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Chronik | Wien
03/11/2019

Gutachten aus Gefälligkeit: „Bin überhaupt nicht schuldig“

Prozess: Renommierter Psychiater wegen schweren Betrugs angeklagt. Urteil wird am Freitag erwartet.

Prozess. Der renommierte Psychiater erbittet sich, ausholen zu dürfen. Er will dem Richter im Landesgericht Wien im Detail darlegen, was er alles im Lauf der Zeit geleistet hat. Und so erzählt er, dass er aus einer Mediziner-Familie stammt und bereits 12.000 Patienten persönlich diagnostiziert hat. „Jeden einzelnen“, betont er. Und er bekennt sich „überhaupt nicht schuldig“.

Der Mediziner aus Wien soll, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Gefälligkeitsgutachten erstellt haben. Er soll acht Personen schwere psychische Krankheiten bestätigt haben – die sie angeblich gar nicht hatten. Damit hatten die Betroffenen allerdings Anspruch auf Invaliditätspension. Der Schaden soll sich auf 813.000 Euro belaufen.

Doch der Angeklagte war nicht der einzige Mediziner, der die angeblichen Simulanten begutachtete. Auch Ärzte der Pensionsversicherungsanstalt stuften sie als arbeitsunfähig ein. „Zehn Jahre später wurden sie von einem Sachverständigen untersucht, der meint, dass sie doch nicht so krank sind. Das sagt nach so langer Zeit gar nichts aus, das kann sich im Lauf der Jahre alles geändert haben“, führt Rechtsanwalt Georg Zanger ins Treffen.

Tipp vom Wamser

„Die Angeklagten haben ihr Leben lang brav gearbeitet bis es gesundheitlich schwierig wurde“, betont Anwalt Christian Werner, der ein angeblich begünstigtes Ehepaar vertritt. Und Berufskollege Philipp Wolm formuliert salopp: „Zwei Ärzte, drei Meinungen.“ Zudem hegt er Zweifel an der Quelle der Vorwürfe – sie stammen von einer Vertrauensperson der Polizei. Oder einem „Wamser“, wie Wolm es ausdrückt. „Der bekommt Geld oder Hilfe bei den Behörden für Tipps.“ Fortsetzung am Mittwoch.