Knapp jeder zweite Passagier reist per Zug zum Flug

Die Anreise mit den Öffis bringt Vorteile für Wirtschaft und Klima. Doch ab Herbst wird es komplizierter. Was Reisende beachten müssen.
Reisende in der S-Bahn-Station Flughafen

In 15 Minuten ist man vom Wiener Hauptbahnhof per Zug am Flughafen. Von Salzburg braucht man zwei Stunden und 50 Minuten und seit vergangenem Dezember kann man von Klagenfurt in drei Stunden und 31 Minuten in Wien-Schwechat sein. Immer mehr Reisende erledigen daher die Anfahrt zu Österreichs größter Flugverkehrsdrehscheibe mit den Öffis.

2025 nutzten mehr als 10,5 Millionen Fahrgäste den Railjet, die S-Bahn, den City-Airport-Train sowie die Vienna-Airport-Busse, um nach Wien-Schwechat zu gelangen. Mit positiven Effekten für Wirtschaft und Klima, wie nun eine Studie des Beratungsunternehmens „Arthur D. Little“ für die ÖBB zeigt. So wurden nämlich unter anderem 29.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Das entspricht in etwa dem Kohlendioxidausstoß einer kleinen Stadt.

Railjet beliebt

„40 Prozent derer, die (in Schwechat, Anm.) ankommen und wegfahren, fahren mit den ÖBB“, berichtet Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ). 2014 hat das noch anders ausgesehen. Damals kamen 6,2 Millionen Reisende öffentlich zum Flughafen. Besonders die Einführung des Railjet in diesem Jahr hat das Angebot für Fluggäste attraktiv gemacht. Bis 2025 konnte die Zahl um 4,3 Millionen Passagiere – das sind 70 Prozent – gesteigert werden. Davon nutzen 3,4 Millionen Passagiere den Railjet.

Für Hanke kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis langer Arbeit, die den Wirtschaftsstandort Österreich stärke. 15,8 Millionen Euro an zusätzlicher Wertschöpfung – davon fünf für die ÖBB und knapp sechs für den Flughafen – können damit generiert werden, betonte er. Wien und sein Umland würden damit für internationale Unternehmen interessant. Schon jetzt sind  23.000 Menschen in 250 Unternehmen der „Airport City“ beschäftigt. Zudem werden rund 5,1 Millionen Euro an externen Kosten etwa beim Klima, bei Luftqualität oder Verkehr eingespart.

Flughäfen unter Druck

Bei den ÖBB spricht man bei der Railjet-Verbindung zum Flughafen sogar von einem „Systemträger“, der den Westen und nun Süden des Landes „mit internationalen Märkten“ verbinde, wie die Vorständin der ÖBB-Personenverkehr AG, Sabine Stock, betonte. 26 bis 27 Verbindungen gebe es pro Tag im Fernverkehr. Die Züge ersetzen innerösterreichische Flugverbindungen, mit der neuen Koralmbahn geraten damit die Flughäfen Graz und Klagenfurt weiter unter Druck.

Zug in der Station Flughafen

47 Prozent der Wienerinnen und Wiener reisen mit den ÖBB zum Flughafen

Aus Salzburg reisen laut Studie bereits 51 Prozent der Fluggäste per Bahn an, aus Oberösterreich sind es ebenfalls rund 40 Prozent. Seit der Railjet-Anbindung verzeichnete der Flughafen zudem rund 311.000 zusätzliche Passagiere aus diesen beiden Bundesländern. Insgesamt wird der Flughafen pro Stunde von acht Zügen angesteuert. Das sind ein Zug alle 7,5 Minuten – die maximale Auslastung, heißt es bei den ÖBB.

Mehr Gäste

Besonders Wien profitiert von der Öffi-Anbindung. Ein 15-Minuten-Takt zwischen Stadt und Flughafen führt dazu, dass laut Studie fast jeder zweite Passagier aus Wien (47 Prozent) – mit den Öffis zum Airport fahren. Und die gute Anbindung bringe zusätzliche Gäste. „Allein 2025 verzeichnete Wien über 20 Millionen Nächtigungen“, sagt Vizebürgermeisterin Barbara Novak (SPÖ).

Doch genau dort wird es ab Herbst komplizierter. Ab 7. September wird die S-Bahn-Stammstrecke für 14 Monate gesperrt.

Busse statt Züge

Während der Fernverkehr zum Hauptbahnhof bleibt, wird die Flughafenschnellbahn S7 bis bzw. ab St. Marx kurzgeführt. Der Rex7 wird in dieser Zeit nicht zum Praterstern fahren, sondern zum Hauptbahnhof umgeleitet. Der City-Airport-Train fällt aus und wird durch einen Bus ersetzt. Dieser, so verspricht man bei den ÖBB, soll fünfmal pro Stunde zwischen Flughafen und Wien-Mitte verkehren. 

Zusätzlich wird es zwei neue Linien der Vienna-Airport-Busse geben, die vom Praterstern und vom Karlsplatz starten. Mit diesen Maßnahmen werde man bei Anzahl und Takt der Öffi-Verbindungen Kontinuität gewährleisten, verspricht Stock.

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