Inklusive Bühne: Wenn Kunst Barrieren abbaut
Mit geschlossenen Augen steht Danijel Marinkovic auf der Bühne, in den Händen ein Mikrofon. Dann setzt er für die erste Zeile der Ballade „Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe an. Marinkovic, sein Künstlername „Herr Mozart“, singt schon seit klein auf – die Bühne sei für ihn sein zu Hause.
„Ich singe eigentlich schon mein ganzes Leben lang“, sagt er nach seinem Auftritt bei der „Inklusiven Bühne“ zum KURIER. Viel proben musste er für diesen Auftritt nicht. Beim letzten Mal dirigierte er noch, heuer singt er. Und nächstes Jahr? „Vielleicht spiele ich dann Klavier.“
Zwölf Performances
Am Dienstag fand die „Inklusive Bühne“ des Fonds Soziales Wien (FSW) in den Räumlichkeiten des Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) in der Leopoldstadt bereits zum dritten Mal statt. Menschen mit und ohne Behinderung treten mit selbst überlegten künstlerischen Darbietungen auf – von Gesang über Theater bis Tanz ist alles mit dabei. „In der Kunst geht es um den Ausdruck. Menschen mit Behinderung sollen sich künstlerisch frei entfalten und ihre Perspektiven sichtbar machen können“, sagt Anita Bauer, FSW-Geschäftsführerin.
Zwölf Acts stehen heuer auf dem Programm. Fünf bis sieben Minuten dauert jeder Auftritt. Das diesjährige Motto: Zwölf Punkte an die Inklusion – angelehnt an den Eurovision Song Contest, der vor über einer Woche in Wien stattgefunden hat.
Die Idee zur Veranstaltung entstand an der Wiener Schule für Sozialberufe des FSW-Bildungszentrums. Aus einem anfänglichen Schulprojekt wurde die Inklusive Bühne, erklärt Hans Lobitzer, Direktor der Wiener Schule für Sozialberufe. „Es ist wichtig, über Inklusion zu reden, aber es ist etwas anderes, sie auch umzusetzen.“
Lobitzer ist vor allem stolz, auch Schüler in das Programm mit einzubeziehen. Angehende Fach-Sozialbetreuer für Behindertenarbeit koordinieren das Event als Teil ihrer zweijährigen Ausbildung. „Unsere Auszubildenden sind glücklich, dass sie mitmachen und so viel Praxiserfahrung sammeln können“, sagt Lobitzer. Unterstützt wird die Veranstaltung unter anderem vom „Chancen Nutzen“-Büro des ÖGB und von der FSW-Partnerorganisation Jugend am Werk.
Tanzen für Sichtbarkeit
Als die Special Dance Crew, eine Tanzgruppe von Jugend am Werk, auftreten, jubelt das Publikum lautstark. Zu Liedern wie „Tattoo“ von Loreen tanzen sie mit im Beat. „Es macht sehr viel Spaß gemeinsam zu tanzen“, sagt Christina aus der Gruppe. Seit 2012 gibt es die Crew, mittlerweile tanzen sie auch auf internationalen Bühnen. Der heutige Auftritt bedeutet ihnen aber sehr viel: „ Wir wollen ein Zeichen für Inklusion setzen“, sagt Branislav Zdravkovic, Leiter der Gruppe.
Auch die Tanzgruppe möchte nächstes Jahr wieder dabei sein. Dafür ist sogar angedacht, die Veranstaltung noch offener anzulegen, damit mehr Menschen dabei sein können.
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