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Chronik Wien
06/28/2019

Leistungsschau des Heeres findet doch statt – aber "merkbar kleiner"

Die Minister wollen jedoch die Budgetsituation und die möglichen Handlungsfelder analysieren.

von Christoph Schwarz

Der Verteidigungsminister wollte die Heeresschau am Nationalfeiertag eigentlich absagen.  Jetzt kam die Wende.  Das österreichische Bundesheer wird sich auch dieses Jahr am Nationalfeiertag auf dem Heldenplatz präsentieren. Darauf einigten sich am Freitagabend bei einem Treffen Verteidigungsminister Thomas Starlinger und Finanzminister Eduard Müller.

Erst zwei Tage zuvor hatte Starlinger noch angekündigt, die Heeresschau aus budgetären Gründen abzusagen. Das Heer könne damit rund zwei Millionen Euro einsparen, hieß es. Es war dies nicht der erste Anlauf des Ministers, auf die schlechte finanzielle Lage des Bundesheeres hinzuweisen: Seit Amtsantritt machte Starlinger mehrfach mit durchaus öffentlichkeitswirksamen Spardrohungen von sich Reden.

Bei dem Treffen mit dem Finanzminister einigte man sich nun zwar darauf, die Leistungsschau abzuhalten. Wie begeistert die traditionell zahlreichen Besucher sein werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Keine Panzer?

Denn: Die Leistungsschau, mit der sich das Heer üblicherweise von seiner besten Seite zeigt, soll dieses Mal „in reduzierter und abgeschlankter  Form“ stattfinden. Das sagt Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, im Gespräch mit dem KURIER. Die Leistungsschau werde jedenfalls „merkbar kleiner“. Noch sei nicht klar, welches militärische Gerät überhaupt auf dem Heldenplatz ausgestellt werden könne. Gut möglich also, dass es so manchen Panzer oder Black-Hawk-Helikopter dieses Jahr gar nicht zu sehen gibt.

Die Entscheidung, wie groß und teuer die Leistungsschau diesmal werden darf, solle in Kürze fallen, sagte Bauer zum KURIER. Verteidigungs- und Finanzminister hatten zuvor bei ihrem Treffen „die laufenden Kosten sowie außerordentliche Investitionen und Projekte des Verteidigungsressorts besprochen“, hieß es in einer Aussendung. Man habe sich darauf geeinigt, die „aktuelle Budgetsituation und die möglichen Handlungsfelder zu analysieren“.

Starlinger zeigt sich seit Amtsantritt als  ein Freund deutlicher Worte: „Die Vorratskammer ist leer“, meinte er etwa mit Blick auf das Budget. Alles, was „nicht direkt der Ausbildung der Soldaten und somit der Sicherheit der Bevölkerung“ diene, müsse eingespart werden. Das Heer brauche drei Milliarden Euro zusätzlich.

 

Beliebt bei Militärs

Wirklich wahr gemacht hat Starlinger noch keine seiner Ankündigungen. So nahm er etwa das Aus der geplanten Sicherheitsschule in Wiener Neustadt nach politischem Druck zurück.

Bei vielen Heeresangehörigen macht sich Starlinger, der  selbst Soldat ist, mit seinem Kurs dennoch beliebt: Hochrangige Militärs kritisieren seit Langem, dass die schillernden öffentlichen Auftritte des Heers nicht im Einklang mit der tatsächlichen finanzielle Lage stünden. Hinter (mehr oder weniger) vorgehaltener Hand kritisierten Offiziere   zuletzt die teure Flugshow „Airpower“ in Zeltweg. Auch ihre Durchführung wackelte dieses Jahr. Auch sie wird – wie nun die Leistungsschau – stattfinden.