© Michaela Reibenwein

Chronik Wien
07/19/2019

„Sieg heil!“ oder „Saubeidl“?: Freispruch für Ex-FPÖ-Funktionär

Prozess in Wien: Markus Ripfl beschimpfte in Gürtellokal zwei Männer, die sich küssten.

von Michaela Reibenwein

Prozess. Das Gürtel-Lokal in Wien war gut gefüllt, der Alkohol floss, die Musik war laut. Und mittendrin sollen zwischen zwei jungen Männern Worte gefallen sein, die am Freitag vor einem Schwurgericht im Landesgericht Wien Thema waren. Zwei Worte sind unbestritten: „Scheiß Schwuchtel“. Dann wirds aber kniffliger. Zwei Zeugen berichten davon, dass „Sieg heil!“ gerufen wurde. Der Angeklagte streitet das ab. Er habe „Saubeidl!“ gesagt.

Der 24-jährige Angeklagte ist kein Unbekannter. Markus Ripfl war unter anderem Landesobmann des Rings Freiheitlicher Studenten und FPÖ-Gemeinderat in Orth/Donau. Als man ihn aus der Partei ausschloss, gründete er seine eigene und zog damit (erfolglos) in den EU-Wahlkampf. Wo er sich selbst politisch sieht? „Mitte rechts“, sagt er. „Ich bin patriotisch und heimatliebend. Aber auch sehr sozial.“

Küssende Männer

In der Nacht auf den 23. September des Vorjahres war er mit Freunden trinken. Dann sah er etwas, was ihm anscheinend gar nicht gefiel: Zwei junge Männer küssten sich auf der Tanzfläche. „Ich habe plötzlich einen Stoß bekommen. Und dann hat er mich angepöbelt“, schildert Kurt G. Auch eine Bekannte schildert das so: „Er hat gerade den anderen Mann geküsst, als er von Herrn Ripfl weggeschubst worden ist.“ Beide sind sicher: Der Angeklagte habe dann auch „Sieg heil!“ gerufen.

Stimmt nicht, sagt Ripfls Anwalt Andreas Strobl. „Es war laut. Er hat ,Saubeidl!’gerufen. Das ist phonetisch ähnlich.“ Sein Mandant habe sich nur geärgert, weil ihm die küssenden Männer den Weg versperrt hätten.

Die Geschworenen sind uneinig. Mit 3:5 Stimmen sprechen sie Ripfl vom Verdacht der Wiederbetätigung frei; nicht rechtskräftig.

 

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