Das bittere Ende einer Fitness-Institution: Das "WorkOut" hat geschlossen

Ein Mann schwimmt in einem hell erleuchteten Innenpool mit Schwimmhilfen am Beckenrand.
Jahrzehntelang war das Fitnessstudio „WorkOut“ Anziehungspunkt für Jung und Alt – am Sonntag schloss es für immer - aus mehreren Gründen.

Von Lukas Leidenfrost

Poolnudeln, Schwimmflügel und eine kleine Rutsche: Kommt man mir dem etwas zu kleinen Aufzug ganz oben, im fünften Stock des Gebäudes an, findet man dort ein beheiztes Schwimmbecken mit Blick über Wien. Die letzten Schwimmkurse waren komplett ausgebucht, alle wollten noch einmal in den Pool hüpfen.

Abschied mit den Stammkunden

Denn mit gestern schloss das Fitnessstudio „WorkOut“ in der Rötzergasse seine Tore, Hernals verlor eine Institution. Der Grund für die Schließung: Der Betreiber, Martin Becker, geht in Pension.

Montagabend, zu Beginn der letzten Trainingswoche, wurde mit Stammkunden angestoßen und über alte Zeiten gelacht. Dabei stand vor allem eine Frage im Raum: Warum konnte kein Nachfolger gefunden werden?

In einem Fitnessstudio hängen Boxsäcke vor einem Spiegel, neben Gymnastikbällen und Trainingsgeräten.

Ein Fitness-Raum mit Boxsäcken, Gymnastikbällen und Trainingsgeräten im "WorkOut"

Interesse gab es wohl, denn vier potenzielle Kandidaten kamen mit Becker ins Gespräch. Sie wären bereit gewesen, das Studio in bestehender Form zu übernehmen. Viermal seien die Kandidaten dem Vermieter des Gebäudes vorgestellt worden, viermal hätten sie dessen Forderungen – eine Befristung für den Mietzeitraum und eigene Investitionen – akzeptiert. Viermal seien die Interessenten dennoch abgelehnt worden.

Schwerer Verlust

Damit war das Schicksal besiegelt: Das „WorkOut“ musste mit 25. Jänner schließen. „Nach knapp 30 Jahren geht eine Ära zu Ende, die so nicht zu Ende gehen sollte“, sagt Becker. Das Studio sei für viele ein wichtiger Treffpunkt gewesen: Zum Trainieren und Plaudern, zum Kalorienverbrennen und zum sozialen Austausch. Das Angebot reichte von Pilates, Krafttraining und Spinning bis hin zu Gymnastik und Schwimmkursen. Die Altersstruktur der Besucherinnen und Besucher war breit gefächert, von Kindergartenkindern bis zu Pensionisten. Die älteste Besucherin feierte vergangenes Jahr ihren neunzigsten Geburtstag.

Eine Gruppe von Leuten posiert in einem Fitnessstudio mit Spinning-Rädern für ein Foto.

Der Trainer Alexander Baumgartl (vm) mit seiner Gruppe bei der letzten Spinning-Session im "WorkOut"

Für viele Stammkundinnen und Stammkunden bedeutet die Schließung des Studios einen emotionalen Verlust. Marianne Brandner, die viele Jahre im „WorkOut“ trainierte, sagt: „Es war familiär, man kannte sich untereinander. Es war wie eine soziale Einrichtung.“ Auch den Mitarbeitern fällt der Abschied schwer. „Hauptsächlich tut es mir leid für die Kinder, die jetzt einen Platz weniger haben, schwimmen zu lernen“, sagt Schwimmlehrer Ali Sadik. Gerade in der Stadt seien geeignete Schwimmangebote knapp, das „WorkOut“ habe hier eine wichtige Lücke geschlossen, sagt er. Jetzt wurde das Inventar versteigert und 28 Mitarbeiter mussten gekündigt werden.

Zukunft des Gebäudes offen

Der Vermieter Alexander Penkner erklärt, auch er hätte sich einen Nachfolger gewünscht. Im Zuge der Gespräche mit den neuen Interessenten habe man das Haus aber genau unter die Lupe genommen. Dabei seien Mängel an der Bausubstanz sowie an der Elektrik festgestellt worden. Auch das Schwimmbecken sei ein großes „Fragezeichen“ gewesen, sagt Penkner. „Das Wasser ist mehrmals übergelaufen und dürfte in die Substanz gelaufen sein.“ Vor der Neuvermietung würden deshalb wohl Investitionen in Höhe von rund zwei Millionen Euro notwendig. In Folge müsste eine höhere Miete verlangt werden, mit den Interessenten sei man da nicht übereingekommen, sagt Penkner.

Ob das Gebäude langfristig überhaupt erhalten werden kann, bezweifelt er. Angesprochen auf die Gerüchte, dass an dem Standort Wohnungen gebaut werden sollen, sagt Penkner: „Wir haben überlegt, das Objekt zu verkaufen. Selber bauen werden wir nicht.“ Die Lage wird in den nächsten Jahren durch die verlängerte U5 wohl aufgewertet.

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