Schuldirektor in Wien: "Islamisierung ist kein Thema bei uns"

Werner Schuster leitet eine Mittelschule in Floridsdorf. Im Gegensatz zu anderen sieht er das Abendland noch nicht untergehen. Andere Probleme der Schüler beschäftigen ihn mehr.
Schulleiter Werner Schuster beim Interview in seinem Büro.

Wer hinter dem Floridsdorfer Bahnhof in die Schulmeile Franklinstraße biegt, merkt bald: Die Polizei ist hier auffallend präsent. Grund zu Panik gibt es allerdings nicht.

Am Ende der Fußgängerzone befindet sich ein neuer Bildungscampus mit Kindergarten, Volks- und Mittelschule. Werner Schuster leitet die Mittelschule. Er wird dort für seine offene Art und seine klaren Worte geschätzt.

KURIER: Kollegen von Ihnen warnen lautstark vor der zunehmenden Islamisierung an Wiens Schulen: Ist deren Kritik berechtigt?

Werner Schuster: An meiner Schule nehme ich das nicht so wahr. Klar ist Religion auch bei uns immer wieder ein Thema – das wir aber mit den Kindern auf Augenhöhe ausdiskutieren können.

Können Sie da ein bisschen aus Ihrer Schule plaudern?

Ganz ehrlich, ich wurde – und das müssen Sie mir bitte glauben – in den letzten zwei, drei Jahren kein einziges Mal mit einem Religionskonflikt in der Schule konfrontiert.

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Ein Schulleiter in der Schulbibliothek: "Die Islamisierung ist kein Thema bei uns."

Wo registrieren Sie dann die größten Herausforderungen an Ihrem Standort?

Um das noch einmal klar zu sagen: Die Islamisierung ist kein Thema bei uns. Es ist viel mehr der Versuch, Kinder mit ihren immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen in den Unterricht zu integrieren. Und damit meine ich auf keinen Fall die Kinder mit einer Lernbehinderung, im Autismus-Spektrum oder anderen Behinderungen. Diese Problematik nimmt seit drei, vier Jahren deutlich zu.

Woran liegt das?

Am vermehrten Konsum von Social Media.

Wie stehen Sie zum Handyverbot in der Schule?

Ein Schritt in die richtige Richtung, denn die Kinder sind zumindest während der Stunden in der Schule nicht mit Social Media in Kontakt. Sie können sich so besser auf ihre Aufgaben fokussieren. Wir hatten das Verbot schon vorher in der Hausordnung. Durch die gesetzliche Regelung haben wir jetzt mehr Verbindlichkeit.

Konflikte, die in sozialen Medien eskalieren, machen aber nicht vor dem Klassenzimmer halt …

… und wir versuchen dann, auch diese zu lösen.

Bietet die Schule überforderten Eltern ausreichend Hilfestellung?

Nicht den Anforderungen angemessen. Wir versuchen, das vor Ort auszugleichen.

Gelingt dieser Versuch?

Die Schulgebäude sind darauf nicht optimal vorbereitet. Zudem fehlt uns dafür das Personal. Weil wenn eine Fachkraft an meiner Schule nur für 22 Stunden angestellt ist und in dieser Zeit drei Kinder mit ADHS, ein Kind im Autismus-Spektrum und drei Kinder mit Lernbehinderung betreuen soll, dann geht sich das einfach nicht aus.

Wo sind Sie als Pädagoge gefordert?

Zum Beispiel die Mutter von zwei Buben, beide mit massiver Hyperaktivität, so sehr, dass die Alleinerzieherin mit beiden gleichzeitig nicht einkaufen gehen kann. Zu der sage ich nicht, dass ihre Söhne kein Spielzeug in die Schule mitnehmen dürfen. Weil das kann sie nie und nimmer durchsetzen.

Was sagen Sie dann?

Wir können sie nur in ihren Bemühungen stärken, dadurch zu ihr Vertrauen aufbauen, um gemeinsam im Sinne der Kinder zu arbeiten.

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Positiv denkender Pädagoge vor einer Kletterwande: "Ich gehe gerne in die Schule."

Sind die jungen Kollegen und Kolleginnen, die von der Uni oder Fachhochschule in die Schule kommen, auf ihre Aufgabe gut vorbereitet?

Die Antwort kann nur sein: Nein. Wir bilden heute an den Unis Formel-1-Piloten aus, die dann in einem 2-CV auf einer Schotterstraße bei Regen jemandem das Autofahren beibringen sollen, der das gar nicht möchte.

Braucht es ein Kopftuchverbot an den Schulen?

Wir haben Themen, die größer sind als dieses.

Und wenn ich Sie frage?

Dann sage ich, dass das ein heikles Thema ist. Schule ist grundsätzlich ein Schutzraum, in dem sich Kinder frei von gesellschaftlichen Zwängen ausprobieren dürfen. Wenn der Gesetzgeber vorsieht, dass man mit 14 religionsmündig ist, dann sollten wir Mädchen die Chance bieten, es in der Schule zuvor ohne Kopftuch zu versuchen. Am Ende steht der Schutz der Kinder im Schutzraum Schule über der Religionsfreiheit.

Sie sind offensichtlich sehr gerne Direktor.

(lacht) Momentan gibt es für mich nichts, was ich lieber machen möchte. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich in der Früh in ein Bergwerk rein muss. Im Gegenteil: Ich gehe gerne in die Schule.

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