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Chronik Wien
01/28/2020

Rothschild-Stiftung: Hacker geht von "richtigen Entscheidungen" aus

Die Stadt Wien arbeitet laut dem Gesundheitsstadtrat bis Ende der Woche an einer Entgegnungsschrift.

Die Stadt Wien sieht sich mit einer Klage des New Yorker Unternehmers Geoffrey R. Hoguet, einem Nachfahre der Familie Rothschild, konfrontiert - der KURIER berichtete. Es geht um jene 1907 gegründete Stiftung, die das bis heute existierende Neurologische Zentrum Rosenhügel errichtet hat. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) äußerte sich am Dienstag nun erstmals zur Causa.

Der Ressortchef scheint dem für 20. Februar anberaumten Verfahren am Bezirksgericht Hietzing einigermaßen gelassen entgegenzusehen. "Ich gehe davon aus, dass die damals handelnden Damen und Herren die richtigen Entscheidungen getroffen haben" - und zwar "in vollem Respekt vor der Geschichte dieses Grundstücks", sagte Hacker in der Landtagssitzung.

Im Konflikt geht es um die "Nathaniel Freiherr von Rothschild'sche Stiftung". Sie wurde gegründet, um in Wien am Rosenhügel und auf dem Areal des Maria-Theresien-Schlössels Nervenheilanstalten zu errichten und zu betreiben. Erstere besteht bis heute als Neurologisches Zentrum.

Nachfahre will Kuratorium als Verwalterin

Nach der Machtübernahme durch die Nazis wurde die Stiftung aufgelöst. Bei der Wiederherstellung 1956 wurde nicht, wie vor 1938, ein unabhängiges Kuratorium als Verwaltungsorgan eingesetzt, sondern der Magistrat der Stadt Wien. Diese Regelung besteht bis heute.

Der Rothschild-Nachfahre will nun vor Gericht die Abberufung des Magistrates als Stiftungsverwalterin und die Wiedereinsetzung eines unabhängigen Kuratoriums durchsetzen.

Der 2001 getätigte Verkauf des Maria-Theresien-Schlössels durch die vom Magistrat geführte Stiftung an die Stadt Wien soll außerdem für nichtig erklärt werden. Und Hoguet will die Rückabwicklung einer Stiftungssatzung aus 2017, wonach bei einer Auflösung das Stiftungsvermögen der Stadt zufallen würde, um es für gemeinnützige Zwecke zu verwenden.

Hacker will Debatte weiterführen

Gesundheitsstadtrat Hacker ging heute im Landtag mit Verweis auf das offenen Verfahren auf keine Details zu Fragen rund um die Stiftung ein. Nur soviel: "Es ist jedem Mann und jeder Frau unbenommen, gegen oder für alles zu klagen, was man mag." Seitens der Stadt werde gerade eine Entgegnungsschrift vorbereitet.

Sie werde fristgerecht - also bis Ende der Woche - dem Bezirksgericht Hietzing übermittelt. "Dann schauen wir einmal, was das Gericht entscheidet." Erst danach sei es sinnvoll, die politische Debatte weiterzuführen.

Zu dem Konflikt rund um die Rothschild’sche Stiftung war auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP)  am Montag in seiner Rede zum Auschwitz-Gedenken kurz eingegangen.

Sobotka zum  KURIER: „Ich würde mir wünschen, wenn die Stadt Wien dem ursprünglichen Stiftungszweck nachkommt. Die Rothschilds haben viel für Wien und Österreich getan. Es gehört sich als  Respekt vor den Vertriebenen und Opfern des Nationalsozialismus, dass die Stiftung wieder in ihrem ursprünglichen Sinn errichtet wird.“