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Chronik Wien
08/07/2020

Planschen auf der Kreuzung: Erste Eindrücke vom "Gürtel-Pool"

Zwischen 7. und 15. Bezirk nahe dem Westbahnhof entsteht ein Schwimmbecken. Die ÖVP kritisiert das Projekt - und hat eine Anfrage dazu eingebracht.

Pool und Kultur dort, wo sonst die Autos kurven. In Wien startet nun das für drei Wochen anberaumte Projekt "Gürtelfrische West" zwischen Rudolfsheim-Fünfhaus und Neubau. Der Treffpunkt auf der sonst stark befahrenen Kreuzung verfügt über einen Swimmingpool, Liegewiesen, Grünflächen mit Palmen und kann auch mit kulturellem Programm aufwarten. Der Start erfolgt am Samstag.

Zwischen Felberstraße und Stollgasse gelegen, ziert nun Rollrasen den sonst schwarzen Asphalt. Und statt Fahrzeugen, die auf das grüne Ampelsignal warten, parkt der Forschungsbus der Initiative Kunst im öffentlichen Raum (KÖR), der zu Workshops und sogar zum Übernachten einlädt. Der Eintritt in die Gürtelfrische ist gratis.

"Aktion für Menschen"

"Das ist keine Aktion gegen Autofahrer, sondern eine Aktion für Menschen", sagte Gerhard Zatlokal (SPÖ), Bezirksvorsteher von Rudolfsheim-Fünfhaus, bei der Präsentation. Er betonte, dass er das rund 150.000 Euro teure Projekt im kommenden Jahr wiederholen möchte. "In Zukunft ist es für mich ein Ziel, dass wir keinen Rollrasen haben, sondern echten Rasen und ein Platz da ist für die Bevölkerung", fügte er an. Vor allem eine Art Kommunikationszentrum solle hier entstehen.

"Wir brauchen qualitativ hochwertigen öffentlichen Raum, damit wir vor Ort eine gute Zeit haben können, um zusammenzukommen", sagte Isabelle Uhl (Grüne), die Bezirksvorsteher-Stellvertreterin von Neubau. Damit die lokale Bevölkerung zur Nutzung des öffentlichen Raums sensibilisiert werde, wie es hieß, gibt es den "Ich brauche Platz!-Bus", in dem Workshops angeboten werden. "Es geht uns mit diesem Projekt darum, uns zu überlegen, wo gibt es öffentlichen Raum und wie ist dieser gestaltet", sagte Martina Taig, Geschäftsführerin von KÖR.

Besonders der 33 Quadratmeter große Swimmingpool inmitten der Gürtelkreuzung hat in den vergangenen Wochen polarisiert und für Kritik vonseiten der Opposition gesorgt. "Es ist durchaus möglich, dass Flächen, die normalerweise für Autos zur Verfügung gestellt werden, auch für Bewohner genutzt werden können", sagte Zatlokal und versicherte, dass der Verkehr seit Beginn der Bauarbeiten noch nicht zusammengebrochen sei.

Hygiene beim Baden

Das Baden im Pool wird täglich zwischen 10 und 20 Uhr unter der Aufsicht eines Bademeisters möglich sein. Auch die Coronamaßnahmen werden dabei berücksichtigt. Alle Hygienerichtlinien sollen unter anderem durch eine maximal zulässige Personenzahl im Wasser eingehalten werden, hieß es.

Zur inneren Erfrischung steht gleich daneben ein kleiner Gastro-Kiosk bereit. Auf einer kleinen Holzbühne im danebenliegenden Park wird es zudem täglich Konzerte und Vorstellungen für Kinder und Erwachsene geben. Auch der Donauinselfest-Konzertbus wird der "Gürtelfrische West" zweimal einen Besuch abstatten, wurde angekündigt.

ÖVP bringt Anfrage ein

Unterdessen hat die Wiener ÖVP eine Anfrage an die Stadtregierung zu den Folgekosten des Projekts eingebracht. Sie will wissen, wie hoch diese sind. "Die Wienerinnen und Wiener haben sich Kostenwahrheit und Transparenz verdient", sagt Verkehrssprecher Manfred Juraczka.

Hintergrund: Das Budget für die Anpassung der Ampelschaltungen an der Kreuzung ist nicht in die Projektkosten von 150.000 Euro eingerechnet. Kolportiert wird, dass bis zu 110.000 Euro dazu kommen könnten. 

Das Büro von Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) dementiert diese Summe. Ein konkretes Budget könne allerdings nicht genannt werden: Die Kosten für die Anpassung der Ampeln stünden noch nicht fest, da weitere Adaptionen nötig sein könnte, heißt es auf KURIER-Nachfrage.

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