Christina Nitsch-Fitz führt das Kino ihrer 82-jährigen Tante in neue Zeiten,

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
09/12/2020

Generationswechsel bei den Breitenseer Lichtspielen

Die neue Betreiberin Christina Nitsch-Fitz renoviert das Kino ihrer 82-jährigen Tante. Seit Donnerstag ist wieder offen.

von Bernhard Ichner

Wenn es in Zeiten von Corona und Mindestabständen einen sicheren Ort gibt, dann ein auf Stumm- und Arthouse-Filme spezialisiertes Vorstadtkino.

Möchte man meinen.

Die Breitenseer Lichtspiele – das älteste Kino Wiens – beweisen, dass alteingesessene Programmkinos nicht menschenleer sein müssen. Am Donnerstag feierten Betreiberin Christina Nitsch-Fitz und ihr ehrenamtliches Team die Wiedereröffnung nach dem Lockdown. Und das vor vollem Haus.

Ort der Begegnung

Na gut, vor halb vollem, um genau zu sein. Wegen Corona musste die Hälfte der 168 seit Beginn des 20. Jahrhunderts erhaltenen Holzstühle leer bleiben.

Der Film, der zur Wiedereröffnung des 1909 in der Breitenseer Straße 21 eröffneten Kinos gezeigt wurde, hatte Symbolcharakter: „Ein Anfang von etwas“, in dem Christoph Waltz vor seiner Hollywood-Karriere einen Filmvorführer spielte und der Anfang der 1990er-Jahre hier gedreht wurde.

„Einerseits ein Blick in die Vergangenheit“, sagt Nitsch-Fitz, die das Flair und die Identität des alten Programmkinos erhalten will. Andererseits möchte sie den Betrieb, der seit 1969 ihrer Tante Anna Nitsch-Fitz gehört, „in dieses Jahrzehnt heben“.

Dafür hat sich die hauptberufliche Kindergartenpädagogin extra ein Jahr Bildungskarenz genommen. Die 82-jährige Eigentümerin zieht sich immer mehr aus dem Tagesgeschäft zurück.

Ein Anfang von etwas ist daher auch die sukzessive Renovierung der Breitenseer Lichtspiele. Mit finanzieller Unterstützung des 14. Bezirks nahm man zuerst das Foyer in Angriff, das sich als „Ort der Begegnung“ etablieren soll, wie Nitsch-Fitz erklärt. „In der näheren Umgebung gibt es wenig Gastronomie. Hier können sich die Zuschauer vor und nach der Vorstellung treffen. Das ist ein positives Signal in Zeiten wie diesen.“

2021 sollen dann die antiquarische Saalbestuhlung und die analogen Filmprojektoren renoviert werden. Finanziert werden könnte das mittels Crowdfunding.

„Ich glaube an das Kino“, sagt die junge Betreiberin. Auch wenn es wie andere Programmkinos wenig Einnahmen abwerfe und private Zuschüsse benötige, um offen zu bleiben.

Stummfilme mit Piano

Ab jetzt läuft wieder jeden Abend ein Film. Ein europäischer wahrscheinlich und unter Umständen einer, der in größeren Kinos schon zu sehen war. Zudem halten Nitsch-Fitz und ihr Kompagnon Dieter Mattersdorfer an lieb gewonnen Filmreihen fest. Einmal im Monat wird etwa ein Stummfilm gezeigt – mit Live-Piano-Begleitung und vorgelesenem Text.

Dazu gibt’s „Kultkino“ (Prominente von Erni Mangold bis Voodoo Jürgens zeigen ihre Lieblingsfilme und plaudern mit dem Publikum), ausgewählte österreichische Produktionen, Dokus und Kinderkino.

Nähere Informationen: www.bsl-wien.at.

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