Brisante Post aus der Stadtgartendirektion: Interne Kritik am neuen Chef
Wenn neue Führungskräfte das Ruder übernehmen, kommt es nicht selten zu Veränderungen, die nicht allen Mitarbeitern „schmecken“. Und selten – aber doch – werden diese Veränderungen als so negativ empfunden, dass sich Mitarbeiter dann an Medien wenden. Ein solcher Fall trägt sich offenbar gerade in der Wiener Stadtgartendirektion (MA 42) zu, von wo der KURIER brisante Post in Form eines (analogen) Briefes erhielt. Unter dem Betreff „Hinweis zu problematischen Entwicklungen“ formuliert ein „aus Gründen der persönlichen Sicherheit“ anonymer Autor Vorwürfe gegen den neuen Chef in der prunkvollen Jugendstilvilla am Stadtpark.
Stadtgartendirektor Karl Hawliczek.
Seit 1. Juli 2025 amtiert dort Karl Hawliczek als quasi oberster Herr über die Wiener Bäume und Blumen; er folgte auf Langzeitdirektor Rainer Weisgram, der zwei Jahrzehnte lang die MA 42 leitete. Womit wir bei den eingangs erwähnten Veränderungen wären: Der medial bisher kaum präsente Hawliczek soll sich nämlich laut dem Briefschreiber trotz des hohen Spardrucks einen „umfangreichen Umbau seines Büros“ gegönnt haben. „Auch wenn das vorherige Büro möglicherweise renovierungsbedürftig gewesen sein mag, entsteht der Eindruck, dass hier ein sehr großzügiger und kostenintensiver Zugang gewählt wurde“, heißt es in dem Brief. Denn es habe auch „vermeidbare Mehrkosten und zusätzlichen Aufwand“ gegeben, da es „mehrfach zu kurzfristigen und widersprüchlichen Änderungswünschen“ gekommen sei.
Außerdem wird von einer „angespannten Arbeitsatmosphäre“ unter den rund 50 Mitarbeitern in der Direktion berichtet – von „Angst vor willkürlichen Anweisungen“ ist da etwa die Rede. Und man erhofft sich, dass durch eine Berichterstattung eine „interne, neutrale Prüfung“ in Gang komme, da sich viele aus „Sorge vor Konsequenzen“ die „Missstände“ nicht offen anzusprechen trauten.
Was sagt der Stadtgartendirektor zu alledem? Wenig überraschend seien „die angeführten Vorwürfe“ nicht nachvollziehbar und werden „mit gutem Gewissen und Entschiedenheit zurückgewiesen“, teilt eine Hawliczek-Sprecherin mit. Zum einen führe der MA-42-Leiter einen „sehr wertschätzenden und vertrauensvollen Austausch“ mit seinem „loyalen Team“; zum anderen sei der Büro-Umbau im veranschlagten Kostenrahmen geblieben und habe 17.000 Euro gekostet. „In Zeiten der Budgetkonsolidierung wurde auf Zweckmäßigkeit, Ressourcenschonung und Kosteneinsparung besonders geachtet“, wird versichert.
Dass das Ganze „nur“ 17.000 Euro gekostet haben soll, kann ein vom KURIER befragter Augenzeuge der Baustelle nicht nachvollziehen: „Das kann sich nie ausgehen!“
Prüfen könnten dies letztlich aber nur interne Kontrollmechanismen des Magistrats. Sollte tatsächlich alles so nicht wahr sein, muss sich Hawliczek freilich mit einer Frage beschäftigen: Hat er wirklich ein „loyales Team“ hinter sich? Und wenn nein, warum nicht?
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