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Chronik | Wien
05/05/2019

Model-Scout Wolfgang Schwarz: „Es wird Schindluder getrieben“

Wolfgang Schwarz hat die ersten Model-Contets in Österreich organisiert. Mit dem KURIER sprach er über die Miss-Wahlen

Wolfgang Schwarz hat die ersten Model-Contests (keine Miss-Wahlen, Anm.) in Österreich veranstaltet und ist Chef der Agentur Look-Models international. Er hat mit Claudia Schiffer gearbeitet und mit Cindy Crawford, mit Naomi Campbell und Linda Evangelista. Und er hat Melania Trump entdeckt – sozusagen.

Der KURIER bat ihn zum Gespräch in puncto „Missen-Causa“.

KURIER: Bevor wir über die Miss-Wahl reden: Wie war das damals, als Sie Melania Trump entdeckt haben?

Wolfgang Schwarz: Melania Trump hat bei unserem Elite-Model-Look, den wir in 15 Ländern veranstaltet haben, in Slowenien teilgenommen. Sie hat nicht gewonnen, aber später für die Lauda Air eine Kampagne geshootet. Niki Lauda war zufrieden.

Wozu gibt’s heute überhaupt noch Miss-Wahlen?

Ich hatte einmal eine angeregte Diskussion mit dem Soziologen Roland Girtler. Es gibt eine gesellschaftliche Wichtigkeit von Schönheit. Darstellungen von Frauen gab es immer schon. Die Sehnsucht nach Schönheit und deren Bewertung ist ein archaisches Verlangen.

Wie beurteilen Sie die Debatte über die missglückte Wahl der Miss-Vienna?

Das Problem ist, dass die Möglichkeit zu intervenieren groß ist und es keine Kontrolle gibt. Es gibt keinerlei Vorgaben, was eine gute „Miss“ können muss, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Es wird mit der Abhängigkeit der jungen Mädchen Schindluder getrieben. Die Szene in Österreich ist nicht professionell genug.

Bei der Wahl zur Miss Vienna sitzen Promis, Medienpartner und Sponsoren in der Jury. Was halten Sie davon?

Man sollte nicht jene einladen, die zwei Mal im Blitzlichtgewitter waren, sondern Profis. Make-up-Artists zum Beispiel, Friseure, Modeschöpfer.

Sie waren vor einigen Jahren als Zuschauer bei einer Miss-Vienna-Wahl und sind in der Pause gegangen. Warum?

Die präpotenten Jury-Mitglieder plauderten, während die Kandidatinnen barfuß anstatt in Stöckelschuhen über den Laufsteg laufen mussten, weil ein Teppichhändler diesen mit Teppichen auslegen ließ.

Was raten Sie für die künftige Ausrichtung von Miss-Wahlen in Österreich?

Man muss das ganz neu aufsetzen, damit Chancengleichheit gegeben ist. Allein der Titel – was ist das überhaupt, eine Miss? Die Abwertung der Mädchen erfolgt also schon beim Titel. Warum nennt man das nicht einfach Schönheitswettbewerb?