Statt grünes Gras sind auf dem FavAC-Spielfeld braungraue Flecken zu sehen.

© Kurier/Gilbert Novy

Favoriten
02/26/2020

Sandkiste statt Fußballplatz: FavAC muss Heimspiele absagen

Weil Spielfeld des Favoritner Traditionsvereins in schlechtem Zustand ist, sorgt man sich um den weiteren Spielbetrieb.

von Bernhard Ichner

Austria-Legende Andi Ogris kickte hier ebenso wie Ex-Rapid-Trainer Zoran Barisic, Ex-Teamchef Dietmar Constantini oder der ehemalige „1. FC Köln“- und „Borussia Dortmund“-Trainer Peter Stöger. Ja, sogar Kabarettist Gerhard Bronner jagte in der Jugend hier dem Ball nach.

Der Favoritner Athletikclub, kurz FavAC, hat schon bessere Zeiten erlebt. Jetzt steht der 1910 gegründete Traditionsverein – aktuell 13. der Wiener Stadtliga – aber vor einem Riesenproblem: Weil das Spielfeld einer Sandkiste gleicht, muss das erste Heimspiel der Frühjahrssaison abgesagt werden. Und FavAC-Obmann Mikica Miladinovic befürchtet, dass es nicht bei einem Match bleiben wird.

Gestern, Dienstag, machte Miladinovic die Hiobsbotschaft offiziell: Das für 7. März geplante Heimspiel gegen WAF Vorwärts Brigittenau findet nicht statt, weil der Platz nicht einsatzbereit ist. Statt grünem Rasen sind bloß große braune Flecken zu sehen. Die erhoffte Vegetation blieb trotz bereits im November eingeleiteter Reparaturmaßnahmen und mildem Wetter bis dato aus. Nicht zuletzt, weil Vögel das Saatgut fressen.

Mehrbelastung

Als Grund für den Status-quo nennt Miladinovic die Sperre des zweiten FavAC-Platzes für Ligaspiele durch den Wiener Fußballverband (WFV) vor etwa einem Jahr. Der Verband habe die nicht wettkampfkonforme Breite des Kunstrasenplatzes bemängelt. Deshalb seien dort nur noch Trainingseinheiten und Spiele bis zur U12 möglich, sagt er.

Für alles andere müsse seit Monaten der Rasenplatz – also das Spielfeld der Kampfmannschaft – herhalten. „Inklusive Nachwuchs finden dort pro Wochenende sieben Spiele statt. Dazu kommen die Trainings der Großfeldmannschaften. Der Rasenplatz leidet unter dieser Mehrbelastung“, erklärt der Obmann.

Beim WFV spielt man den Ball zurück: Der FavAC sei für die Pflege der Plätze selbst zuständig, betont Generalsekretär Christian Schlosser. Die Absage des Heimspiels kann er nicht nachvollziehen – „das Platz wäre bespielbar“, meint er.

Beim FavAC glaubt man das nicht. Hilfe erhofft sich Miladinovic daher von der MA 51 (Sport) – die erst vor Kurzem um rund eine halbe Million Euro den zu schmalen Trainingsplatz sanierte und den in die Jahre gekommenen Kunstrasen erneuerte. Einen solchen würde man sich auch fürs Hauptspielfeld wünschen, sagt Miladinovic. Die Investition von rund einer Million Euro könne sich der FavAC aber nicht leisten.

Dünnes Eis

Also bleibe vorerst nichts anderes übrig, als das Spielfeld provisorisch auszubessern. Dafür begann man in Erwartung eines milden Winters bereits im November mit der Aussaat. Zudem wurden 100 Tonnen Quarzsand ausgebracht, um Unebenheiten zu kompensieren. Nun hofft man auf gutes Wetter – „dann können wir vielleicht Ende März zu Hause spielen“. Bis dahin stehe man aber „auf dünnem Eis – ein Kälteeinbruch könnte alles zunichte machen“.

Es sei jedoch absehbar, dass der Platz danach wieder kaputt werde, sagt Miladinovic. Ohne Hilfe der Stadt sei der Spielbetrieb langfristig nicht zu sichern. Insbesondere fürchtet der Obmann um die Ausbildungsmöglichkeiten für mehr als 300 Nachwuchsspieler.

Unsicherheitsfaktor EU

Im Bezirk kennt man die Problematik. „Kurzfristig gibt es leider keine Lösung“, erklärt Bezirkschef Marcus Franz (SPÖ), der bereits mit der MA 51 Gespräche führt.

„Ich werde mich dafür einsetzen, dass der FavAC einen Kunstrasen und eine Flutlichtanlage bekommt“, versichert er. Es gelte aber das von der Stadt angekündigte Sportstättenkonzept abzuwarten. So dieses nicht ohnehin eine Sanierung des Favoritner Traditionsplatzes vorsehe, werde er sein Vorschlagsrecht als Bezirksvorsteher nützen, stellt Franz in Aussicht. „Der FavAC hat für mich Priorität“, stellt er klar.

Bei der MA 51 zeigt man sich zwar gesprächsbereit und plant in Abhängigkeit vom Wetter zumindest einmal die Reparatur des Rasens im April oder Mai. Ob tatsächlich ein Kunstrasen (wie ihn übrigens auch der WFV begrüßen würde) verlegt werden kann, werde aber auf EU-Ebene entschieden. Es könne nämlich sein, dass die EU im Herbst das nötige Granulat nicht mehr zulässt.

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