Chronik | Wien
20.04.2018

Atib: Moschee-Baumeister war auch Kindergarten-Obmann

Im Atib-Gebäude sollten bis zu 78 Kinder betreut werden, Stadt zog aber bald die Reißleine. Kindergarten ging ohne Förderungen pleite

Im Moschee-Gebäude in der Wiener Dammstraße ist auch der „Multikulturelle Kindergartenverein Wunderland“ angesiedelt. Der Obmann war als Baumeister offenbar in die Errichtung der Moschee involviert. Seine Ehefrau fungiert als Kassierin, seine beiden Söhne haben ebenfalls Vereinsfunktionen. Doch der Kindergarten ging vor fünf Monaten pleite.

„Wunderland“ pleite

Aber der Reihe nach. Mitte November 2015 wurde der Kindergartenverein „Wunderland“ gegründet, erst ein Jahr später nahm er den Betrieb im Moschee-Gebäude auf. Zuvor sollen rund 150.000 Euro in den Kindergarten investiert worden sein. Die monatlichen Betriebskosten werden mit 16.000 Euro beziffert, der Vermieter Atib verlangt monatlich 3000 Euro Mietzins.

Bis zu sieben Mitarbeiter soll das „Wunderland“ beschäftigt haben. Es gab zwei Kinder-Gruppen, für die jeweils bis zu 39 Plätze zur Verfügung gestanden haben sollen. Dem Vernehmen nach sollen die Eltern je nach Alter der Kinder 110 bis 145 Euro Beitrag pro Monat bezahlt haben.

„Darüber hinaus war der Betrieb auf Fördermittel angewiesen“, heißt es in den Insolvenzunterlagen. „Die kalkulierten Einnahmen waren auf eine Mindestbelegung mit 37 Kindern ausgelegt.“ Doch diese Kalkulation war zu ehrgeizig angesetzt. Tatsächlich sollen nur 24 Kinder, zuletzt nur noch 22 Kinder betreut worden sein.

„Da die wirtschaftlich erforderliche Mindestbelegung niemals erreicht wurde, war es erforderlich, dass die Familie des Obmanns laufend Geld zugeschossen hat“, heißt es weiter.

Keine Förderung mehr

Acht Monate lang erhielt der Verein Fördergelder der Stadt Wien, Mitte Juli 2017 stellte die Magistratsabteilung 10 dann alle Förderungen ein und löste eine entsprechende Fördervereinbarung auf.

Laut dem Büro von Integrationsstadtrat Jürgen Czernohorszky soll die Buchhaltung des Vereins nicht transparent gewesen sein, Belege und Fahrtenbücher sollen mangelhaft gewesen sein.

„Abrechnungen haben nicht gepasst, die die Kinderbetreuung betroffen haben“, erklärt eine Sprecherin von Czernohorszky.

Fakt ist, dass der Kindergartenverein nach Zustellung der Auflösungserklärung durch die MA 10 die Zahlungen und den Betrieb einstellte. Beim Vermieter Atib sollen der Verein mit 10.000 Euro in der Kreide stehen. Der Masseverwalter hat den Mietvertrag mittlerweile gekündigt. Indes konnte der Vereinsobmann bis Redaktionsschluss nicht erreicht werden. Die Telefonnummer auf seiner Firmenhomepage ist offenbar außer Betrieb.