© Michael Chudik

Chronik Wien

Frauenmord in Wien: Massive Kritik an Polizeiermittlungen

Die Frau war bereits seit dem 21. November als vermisst gemeldet. Laut Obduktionsergebnis wurde sie erstickt.

12/01/2021, 09:24 AM

Eine 60-j√§hrige Frau ist am Dienstag tot in ihrem Kellerabteil in Wien-Brigittenau entdeckt worden. Nun liegt auch das Obduktionsergebnis vor: ‚ÄěTod durch Ersticken‚Äú, berichtete Polizeisprecher Markus Dittrich. ‚ÄěDas hei√üt, ein Fremdverschulden liegt vor. Dementsprechend werden die Ermittlungen weitergef√ľhrt.‚Äú Nach dem Lebensgef√§hrten wird weiter gefahndet. Es wird vermutet, dass er sich ins Ausland abgesetzt hat, sein Auto wurde am Flughafen gefunden.

Der 64-j√§hrigen Mann besitzt die kanadische und iranische Staatsb√ľrgerschaft. Die 60-j√§hrige Frau wurde von ihrer Tochter bereits am 21. November als vermisst gemeldet. Am gestrigen Dienstag durchsuchten schlie√ülich Polizeibeamte mit einem Diensthund das Wohnhaus der Frau. Der Hund f√ľhrte die Ermittler zu der leblosen Frau, die im Keller unter Gegenst√§nden vergraben lag.

Da nun feststeht, dass die 60-J√§hrige ermordet wurde, ist ein weiterer Femizid zu beklagen. Laut einer Aufz√§hlung der Autonomen √Ėsterreichischen Frauenh√§user sind damit in √Ėsterreich bereits 30 Frauen von ihren (Ex-)Partnern in diesem Jahr get√∂tet worden.

Die Kinder der Verstorbenen √ľben jetzt im Standard heftige Kritik an der Polizei. Schon am 19. November sei der Kontakt zur Mutter abgebrochen. Zwei Tage sp√§ter erstatteten sie eine Vermisstenanzeige. Trotz mehrmaliger Hinweise, dass es sich um ein T√∂tungsdelikt handeln k√∂nnte, habe die Polizei "nur an der Wohnungst√ľr der Frau geklopft". Im Keller wurde keine Nachschau gehalten.

Eifersucht

Auch eine Freundin der Mutter best√§rkte den Verdacht, dass es sich um ein Gewaltverbrechen handeln k√∂nnte - der Lebensgef√§hrte habe die Frau st√§ndig kontrolliert, sei eifers√ľchtig gewesen.

Freunde der Familie waren es schließlich, die das Auto des Mannes am Flughafen gefunden hatten. Der Mann soll ein Flugticket in den Iran gebucht haben.

Und plötzlich bekamen mehrere Personen aus dem Bekanntenkreis seltsame Nachrichten von einer unbekannten Nummer: "Check the shortage, I'm sorry", stand darin. Vermutlich war "Storage" gemeint. Also: Lagerraum. Es könnte sich um eine Nachricht des verschwundenen Lebensgefährten gehandelt haben.

Akteneinsicht wurde den Kindern bis zuletzt verwehrt - schließlich gäbe es keine Leiche.

Bis zum Dienstag ...

Frau lag unter Reifen und Decken

Die Polizei best√§tigt den Eingang der Abg√§ngigkeitsanzeige. "Wir haben bei solchen F√§llen ein klares Schema, das eingehalten wird", erkl√§rt Polizeisprecher Markus Dittrich. Zudem seien diverse Abfragen get√§tigt und Telefonr√ľckverfolgungen versucht worden. Allein: Sowohl das Handy der Frau als auch das des gesuchten Mannes waren abgedreht.

Man sei auch mit der Tochter der Ermordeten in der Wohnung gewesen. Doch da habe man nichts Verdächtiges finden können. Man sei damals auch beim Kellerabteil gewesen und haben hineingeschaut, betont Dittrich. "Aber die Frau war unter Autoreifen und Decken versteckt. Sie war nicht erkennbar."

Nach dem Verdächtigen wird international gefahndet.

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