Chronik Wien
06/26/2014

Partyschiff-Kontrolle: Prozess geht weiter

Pärchen wegen Widerstands gegen Staatsgewalt angeklagt - Beschuldigte erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei.

Das Ende einer Party auf einem Wiener Donaukanal-Schiff hatte am Mittwoch ein gerichtliches Nachspiel. Zwei Polizisten wollten wegen Anrainerbeschwerden dem Treiben ein Ende bereiten, doch die Amtshandlung geriet völlig aus dem Ruder. Angeklagt waren ein 32-Jähriger und seine Freundin u.a. wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Die beiden erhoben jedoch schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Laut Anwalt Josef Wegrostek seien die beiden von den Beamten, die sich an dem Morgen des 19. Oktober u.a. Beistand von der Wiener Polizei-Sondereinheit WEGA holten, attackiert und geschlagen worden. Am Kommissariat habe man die beiden dann stundenlang separat in eine Zelle gesperrt, ohne ihnen anwaltlichen Beistand zu ermöglichen. Man habe sie teilweise entkleidet, geschlagen, nicht auf die Toilette gehen lassen und ihnen nichts zu trinken gegeben, fasste der Anwalt zusammen. Die Frau berichtete, sie mehrmals nach einem Arzt verlangt, doch die Polizisten haben gesagt, "du dreckige Kuh, du Hure, zieh dich aus, du stinkst."

Polizisten weisen Vorwürfe von sich

Demgegenüber stand die Aussage der Polizei: Der 32-Jährige hätte lautstarken Protest wegen des Abbruchs der Party eingelegt. Bei einem Gerangel hätte er einem Beamten einen Faustschlag im Gesicht versetzt, sodass seine Brille zu Bruch ging, was dem Mann auch einen Anklage wegen schwerer Körperverletzung einbrachte. Als die Beamten den 32-Jährigen deswegen festnehmen wollten, dürften andere Partygäste das zu verhindern versucht haben. "Die meisten Partygäste waren gegen uns. Sie haben gesagt, warum schlagt ihr die Gäste, was aber nie passiert ist", berichtete der 23-jährige Polizist. Der Angeklagte sagte, dass er im Zuge dessen gegen eine Tür und eine Wand gestoßen wurde.

Der 25-jährigen Freundin des Beschuldigten wurde vorgeworfen, mit Bierdosen geworfen und Beamte gerempelt zu haben. "Sie haben ihn (den 32-Jährigen, Anm.) mit voller Wucht über den Gang geschleudert und dann über den Boden gezerrt", sagte die junge Frau. Sie habe sehen wollen, was mit ihrem Freund passiert. "Ich hatte weder eine Dose in der Hand noch hab ich versucht, jemanden damit anzugreifen", erklärte die Jus-Studentin.

Partygast machte Video

Wegen ihres laut Zeugenaussage "aggressiven und bedrohlichen" Verhaltens wurde die Frau ebenfalls festgenommen. "Haben Sie sich gegen die Festnahme gewehrt?", fragte Richterin Olivia-Nina Frigo. "Nein, ich wusste ja nicht einmal, was passiert, dass man mir Handschellen anlegt. Niemand hat mit mir gesprochen. Ich hatte durch das Verdrehen der Arme unheimliche Schmerzen", berichtete die Frau von zarter Statur. Als sie vom Schiff gebracht wurde, sei sie beim Donaukanal gegen einen Baum gedrückt worden. Dort seien ihr von Beamtinnen auch Schläge versetzt worden, das beweise laut Anwalt auch ein Handyvideo (siehe unten) beweisen, das von einem Partygast aufgenommen worden war.

Insgesamt waren an die 30 Polizisten bei dem Vorfall im Oktober 2013 im Einsatz. Am Donnerstag wird die Verhandlung mit der Einvernahme zahlreicher Zeugen fortgesetzt.

Vorwurf: „Partygäste wurden in Zelle misshandelt“

19. Oktober, neun Uhr morgens am Wiener Donaukanal: 150 Partygäste feierten auf dem „Partyschiff“ nach einer durchzechten Nacht. Polizisten rücken an. Ihre Momentaufnahme: Das Fest ist nicht genehmigt, also illegal. Die Beamten entscheiden: Räumung. Jetzt nimmt eine Amtshandlung ihren Lauf, die den Polizisten schwere Misshandlungsvorwürfe einbringen wird – das berichtete die ORF-Sendung Thema am Montag. Dem KURIER liegen Protokolle, Atteste sowie vier Handy-Videos von Zeugen vor.

Christof R., 31, Akademiker aus NÖ, fragt die Beamten, warum die Party vorbei sei. Vielleicht war er dabei auf gut wienerisch „goschert“, wie das ein Polizist, 23, schildert. Ein derbes Wortgefecht folgt. R.s Freundin Almuth G. hört zu. Ihr Freund müsse vom Schiff, sagt ein Polizist. Weshalb? Ihm blühe eine Anzeige. Der 31-Jährige widersetzt sich. Ein Beamter, 23, greift hart durch, nimmt ihn in die „Halsklammer“. Dann eskaliert die Situation. Mittendrin ist Almuth G., die sich im Protokoll erinnert: „Sie (Anm., die Polizisten) haben zu viert auf ihn eingeschlagen.“ Der Polizist erhält einen Schlag ins Gesicht – Nasenbeinprellung. Wer schlug zu? Laut dem Verletzten war es der 31-Jährige, laut G. ein Polizist, „unabsichtlich“.

Tritte im Arrest?Gäste filmen die Festnahme der beiden. Übergriffe sind dabei nicht eindeutig zu sehen. Ortswechsel zur Polizeiinspektion Deutschmeisterplatz: R. berichtet, wie ein Beamter gezielt auf seinen Kopf tritt, während er in einer Zelle am Boden liegt. G. hört am Gang den Satz „Du Hure ...“. Danach fixieren sie Beamte in der Zelle an Armen und Beinen, ein anderer reißt ihr die Hose herunter, schildert sie. Fotos der beiden zeigen von Blessuren übersäte Körper.

Ihr Anwalt, Josef Wegrostek, sagt: „Das war exzessive Polizeigewalt.“ Er will die Beamten bei der Staatsanwaltschaft anzeigen. Die Exekutive leitete Ermittlungen ein.

ORF-Thema

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.