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Chronik Wien
01/30/2019

St.Marx: Vom Schlachthof zur Event-Arena

Eine 250 Millionen Euro teure Multifunktions-Arena in St. Marx soll 2024 die Stadthalle ablösen.

von Barbara Mader

Streng genommen ist es wieder kein Außenbezirk geworden. Aspern, Donaufeld und Rothneusiedl waren im Rennen, den Zuschlag für die Multifunktions-Arena, die ab 2024 die Stadthalle ablösen soll, hat nun St. Marx im dritten Bezirk bekommen.

Erich Hohenberger ist hier seit 30 Jahren Vorsteher, er ist mittlerweile der längstdienende Bezirkschef Wiens. Der dritte sei der schönste Bezirk der Stadt, sagt er gerne. Insbesondere dann, wenn angezweifelt wird, ob St. Marx denn die geeignete Location für prestigeträchtige Stadtentwicklungsprojekte ist. Das war schon vor zehn Jahren so, als der ORF überlegte, hier herzuziehen und manche die Standortverlegung von Hietzing für „nicht würdig “ hielten.

Wirklich zentrumsnah ist der Ort, mit dem die Stadt Wien erklärtermaßen unter die „Top drei der europäischen Veranstaltungslocations“ (vergleichbar mit London oder Köln) kommen will, allerdings auch nicht.

An der Tangente

Gerade einmal 400 Meter sei man von der U3-Station Schlachthausgasse entfernt, will Finanzstadtrat Peter Hanke wissen. Er untertreibt um 180 Meter Luftlinie. Wiens neue „Landmark“, die bis zu 250 Millionen Euro kosten darf, hat keine direkte U-Bahn-Anbindung, aber immerhin den 18er auf der Schlachthausgasse, die Straßenbahn 71 auf der Simmeringer Hauptstraße und ebendort eine Schnellbahnstation. Auch der Verkehr auf der Südosttangente rauscht an der „Wien Holding-Arena in Neu Marx“ vorbei.

In St. Marx stand früher ein Siechenhaus für Aussätzige, später ein Viehmarkt und Schlachtbetrieb. Wenige Meter nördlich liegt Wiens einziger intakter Biedermeierfriedhof, wo die wenigen sterblichen Überreste von Mozart begraben sind und wo im Frühjahr Wiens spektakulärste Fliederblüte zu erleben ist.

Man lernt dazu

All das war aber wohl nicht der Grund, warum sich der Standort gegenüber dem zweitgereihten Dusika-Stadion und dem drittgereihten Standort Donaufeld durchgesetzt hat. Erreichbarkeit, zeitgerechte Bebaubarkeit sowie Mindestfläche gaben den Ausschlag für die Entscheidung einer von der Wien Holding eingesetzten Expertenjury. Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke rechnet mit 130 Veranstaltungstagen und rund einer Million Besuchern pro Jahr, die man mit internationalen Top-Stars wie Billy Joel, U2 und Eminem locken will. Der Gefahr eines neuerlichen Finanzdebakels nach dem KH Nord ist man sich bewusst. „Nachher ist man immer gescheiter – man lernt dazu“. Heißt: Für die Projektabwicklung wurde eine eigene Gesellschaft gegründet.

Die angepeilten Maximalkosten von 250 Millionen Euro bereiten dem Finanzstadtrat keine Sorgen: „Wir können uns die Finanzierung leisten.“ Dennoch: Ob man Finanzen und Betrieb selbst in die Hand nimmt oder private Partner ins Boot holt, ist offen.

Wie teuer das Projekt tatsächlich wird, hängt nicht zuletzt von der Architektur ab: Neben dem weit sichtbaren T-Mobile-Haus von Günther Domenig will man einen weitere architektonische „Landmark“ errichten. Dafür wird ein Architekturwettbewerb ausgelobt, Spatenstich soll 2021 sein.

Zur angrenzenden Marx-Halle und dem Media Quarter, wo rund 70 Unternehmen ansässig sind, sollen „Brücken geschlagen werden“. Laut Hanke bleiben auch nach Fertigstellung der Halle noch 20.000 Quadratmeter Grundfläche in St. Marx unverbaut, die für einen Ausbau des Vienna Bio-Centers, aber auch für Gastronomie oder Hotellerie genutzt werden könnten.

Die Grande Dame

Bleibt der sperrige Name. „Wien Holding-Arena“ ist ein Arbeitstitel. Der ungleich besser etablierte Titel „Stadthalle“ bleibt dem vor 60 Jahren von Roland Rainer errichteten Bau am Vogelweidplatz erhalten. Die Nachnutzung der „Grande Dame“, wie Hanke die Halle in Rudolfsheim-Fünfhaus nennt, steht noch nicht im Detail fest: Sie soll schrittweise saniert werden, der Fokus soll laut Bürgermeister Michael Ludwig auf Sport- und Kulturveranstaltungen liegen, bei denen „die Wiener Bevölkerung eingebunden wird“.

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