20-Jähriger in ausgeborgtem Lamborghini überfallen: Prozess in Wien

Täter hielten Opfer aufgrund der Nobelkarosse irrtümlich für vermögend. Teilbedingte Haftstrafen rechtskräftig.
Polizistin vor Polizeiauto mit Blaulicht.

Am 14. Dezember 2025 ist ein 20-Jähriger in Wien-Leopoldstadt in einem schwarzen Lamborghini überfallen worden. Der junge Mann hatte den Sportwagen vor einer Disco geparkt und wartete auf einen Freund, den er abholen wollte.

"Aufgrund des hochpreisigen Autos haben sich die Täter gedacht, der hat bestimmt Geld", führte die Staatsanwältin am Montag am Landesgericht aus, wo die beiden Männer im Alter von 22 und 23 Jahren teilbedingte Haftstrafen ausfassten.

Die Annahme der Angeklagten stellte sich als falsch heraus. Der 20-Jährige hatte sich die Nobelkarosse von einem Bekannten ausgeborgt, der sie wiederum nur angemietet hatte. Als die Angeklagten die Autotüren aufrissen, auf ihr Opfer einschlugen und Geld forderten, habe er ihnen nichts geben können, schilderte der deutlich jünger aussehende 20-Jährige einem Schöffensenat: "Weil ich hatte kein Bargeld."

"Wusste nicht, wo der Knopf ist"

Er habe im Übrigen das Unheil kommen sehen, als die beiden Männer auf den Lamborghini zustürmten. Er habe das Auto absperren wollen: "Aber ich wusste nicht, wo was zu drücken ist."

"Er war mit dem Fahrzeug nicht vertraut", präzisierte die Staatsanwältin, "er hat leider die Zentralverriegelung nicht gefunden. Er wusste nicht, wo der Knopf ist."

Opfer erlitt Jochbeinbruch

"Der eine hat mich am Hals gepackt, der andere hat zugeschlagen. Es waren schon viele Schläge", berichtete das Opfer. Er erlitt einen Jochbeinbruch, eine Verletzung an der Nase und Prellungen und Hämatome am ganzen Körper. Zum Motiv verwies die Staatsanwältin auf die Beschäftigungslosigkeit der beiden Angeklagten. Sie hätten sich in einer "tristen finanziellen Situation" befunden.

Die zwei bekannten sich zum versuchten Raub schuldig, erklärten jedoch, es sei nicht primär um Geld gegangen. "Er hat genervt", stellte der 23-Jährige fest, ohne näher erklären zu können, womit das Opfer ihn aus dem Ruder habe laufen lassen.

"Gin, Wodka, Gras"

"Es war der Alkohol", vermutete er. Er habe "Gin, Wodka, Whiskey" intus gehabt, darüber hinaus "Gras und Tabletten". Man sei nicht auf Gewalt aus gewesen, versicherte er: "Wir wollten einen schönen Abend haben und Spaß haben. Der Abend lief schief." Zu seinen Zukunftsplänen befragt, sagte der 23-Jährige: "Ich möchte eine Lehre als Installateur beginnen." "Was hat Sie bisher daran gehindert?", wollte der vorsitzende Richter wissen. "Dummheit", lautete die Antwort.

"Wir hatten uns vorgenommen, meinen Schulabschluss zu feiern", gab anschließend der jüngere Angeklagte zu Protokoll. Der 22-Jährige hatte eine mehrjährige Ausbildung zum Sporttrainer absolviert. Man habe die Disco aufsuchen wollen: "Wenn wir in einen Club reingehen, muss ein Rausch sein." So seien die 2,6 Promille zu erklären, die später in einem Alkotest nachgewiesen wurden. Den Raubversuch bezeichnete der von Verteidiger Norman Hofstätter vertretene 22-Jährige als "schwachsinniges Verhalten". Er habe dem Opfer "ein paar Schläge rübergehauen", wofür er sich heute "zutiefst schäme".

Urteile rechtskräftig

Am Ende wurde der bisher Unbescholtene zu 21 Monaten Haft, davon sieben Monate unbedingt verurteilt. Der 23-Jährige, der eine Vorstrafe aufweist, erhielt zwei Jahre, davon acht Monate unbedingt. Die Urteile sind bereits rechtskräftig.

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