Sopherl am Naschmarkt streicht teure Speisen, Getränke vergünstigt

Das wiedereröffnete Beisl nennt es eine Rückbesinnung. Die ganze Karte ist nun klassischer, Gerichte über 30 Euro wurden gestrichen.
Sopherl am Naschmarkt

Das Kultbeisl Sopherl am Naschmarkt eröffnete vor gerade einmal sechs Monaten neu, am anfänglichen Konzept wurde inzwischen einiges wieder verworfen. Schuld ist daran auch die Inflation. Als Maßnahme gegen die Teuerung wurde jüngst die tägliche Beislstund’ von 16.30 bis 18.30 Uhr eingeführt.

Vergünstigt sind das kleine Bier vom Fass, Spritzer und Melange sind bei 3,50 Euro und kosten damit rund 1,10 Euro weniger. Das große Bier und der Aperol Spritzer kosten 4,50 Euro. Das sei günstig, aber nicht billig, wie Inhaber Jing Chen unterscheidet. Nicht ganz so offensichtlich sind die Anpassungen auf der Speisekarte

Angetreten ist Gastronom Jing Chen mit einer modern interpretierten Wiener Küche aus der Feder von Mike Köberl, bekannter Hollywood-Koch an der Seite von Wolfgang Puck. Köberl zog es im Dezember zu anderen Projekten, übernommen hat sein Souschef. 

Keine Weinflaschen und Gerichte über 30 Euro

Von der Karte gestrichen wurden seit Eröffnung alle Gerichte mit einem Preis von über 30 Euro und durch klassischere, kostenfreundlichere Speisen ersetzt. Statt Black Cod gibt es nun etwa Saibling und Forelle Müllerinnen Art.

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Das kleine Bier, Spritzer und Melange kosten zur täglichen Beislstund von 16:30 bis 18:30 nur 3,50 Euro und sind damit rund 1,10 Euro günstiger als sonst.

Zwei Männer stehen hinter der Theke des „Wiener Beisl“.

Küchenchef Mike Köberl (links) eröffnete das Sopherl mit Jing Chen neu. Im Dezember zog der Kärntner zu neuen Projekten.

Sopherl am Naschmarkt

Das Signature Paprikahendl mit Rahmnockerl.

Sopherl am Naschmarkt

Das alte Sopherl musste 2019 Insolvenz anmelden und schließen. Für das neue Sopherl wurde ein Jahr lang renoviert.

Eine Preisstrategie, die sich laut Chen auch bei der Weinkarte bezahlt gemacht hat. Schon seit der Eröffnung setzt man auf Flaschenweine, die nicht über 30 Euro kosten, der Verkauf gehe „extrem gut“.

Mehr Auswahl für Veganer trotz Beisl-Rückbesinnung

Gewachsen und eine ganze Seite füllend ist inzwischen die Auswahl an veganen und vegetarischen Speisen. „Wir haben uns an den Bezirk angepasst und zurück auf das Beisl besonnen, weil es das ist, was die Gäste langfristig wollen“, sagt Chen im KURIER-Interview. Sinnbildlich dafür stehen auf der Karte das Seitan-Pilz-Gulasch und gebackenes Tofu-Duxelles.

Gäste wollen Beständigkeit bei Preis, Qualität und Portionsgröße. Und Stabilität ist das, was wir jetzt alle brauchen.

von Jing Chen

Gastronom

Trotz Kostendruck und einem laut Chen sehr schlechten Jänner wurden seit der Eröffnung weder die Preise erhöht noch bei der Qualität der Produkte Abstriche gemacht. „Gäste wollen Beständigkeit bei Preis, Qualität und Portionsgröße“, sagt Chen. Statt die Preise zu erhöhen, hat man sich etwas anderes einfallen lassen.

Kleine Gerichte fürs kleine Budget

Wer keine 28,80 Euro für ein Original Wiener Schnitzel ausgeben will, hat mit der Schnitzelsemmel vom Kalb um 13,90 Euro (wegen dem Preis auch Schnöselsemmerl betitelt) eine Alternative. 

Und wer trinkt, muss bekanntlich auch essen, zumindest etwas Kleines, wie Debreziner und Sacherwürstel, ebenfalls neu auf der Karte. „Die Leute wollen konsumieren, aber nicht so viel ausgeben. Das ist zumindest unsere Perspektive“, sagt Chen. 

Statt eines begrenzten Mittagstellers gibt es inzwischen Tagesteller ab 12,90 Euro und Tagessuppen um 2,90 Euro. Mit der Beislstund’ will Chen die Flaute nach dem Mittagsgeschäft beleben und auch zum Trinken animieren.

Preise, an denen man nicht stirbt

Dies käme bei den Leuten gut an, innerhalb der Branche höre er aber auch Kritik, er dürfe sich nicht zu günstig verkaufen: „Es ist schwierig, eine Mitte zu finden und ein ständiges Ausbalancieren.“

Den Spritzer wie andere um 2,60 anzubieten, gehe sich nicht aus: „So banal es klingt, aber die 60 Cent Unterschied sind überlebenswichtig. Die aktuellen Preise können wir stemmen, ohne daran zu sterben.“ Dass er die Preise auch in Zukunft nicht anheben muss, kann er freilich nicht garantieren: "Wenn die Energiekosten wieder explodieren, zieht auch alles andere an."

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