© Sarah Bruckner/ PensionistInnenklubs für die Stadt Wien

Chronik Wien
10/18/2019

Goldstücke: Senioren zogen sich für „Golden Age“-Kalender aus

Das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser will mit dem Projekt zeigen, dass Schönheit kein Ablaufdatum hat.

von Stefanie Rachbauer

Die Wiener Polizei  hat einen. Die Feuerwehr ebenfalls. Und jetzt auch die Wiener Pensionistenklubs: einen Fotokalender, in dem Personen aus den eigenen Reihen abgelichtet sind.  Im Fall der Senioren in einem besonders unerwarteten Aufzug: fast nackt.

Die zwölf Models – alle mindestens 60 Jahre alt – tragen hauptsächlich Farbe und wenige Accessoires. Maria Payer, Gesicht des Aprils, etwa Rottöne und Gelb, durchzogen von schwarzen Linien – vom Hals bis zur Brust. Dazu: silber Glitzer und goldene Steinchen.

„Am Anfang habe ich mir noch was vorgehalten. Aber dann ging es auf einmal ‚Flup‘ und ich war oben ohne“, erzählt die 76-Jährige vom Shooting. „Was soll ich denn verbergen?“

Sich nicht zu verstecken und zu zeigen, dass Schönheit an kein bestimmtes Alter gebunden ist: Das ist das Ziel des KalendersGolden Age“. Die Idee stammt von zwei jungen Frauen: der Fotografin Sarah Bruckner und der Maskenbildnerin Denise Goban.

Beide arbeiten auch für das Kuratorium Wiener Pensionistenwohnhäuser, das 30 Wohnhäuser für Senioren und 150 Pensionistenklubs betreibt. „Mir war ein bisschen fad.  Ich wollte einfach mal etwas Neues machen“, sagt Bruckner.

Gemeinsam mit Goban kam sie schließlich auf den Kalender: „Sonst sind nur junge, dünne und glatte Models zu sehen. Wir wollen ein Gegenpol sein.“

Keine Hemmungen

Für Bernhard Supper, der sich für das März-Kalenderblatt fotografieren ließ, war es bereits der zweite Model-Job. „Ich habe schon einmal bei einem Kalender mitgemacht – bei einem erotischen. Aber da war ich zehn Jahre jünger.“

Sich vor der Kamera auszuziehen, war dennoch kein Problem für den 62-Jährigen: „Ich habe mich wohl gefühlt.“

Wie viel sie zeigen wollen, konnten die Models selbst bestimmen. „Wir haben gefragt, was sie sich trauen“, sagt Fotografin Bruckner.  Der größte Unterschied zu ihren sonstigen Arbeiten lag in der Nachbearbeitung: keine der Aufnahmen wurde retuschiert.

Stylistin Goban musste darauf achten, nicht zu viel Make-up aufzutragen: „Ich wollte ja nicht, dass die Falten verschwinden.“

Zwischen Monroe und Dean

Um Suppers gesamten Rücken mit rosa Kirschblüten zu verzieren, hat sie drei Stunden gebraucht. Doch die Lebensdauer der Bemalung war nur kurz: „Nach einer Minute duschen war leider alles weg“, sagt Supper

In seiner Wohnung muss er erst einen passenden  Platz für den Kalender finden. „Wahrscheinlich kommt er ins Wohnzimmer, zwischen Marylin Monroe und James Dean.“

Adi Krammer hatte länger mit seiner Bemalung zu kämpfen: Goban hat seinen Oberkörper und seine Arme über und über mit Goldplättchen beklebt. „Die hab ich fast nicht mehr herunter gebracht.“

Für seinen Körper geniere er sich nicht, sagt der 80-Jährige, der gelegentlich mit dem Rad in die Schweiz fährt: „Ich zeige, was ich habe, nur das Untere nicht.“ Fotografieren lassen würde er sich jederzeit wieder.

Gelegenheit dazu wird er haben. Für 2021 plant Bruckner wieder einen Kalender. Zu welchem Thema,  verrät sie noch nicht. Einen Interessenten gebe es schon – und zwar einen prominenten: Operettensänger Harald Serafin.

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