Nach Mord: Wie Pflegeheime für Sicherheit ihrer Bewohner sorgen
Front und Eingang des Pensionistenheims Park Residenz Döbling
Von S. Angerer, L. Leidenfrost und A. Perazzolo
Es war bereits der zweite brutale Überfall auf eine Heimbewohnerin in Wien binnen drei Jahren, der vergangene Woche Schlagzeilen machte. Eine 87-jährige Bewohnerin wurde am 20. Jänner tot in ihrem Zimmer in einem Pensionistenheim in Döbling aufgefunden.
Nun gibt es eine erste Festnahme, wie die Polizei am Freitag bekannt gab. Im Fokus der Ermittlungen steht ein 61-jähriger Türke, der am Freitag in den frühen Morgenstunden in einer Wohnung in Penzing von Kräften der WEGA festgenommen wurde. Zu einem möglichen Motiv ist derzeit noch nichts bekannt. Auch zur Frage, in welchem Verhältnis Opfer und Täter standen, hält sich die Polizei bedeckt. Im Vorfeld gab es Spekulationen, dass sich die beiden näher gekannt haben dürften.
Pensionistenheim Park Residenz Döbling
In dem Pensionistenheim sind viele Bewohner nämlich nicht pflegebedürftig und nutzen das Heim eher wie ein Hotel, erklärte Helmut Schramm, Vorstand des Fonds der Wiener Kaufmannschaft, der das Heim betreibt, gegenüber MeinBezirk. „Auch die 87-jährige Frau war nicht bettlägrig, sondern wohnte in einem eigenen Apartment“, sagte Schramm auch zum KURIER. Dorthin verschaffte sich der Täter Zugang.
Schmuck im Hals
Noch ein Indiz könnte auf einen persönlichen Bezug hindeuten: Im Hals der getöteten Frau fanden die Ermittler ein Schmuckstück. Die Obduktion hatte ergeben, dass die 87-Jährige erstickt worden war.
Unklar ist zehn Tage nach dem Mordfall noch, ob es weitere Verdächtige gibt. Fest steht jedenfalls, dass der 61-jährige Türke als Hauptverdächtiger gilt. Um den weiteren Verlauf der aktuellen Ermittlungen des Landeskriminalamtes nicht zu gefährden, können laut Polizei derzeit keine näheren Details bekannt gegeben werden. Die Ermittlungen befinden sich „in einer sensiblen Phase“, man wolle sie nicht gefährden.
Im Pensionistenheim in Döbling wurden die Sicherheitsvorkehrungen am Eingang nach Bekanntwerden des Vorfalls verstärkt. Ähnlich reagierte man vor drei Jahren auch in dem Pensionistenheim auf der Wieden. Ein 23-jähriger Algerier verschaffte sich dort am 11. Oktober 2023 Zutritt in die Wohneinheit einer 92-jährigen Frau, ging auf das Opfer los und fixierte die Seniorin am Bett.
Bewohnerin vergewaltigt
Der junge Mann vergewaltigte die Bewohnerin, anschließend durchwühlte er das Zimmer nach Wertgegenständen und riss der Frau Schmuckstücke vom Körper, um mit der Beute zu flüchten. Drei Monate nach dem brutalen Übergriff starb die betagte Frau.
Nach dem Überfall auf die Bewohnerin hat der Heimträger die Sicherheitsmaßnahmen in allen 30 Wiener Einrichtungen verschärft, welche bis heute gelten. Die Häuser können während der Rezeptionszeiten ausschließlich über den Haupteingang betreten werden, alle anderen Eingänge sind nur mit einem Chip von außen zu öffnen. Jeder Eingang der 30 Häuser ist zudem videoüberwacht.
Die Pflegewohnhäuser der Caritas sind mit elektronischen Schließsystem und Türglocken mit Kameras ausgestattet, heißt es auf Anfrage. Eine flächendeckende Videoüberwachung komme aus Datenschutzgründen sowie Rücksicht auf die Privatsphäre Bewohner aber nicht zum Einsatz, so die Caritas.
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