Chronik | Wien
19.11.2018

KAV-Spitäler als Goldgrube für externe Berater

Auch das umstrittene Einspar-Programm „Sound“ wird weiterhin großzügig finanziert.

Um die Finanzen des Wiener Krankenanstaltenverbunds ( KAV) ist es bekanntlich nicht allzu rosig bestellt: Der Kostenanstieg beim Krankenhaus Nord reißt ein enormes Loch in das Budget, wichtige Bauprojekte in anderen Spitälern werden stetig verschoben, immer wieder müssen Abteilungen wegen Personalmangels gesperrt werden.

Reichlich Geld ist aber weiterhin für die Beauftragung externer Berater vorhanden. Allein im Vorjahr wurden dafür 6,7 Millionen Euro ausgegeben, für die ersten beiden Monate 2018 293.687 Euro. Das geht aus der Beantwortung einer FPÖ-Anfrage durch Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hervor.

Welche Firmen von diesen Geldern profitierten, bleibt darin allerdings im Dunklen. Hacker beruft sich auf die „Vertraulichkeit von Geschäftsbeziehungen“ und die mögliche Beeinträchtigung wettbewerbsrelevanter Vertragsverhältnisse.

„Es handelt sich zu hundert Prozent um Steuergeld, das hier ausgegeben wird“, sagt FPÖ-Gesundheitssprecher Wolfgang Seidl. „Die Steuerzahler haben ein Recht zu wissen, wer wie viel an externer Expertise für den KAV erhält. Hacker ist dringend aufgefordert, hier Transparenz herzustellen.“

Beauftragte Firmen

Kurioserweise war für seine Vorgängerin Sandra Frauenberger die Vertraulichkeit der Geschäftsbeziehungen kein Problem. Penibel listete sie in einer Anfragebeantwortung für das Jahr 2016 und das erste Quartal 2017 die einzelnen Auftragnehmer auf. Demnach floss der Löwenanteil der Ausgaben (5,8 Millionen Euro) an die Beraterfirma Accenture für ihren Beitrag zum KAV-Kostenoptimierungsprogramm „Sound“.

3,4 Millionen Euro gingen damals an KPMG, für deren Deutschland-Filiale aktuell Ex-KAV-Direktor Udo Janßen tätig ist, wie dessen LinkedIn-Profil verrät. Aktuell ist KPMG laut KURIER-Informationen vor allem mit der Überführung des KAV in eine Anstalt öffentlichen Rechts beschäftigt. 1,6 Millionen Euro bekam Ebner Hohenauer.

Insgesamt gab der KAV für den damaligen Zeitraum 13,4 Millionen Euro für Beraterleistungen aus.

Die FPÖ will nun nachhaken und mit einer Serie von Anfragen doch noch in Erfahrung bringen, welche Firmen aktuell als Berater für den KAV tätig sind. Im Büro Hacker beharrt man aber darauf, die Namen nicht zu veröffentlichen: „Der Stadtrat orientiert sich nicht daran, wie dies vor einem Jahr gehandhabt wurde, sondern daran, was in solchen Fällen üblich ist“, sagt ein Sprecher.

Laut KURIER-Infos dürfte weiterhin Accenture gute Geschäfte mit dem KAV und dessen Projekt „Sound“ machen. Demnach erhält die Beraterfirma für diverse Teilprojekte zwischen Februar 2018 und Dezember 2019 rund 10,3 Millionen Euro.

Und das, obwohl der Stadtrechnungshof zuletzt Kosten und Nutzen von „Sound“ massiv kritisiert hatte: Statt der erwarteten 150 bis 170 Millionen Euro konnten zwischen 2012 und 2016 nur knapp 30 Millionen Euro eingespart werden. Gleichzeitig explodierten die Beraterkosten von 11,6 Millionen Euro auf 29,4 Millionen Euro.

„Der Stadtrechnungshof hat zwar ‚Sound‘ kritisiert, aber nicht seine Einstellung gefordert“, sagt der Hacker-Sprecher. Deshalb werde das Projekt auch für 2018/19 weiter finanziert. Es werde deutlich mehr Einsparungen bringen, als es koste.