Chronik | Wien
24.10.2018

Ludwig: Qualität soll bei Inseratenvergabe Rolle spielen

Die Anzahl der Mitarbeiter eines Mediums ist für den Bürgermeister ein mögliches Kriterium.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ hat am Mittwoch im Gemeinderat seine Pläne zur Neuregelung der städtischen Inseratenvergabe präzisiert: Man müsse mehr die jeweiligen Zielgruppen beachten, sagte er in der Fragestunde des Gemeinderats.

Der Hintergrund: Ludwig hatte kürzlich angekündigt, die Medienpolitik der Stadt auf neue Beine zu stellen. Mit ein Anlass war der Vergleich zwischen den Wiener Linien und der Mediengruppe Österreich nach einem  jahrelangen Streit um die Aufstellung von Entnahmeboxen im Bereich der U-Bahn-Stationen. Wie berichtet, hatte sich Österreich dabei gegenüber dem Konkurrenten Heute benachteiligt gefühlt. Nach Bekanntwerden des Vergleichs hatten die  Kronen Zeitung und Heute Ludwig vorgeworfen, zugunsten von Österreich interveniert zu haben. Auch von finanziellen Zugeständnissen in Millionenhöhe war die Rede.

Künftig soll verstärkt die journalistische Qualität bei der Vergabe von Inseraten eine Rolle spielen. Die Frage sei etwa, wie journalistische Qualität zu bewerten sei, so Ludwig am Mittwoch. Dies möchte er als Politiker nicht inhaltlich tun, um sich nicht dem Verdacht der Zensur auszusetzen, beteuerte er. Möglich sei etwa, zu berücksichtigen, wie viele Mitarbeiter ein Medium habe.

Ludwig kann sich laut eigenen Angaben auch vorstellen, auf die Expertise des Presserats zurückzugreifen. Verurteilungen durch den Presserat als Kriterium heranzuziehen, lehnte er aber ab: „Ich möchte davon Abstand nehmen, dass einzelne Organisationen darüber bestimmen, wie Inserate vergeben werden.“ Er würde es etwa bedauern, wenn der „Falter“ keine Inserate mehr erhalte, nur weil dieser einmal wegen eines Titelbildes vom Presserat gerügt worden sei.

Wien will sich laut Ludwig aber etwa den Wahrheitsgehalt von Meldungen ansehen. Konsequenzen könnte es für Medien geben, deren Inhalte „offenbar keinen realen Hintergrund haben“. Die Gefahr, das dies geschehe, bestehe etwa bei manchen Online-Medien.

Dass das Inseratenvolumen der Stadt verhältnismäßig groß sei, verteidigte Ludwig jedenfalls. Denn Wien sei Stadt, Land und Gemeinde gleichzeitig. Und er versicherte: „Es gibt keine andere Stadt, die annähernd ein so breites Leistungsangebot hat.“ Mit der Informationspolitik wolle man Medien- und Meinungsvielfalt erhalten. Künftig soll jedoch, so ließ Ludwig durchblicken, der Informationscharakter von Inseraten mehr im Vordergrund stehen - und nicht etwaige Imagekampagnen.