Chronik | Wien 12.06.2018

Moscheen: IGGÖ-Präsident weist Vorwürfe aus eigenen Reihen zurück

© Bild: Kurier / Gerhard Deutsch

Ibrahim Olgun reagiert auf Vorwürfe, er habe Aktion selbst ins Rollen gebracht. Neuwahl des Präsidenten steht im Raum.

IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun hat die Vorwürfe aus den eigenen Reihen, wonach er die Moscheen-Schließungen vorangetrieben hätte, zurückgewiesen. Er übte in einer Stellungnahme gegenüber der APA gleichzeitig Kritik an seinem Vorgänger Fuat Sanac, aus dessen Umfeld er attackiert wurde. Sanac hätte bei der Entstehung des Islamgesetzes negative Folgen, die heute sichtbar werden, verhindern müssen.

Durch die Einführung des Islamgesetzes im Jahr 2015 sei die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich mit neuen Herausforderungen und Aufgaben konfrontiert, die nicht in Relation zu den ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen stehen. Viele dieser negativen Entwicklungen hätte man sich ersparen können, wenn die damaligen Verantwortlichen der IGGÖ, darunter auch der jetzige Vizepräsident bei der Entstehung des Islamgesetzes dessen Umsetzbarkeit und Auswirkungen im Vorfeld hinterfragt hätten, so Olgun.

IGGÖ-Vizepräsident Abdi Tasdögen hatte am Montag Olgun offen angegriffen und ihm vorgeworfen, die Moscheen-Schließungen mit einer Anzeige beim Kultusamt veranlasst zu haben. Der Weg dorthin sei mit Olgun und der Regierung abgesprochen gewesen, "die Auflösung der Arabischen Kultusgemeinde sogar bezweckt".  Tasdögen wird nun, wie angekündigt, eine außerordentliche Schuraratssitzung  einberufen, die auch zu Präsidenten-Neuwahlen führen könnte.

"Ungerechtfertigte Vorwürfe"

Olgun spricht von ungerechtfertigten Vorwürfen. Die IGGÖ gehe unter seiner Leitung "ihren gesetzlichen Verpflichtungen nach bestem Wissen und Gewissen" nach und stehe in diesem Zusammenhang selbstverständlich auch im Austausch mit dem Kultusamt. "Pflichtgemäß" seien dem Kultusamt formelle Mängel betreffend die "Arabische Kultusgemeinde" mitgeteilt worden.

Die IGGÖ habe aber in keiner Form die Schließung von einzelnen Gebetsstätten beantragt und im Vorfeld keinerlei Kenntnisse über die Schließungen der Moscheen und die Imam-Ausweisungen gehabt. Bis heute sei der IGGÖ nicht bekannt, welche Moscheen genau von einer drohenden Schließung betroffen sind. "Aus der laut Gesetz vorgesehenen Kommunikation mit dem Kultusamt rückzuschließen, dass die Vorgehensweise der Bundesregierung mit der IGGÖ akkordiert sei, entspricht daher nicht den tatsächlichen Gegebenheiten", so Olgun.

Die Glaubensgemeinschaft werde es nicht zulassen, dass die Menschen muslimischen Glaubens für ideologische, politische Zwecke missbraucht werden. Und man werde es nicht zulassen, dass die Muslime in Österreich auseinanderdividiert werden, so Olgun.

Ex-Präsident wehrt sich

Der ehemalige Vorsitzende  der islamischen Kultusgemeinde, Fuat Sanac meldete sich heute ebenfalls zu Wort. Gegenüber der Tageszeitung „Die Presse“ weist er Olguns Vorwurf zurück und wirft ihm im Gegenzug unprofessionelles Verhalten vor. Er häte sich gewünscht, dass Olgun die Probleme mit seinen Glaubensbrüdern besprochen hätte, um eine interne Lösung zu erzielen. 

Sanac sieht auch keine Verbindung zum Islamgesetz. Olgun warf der ehemaligen Führung in diesem Punkt Tatenlosigkeit vor. Man habe in Österreich viele Rechte erreicht, für die Muslime in anderen Ländern kämpfen. Er sei zufrieden, mit dem, was am Ende herausgekommen sei.

( Agenturen ) Erstellt am 12.06.2018