Chronik | Wien
06.08.2018

Praterstern: "Grätzeloase" statt "Schandfleck"

Neos wollen Umbau um 1,3 Millionen Euro. Bezirk sucht Sponsor für Abriss massiver Pflanzentröge.

Wasserfontänen, durch die im Sommer Kinder laufen. Ein Kino unter freiem Himmel an lauen Sommerabenden. Und Märkte unter der Woche. So stellen sich die Neos den Praterstern der Zukunft vor. 1,3 Millionen Euro würde ein Umbau laut dem designierten Klubobmann Christoph Wiederkehr kosten, um aus dem „SchandfleckPraterstern eine „Grätzeloase“ zu machen.

Konkret sollen die Wasserfontänen zwischen Bahnhof und Tegetthoff-Denkmal installiert und ebenfalls soll eine LED-Wand für Kulturveranstaltungen errichtet werden. Das zeigen Visualisierungen, die an Computerspiele aus den Nullerjahren erinnern. Die sogenannten Grillagen, jene massiven Pflanzentröge, die jetzt am Bahnhofsvorplatz stehen, sollen dafür abgerissen werden.

Für obdachlose Menschen soll zur Lassallestraße hin ein Aufenthaltsraum geschaffen werden. Wenn die Transformation des „Stern“ gelungen ist, ist laut Neos auch das Alkoholverbot obsolet.

Obdachlose gewandert

Seit 27. April dieses Jahres gilt dieses an einem von Wiens wichtigsten Verkehrsknotenpunkten. Laut Wiener Linien, ÖBB und Polizei hat es schnell nach Einführung Wirkung gezeigt. „Die Zahl der marginalisierten Personen ist zurückgegangen, somit auch die Zahl der alkoholbedingten Anzeigen, Delikte und Angriffe auf die Beamten“, sagt Polizeisprecher Paul Eidenberger. „Verdrängungseffekte“ in der Nähe des Pratersterns seien nur „marginal“.

Die grüne Bezirksvorsteherin Uschi Lichtenegger sieht das anders: „Das Alkoholverbot hat dazu geführt, dass die Leute verdrängt wurden. Ich hoffe, dass nicht erst im Herbst mit den Begleitmaßnahmen begonnen wird.“ Aktuell seien Obdachlose vom Bahnhof ins umliegende Wohngebiet gewandert. „Das irritiert die Menschen“, sagt die Bezirksvorsteherin.

Sie „freue“ sich, „dass die Neos nun die Ergebnisse der Perspektive Praterstern weiterentwickelt haben, schließlich waren sie ja auch aktive TeilnehmerInnen des Prozesses“. Statt eines Sommerkinos, wie es die Neos fordern, sei in der „Perspektive Praterstern“ etwa ein Filmfestival geplant worden.

Auch der Abriss der Grillagen sei längst in Planung. Derzeit wird laut Lichtenegger ein Sponsor gesucht – denn der Abriss der vier mächtigen Pflanzentröge koste jeweils 40.000 Euro. Das würde das Bezirksbudget zu stark belasten.

Dem Vorschlag nach „Wasserspielen“ kann SPÖ-Verkehrssprecher Gerhard Kubik nichts abgewinnen: Die seien zwar schön, aber nicht verkehrstauglich. Bald soll auch ein eigener Beauftragter der Stadt zur Neugestaltung des Praterstern ernannt werden. Wer das sein wird, wollte man im Büro des Bürgermeisters nicht sagen.