Tante Liesl bittet im Wiener Wirtshaus zu Tisch: Es gibt Maultaschen

Die Wiener Wirtshauskultur trifft auf ein schwäbisches Original. Der Gasthausname ist von der Monarchie inspiriert.
Liljan Credico und  Günter Gruber vor der überlebensgroßen Sisi im Gasthaus "Tante Liesl".

Von Achim Schneyder

Was haben das Sigmund-Freud-Museum, das Schauspielhaus, die Strudlhofstiege, das Palais Liechtenstein und die Barockkirche Maria Verkündigung gemeinsam? Genau, sie alle sind im Servitenviertel beheimatet, jenem charmanten Wiener Grätzl, in dem auch die Gastroszene eine recht lebendige ist. Speziell in der Servitengasse und rund um diese erfreulicherweise verkehrsberuhigte Zone.

Im Haus Servitengasse 7 beispielsweise, also direkt neben der Kirche und dem Platz, auf dem jeden Donnerstag ein kleiner, feiner Lebensmittelmarkt seine Standln aufschlägt, ist im Februar 2025 die „Tante Liesl“ eingezogen, nachdem Spitzenkoch Harald Brunner aus seinem Ende 2023 eröffneten „Harald Brunner im Servitenviertel“ bereits nach gut einem Jahr aus gesundheitlichen Gründen und schweren Herzens wieder ausgezogen war.

 „Das Lokal hatte schon vor Brunners Ära zahlreiche Namen“, sagt Liljan Credico, der – gemeinsam mit zwei Partnern – heutige Betreiber. „Einst hieß es Schober, dann Servitenstüberl, dann Eisenbock, und vor Brunner hat’s schließlich auch noch Servitenwirt geheißen.“

Nun ist’s also als „Tante Liesl“ bekannt. Und beliebt. „Wir hätten es eigentlich gern schlicht und einfach wieder ,Servitenwirt’ genannt, aber das war aus rechtlichen Gründen nicht erlaubt“, erzählt der 1981 in der Nähe von Stuttgart geborene Koch aus dem Schwabenland. „Irgendwann und sehr spontan ist uns dann ,Tante Liesl’ eingefallen. Das bezieht sich auf die nahe Roßauer Lände, die zu Zeiten der Monarchie ,Elisabethpromenade’ geheißen hat, und auf das Gefängnis, das sich seither dort befindet, und das im Volksmund von Anfang an als ,das Liesl’ bekannt war.“

Das Lokal "Tante Liesl" von außen mit der Servitenkirche  im Hintergrund.

Auf gute Nachbarschaft: Kirche und Wirtshaus.

Elisabeth, Sisi oder Liesl – wie immer man die Monarchin nun nennen mag, das überlebensgroße kaiserliche Wandbild im Wirtshaus hat ein ehemaliger Studienkollege von Liljan Credicos Frau „in einer Nacht- und Nebelaktion hingepinselt, nachdem wir uns endgültig auf ,Tante Liesl’ geeinigt hatten“, erzählt der Wirt.

Schwäbischer Dauergast

Ein Wirt, der seit gut 25 Jahren in Wien lebt, nachdem er seine heutige Frau in München kennengelernt hatte, die damals aber quasi schon auf dem Sprung nach Wien war, um hier an der Universität für Angewandte Kunst zu studieren. „Komm doch mit“, soll sie gesagt haben. „Und da bin ich, warum auch nicht, einfach mitgekommen“, sagt Liljan.

Recht bald landete der damals noch sehr junge Mann in der Küche der „Gastwirtschaft Huth“ in der Schellinggasse, und als Robert und Gabriele Huth ihr gastronomisches Imperium mehr und mehr auszubauen begannen, war der schwäbische Koch immer wieder und in diversen Positionen mit von der Partie. „Als Koch hab ich im ,da Moriz’, dem Italiener der Huths, erstmals in Wien klassische Maultaschen, eine Spezialität aus meiner früheren Heimat, als ,involtini di vitello’ ins Programm genommen. Und zwar original schwäbisch zubereitet …“

Und diese Maultaschen gibt’s auch in der „Tante Liesl“. Seit dem ersten Tag. „Sie sind ein Renner“, sagt Liljan, der – von den Maultaschen abgesehen – fast ausnahmslos auf Wiener Wirtshausküche setzt.

Die Maultaschen sind eine Spezialität des Hauses.

Die Maultaschen haben sich von Beginn an durchgesetzt.

Fast deshalb, denn Kärntner Kasnudeln und steirischer Backhendlsalat stehen ebenfalls auf der Karte. „Wirtshausküche kann ich“, sagt der Chef, der aber nur in Ausnahmefällen in der Küche anzutreffen ist und sich hauptsächlich um Schank und Service kümmert. Aber glücklicherweise hat auch Küchenchef Günter Gruber, der ebenfalls seit dem ersten Tag Teil des Teams ist, als einstiger Koch beim Plachutta und beim Pöschl Herrlichkeiten wie Rindsrouladen, Kalbbeuschel, Tafelspitz oder Zwiebelrostbraten im kleinen Finger.

All das schmeckt natürlich gleich noch einmal ein bisserl besser, wenn das Wetter mitspielt. Der Gastgarten direkt neben der Kirche am Rande des Platzes zählt jedenfalls zu den stimmungsvollsten und schönsten innerhalb des Gürtels.

Und da sitzen wir nun bei einem Bier, und der Chef zieht zufrieden Resümee. „Als wir aufg’sperrt haben, haben wir g’sagt, dass wir die Siebentage-Woche riskieren. Und wenn’s nicht klappt, können wir immer noch am Montag einen Ruhetag einlegen. Aber: Es hat geklappt, also haben wir auch nach gut einem Jahr noch immer keinen Ruhetag. Und außerdem durchgehend warme Küche.“ 

Wiederauferstehung

Und weil er, wenn er so vor sich hin plaudert, ungemein einheimisch klingt, frage ich Liljan, wo ihm denn der Schwabe abhandengekommen ist – rein phonetisch betrachtet. „Na ja“, sagt er, „25 Jahre Wien hinterlassen Spuren und färben auf den Dialekt ab. Aber wehe, ich trinke nicht nur dieses eine, sondern ein paar Biere mehr, dann feiert er Wiederauferstehung, dr Schwob …“

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