Chronik | Wien
09.03.2013

Parksheriffs erlassen einander die Strafen

Organmandate bei Ausreden storniert.

Eine Wiener Richterin beleuchtet die Straf-Praxis unter den „Blaukapplern“ der MA 67. Glaubt man nämlich einer 38-jährigen Angeklagten, dann ist es üblich, dass die Wiener Parksheriffs untereinander „bargeldlose“ Organstrafmandate verteilen. Wird ein Kollege zum Parksünder, weil er kurz aufs WC muss oder einen anderen unaufschiebbaren Termin hat, dann wird die Strafe hinterher einfach storniert. So soll es auch geschehen sein, als eine Beamtin gerade eine Prüfung zu schreiben hatte und sich deshalb nicht um den Parkschein kümmern habe können: Im Auftrag ihres Kommandanten will die Angeklagte der Kollegin die Strafe erlassen haben.

Aufgeflogen ist das System dadurch, dass die Angeklagte eine mitangeklagte Kollegin dazu brachte, ihr selbst das Bußgeld zu ersparen. Sie hatte just vor ihrem Büro ohne Parkschein geparkt. Die Kollegin wurde nur deshalb freigesprochen, weil sie das Organmandat erst gar nicht hinter den Scheibenwischer gesteckt und es gleich storniert hatte. Das wurde als Rücktritt vom Versuch gewertet. Der Prozess gegen die 38-Jährige, die ihren Magistratsjob inzwischen los ist, wurde vertagt.