lassen. So gibt es nur zwölf Cocktails – passend zu zwölf Sternzeichen. Und der Lokalname passt auch dazu: In der griechischen Mythologie ist Klio die Muse der Geschichtsschreibung und Schwester Uranias.

Helmi ist da

Isabell Pannagl nimmt einen Schluck. In ein paar Stunden wird sie wieder auf der Bühne des Vindobona stehen. Bei „Krawutzi Kaputzi!“, einer Musical-Comedy über gealterte Figuren aus dem Kinderfernsehen der 80er und 90er Jahre, ist sie als Helmi zu sehen. Eine Rolle, die sie lange spielen wollte. „Ich bin mit Helmi aufgewachsen. Im Musical ist er ein liebenswerter Grantler. Ich liebe so trockene Rollen. Die sind viel mehr meins als Prinzessinnen.“

Mit denen oder auch mit Schönheitsköniginnen kann sie überhaupt wenig anfangen. „Mir ist es wichtig anzusprechen, dass Schönheit nicht nur 90-60-90 ist, Schönheit kommt von innen. Ich merke, wie viele Frauen mit ihrer Optik hadern, sich ständig vergleichen. Diesen Optimierungswahn unserer Zeit finde ich erschreckend. Die Depressionsrate steigt – und es wundert mich nicht.“ Natürlich ertappt sie sich manchmal selbst dabei, dass sie durch Instagram scrollt und unzufrieden ist. „Die größte Herausforderung ist doch, es zu schaffen den Druck rauszunehmen.“

Deshalb hat sie in ihrer Wohnung eine Entspannungsecke eingerichtet, mit Ohrensessel wie ihn Thomas Bernhard in ,Holzfällen’ beschreibt. Und ist am Sonntag auch mal nicht erreichbar.

Oder sie geht zwischen Terminen quasi auf Kurzurlaub ins Klyo und liest. „Das ist für mich eines der besten Dinge zum Entspannen.“ Momentan ist es die Biografie von Michelle Obama.

 

Info

Noch immer alles neu

Isabell Pannagls viertes Musikkabarett läuft noch bis kommenden Herbst. Details und Termine gibt es hier.

Krawutzi Kaputzi!

Gealterte Figuren aus dem Kinderfernsehen  schlagen sich  mit Problemen von Großstadtbewohnern herum. Täglich

außer Samstag im Vindobona. Details gibt es hier.
 

Klyo

 

Die Speisen: Frühstück bis 22.30 Uhr. Beliebt: „Das Grüne“ mit  Avocadomash, zwei pochierte Eier, Safran-Hollandaise (9,20 €).

Die Getränke: Hausgemachte Basilikum-Grapefruit-Limonade oder Kurkuma-Wasser (je 4,90 €).

Das Lokal: Lokal direkt  am Donaukanal. Geöffnet täglich 9 bis 1 Uhr. Eröffnungsparty der Dachterrasse: 16. Mai.