Wegen Missbrauch: Hermann-Gmeiner-Park wird wieder rückbenannt
Hermann-Gmeiner-Park wird umbenannt.
Am Vormittag ist wenig los in dieser kleinen Parkanlage hinter der Börse, direkt am Börseplatz gelegen. Das Frühlingserwachen ist aber deutlich zu sehen, der Flieder blüht bereits in kräftigem Violett, er duftet auch so.
Im künftigen Börsepark.
Die Vögel zwitschern in den mächtigen Platanen hoch über den bunt blühenden Tulpen um die Wette und übertönen sogar die Autos, die nur langsam vorbeirauschen.
Und obwohl die Sonne durch die Äste strahlt, steht dieser Platz, nein, der Namensgeber für diesen Platz, unter einem äußerst schlechten Stern.
Höchst belasteter Namensgeber
Der Park heißt nach Hermann Gmeiner, den Gründer von SOS-Kinderdorf, dessen Wirken aufgrund von schweren Übergriffen mit sexueller Gewalt und Misshandlungen lange nach seinem Tod unter gänzlich anderem Licht betrachtet wird. Betrachtet werden muss, ob der Schwere der Vorwürfe.
Deshalb wird der Park nun umbenannt. Das hat der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft nun beschlossen. Einstimmig, wie die Stadt betont.
Einstimmiger Beschluss
„Wir haben auf die neuen Erkenntnisse und die damit verbundenen schwerwiegenden Vorwürfe rasch reagiert und zugleich eine Lösung gefunden, die breit getragen wird“, sagt Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.
Gerade bei sensiblen Fragen im öffentlichen Raum sei es entscheidend, konsequent zu handeln und einen gemeinsamen Zugang sicherzustellen, fügt sie im Fall Gmeiner an.
Künftig heißt die städtische Grünoase, auf der sich ein großer Spielplatz befindet, Börsepark – wie er vor der Umbenennung 1993 übrigens auch geheißen hat.
Börse als Namensgeber
Mit der neuen Bezeichnung sei ein Name gewählt worden, der sich am stadträumlichen Kontext orientiere und eine klare Zuordnung im Wiener Stadtgefüge ermögliche.
Der Vorschlag Börsepark fand auf Bezirksebene bereits breite Zustimmung und wurde in den weiteren Abstimmungen auf Stadtebene mitgetragen, wodurch das Verfahren ohne Verzögerungen abgeschlossen werden konnte.
Kinder hinterlassen sichtbare Spuren
Aber zurück in den Park. Bei einem Eingang steht eine bunte Regenbogenbank, ein Ergebnis des Jugendparlaments. Schon 2023 haben Kinder der Volksschule Judenplatz im Rahmen des Jugendparlaments des Bezirkes Innere Stadt Pflanzen in diesem Park gesetzt.
Auf der anderen Seite des Parks ein ähnliches Blumen-Projekt, das zwei Jahre später von Schülerinnen und Schülern der Volksschule Börsegasse realisiert wurde.
Die Aktionen dieser Kinder bleiben im Park bestehen. Und sie überdauern im öffentlichen Raum jenen Mann, der Kinder über Jahre hinweg missbraucht hat, anstatt sie, wie er vorgegeben hat, zu schützen.
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